Familienbande: Die Schuchardt-Geschwister Dieter, Brigitte (Gitti), Rosmarie (Muck) und Klaus (v. l.) bei einer Geburtstagsfeier vor etwa 15 Jahren. 
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Familienbande: Die Schuchardt-Geschwister Dieter, Brigitte (Gitti), Rosmarie (Muck) und Klaus (v. l.) bei einer Geburtstagsfeier vor etwa 15 Jahren. 

Nachruf auf Dieter Schuchardt

Trauer um ehemaligen Erdinger Wirt: Beim „Schuggi“ fühlten sich alle wohl

  • Wolfgang Krzizok
    vonWolfgang Krzizok
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Er war ein Original. Sein Bistro mit Steakhaus war viele Jahre DER Treffpunkt in Erding. Jetzt ist Dieter Schuchardt, den alle nur „Schuggi“ nannten, gestorben.

Erding „Er war ein Erdinger Original und hat sein Leben gelebt“, sagt Klaus Schuchardt über seinen jüngeren Bruder Dieter, der kurz vor seinem 69. Geburtstag nach langer schwerer Krankheit verstorben ist. Viele Erdinger erinnern sich gerne an „Schuggi“, so der Spitzname des Gastronomen.

Neben Bruder Klaus hatte Dieter Schuchardt zwei ältere Schwestern. „Aufgewachsen sind wir in der Schützenstraße, da standen kurz nach dem Krieg noch Baracken“, erzählt Klaus. „Dort sind wir auch in die evangelische Schule gegangen, die war da, wo jetzt der katholische Pfarrkindergarten ist.“ Unmittelbar daneben, am Volksfestplatz, wurde früher Fußball gespielt. Das angrenzende städtische Stadion beanspruchte die US-Army für sich.

Fußballer, Automechaniker, Gastronom

Gut, dass Vater Max Schuchardt, der ein begeisterter Fußballer beim TSV Erding war, nebenbei als Platzwart arbeitete, so durften die Buben ab und zu im Stadion kicken. Nach der Wiedergründung des 1. FC Rot-Weiß Klettham übernahm Max Schuchardt dort die Trainerstelle, seine Söhne gingen mit. Später wechselten Dieter und Klaus zum FC Falke Markt Schwaben. „Der Dieter hätte es auch noch weiter bringen können, ebenso wie sein bester Spezl Achim Radke“, erinnert sich Klaus Schuchardt, „aber den beiden waren Spaß und Geselligkeit immer wichtiger“.

So beendete Dieter „Schuggi“ Schuchardt schon früh seine Fußballerkarriere und lernte Automechaniker bei VW Walch in Erding. Nach der Lehre arbeitete er bei Vater Max an der Shell-Tankstelle an der Friedrichstraße. Dort steht heute das Gebäude der AOK Erding.

Leidenschaft fürs Eishockey 

Wenn die Brüder am Wochenende unterwegs waren, dann auch mal in Landshut, zusammen mit Quirin Wegele, „denn er hatte das erste Auto in unserem Freundeskreis“. Beim EV Landshut entdeckte Dieter Schuchardt seine Liebe zum Eishockey. Den Job bei seinem Vater hatte er mittlerweile aufgegeben. Er verdiente sein Geld als Gebrauchtwagenhändler, ehe er in die Gastronomie einstieg.

Zusammen mit seinem Spezl Sepp Klinger eröffnete „Schuggi“ – mit Lebensgefährtin Rosi an seiner Seite – das Bistro an der Freisinger Straße (heute Kabul Market). „Das war für die damalige Zeit das Highlight in Erding“, schwärmt Klaus Schuchardt noch heute. Auch Schwester Brigitte half mit. Die Kneipe entwickelte sich in kürzester Zeit zum Treffpunkt, vor allem die Fußballer aus allen Vereinen der Herzogstadt waren Stammgäste. Und später auch die Erdinger Eishackler. Denn als der TSV Erding 1978 eine Eishockey-Abteilung aus der Taufe hob, war „Schuggi“ dabei – als Torwart.

Als der Vertrag auslief, verlegte das Duo Schuchardt/Klinger das Bistro ins ehemalige Ristorante Capri an der Münchner Straße (heute AWO-Café) und eröffnete im hinteren Bereich das erste Erdinger Steakhaus. Das Lokal blieb weiterhin der Treffpunkt in Erding. Nach Eishockeyspielen feierten Spieler und Fans gemeinsam.

Kräftemessen im Eisstadion

Unvergessen eine Episode, als – zu fortgeschrittener Stunde – Dieter Schuchardt nach einem Heimspiel mit dem damaligen TSV-Verteidigerhünen Manfred Schrader diskutierte. Der behauptete nämlich, dass er gegen Torwart Schuchardt mindestens fünf von zehn Schlagschüssen von der blauen Linie versenken würde. „Oh mei, Schrader! Koane drei!“, antwortete „Schuggi“, der das sofort geklärt haben wollte.

Da traf es sich gut, dass auch der Eismeister im Bistro war. So fuhren rund ein Dutzend Personen kurz vor Mitternacht ins damals noch offene Erdinger Eisstadion. Das Flutlicht wurde eingeschaltet, und während sich die beiden Protagonisten umzogen, feierten die Zuschauer bei Bier und Sekt am Kiosk und bejubelten später lautstark jede Parade des Keepers: Nur zwei Schlagschüsse von Schrader schlugen im Netz ein – Wette gewonnen. Im Bistro wurde weitergefeiert.

13 Jahre schwer krebskrank

Später übernahm Dieter Schuchardt die Gastronomie im Golfclub Grünbach. Doch schon bald ging es nicht mehr. Bei dem starken Raucher wurden Kiefer- und Zungenkrebs diagnostiziert. „13 Jahre lang war er krank, hat sich aber immer wieder durchgewurschtelt und arbeitete dann noch in Freising als Koch“, erzählt sein Bruder Klaus. „Aber dann wurde es noch schlimmer.“ Lungen- und Magenkrebs brachen aus. Als auch noch der Darm befallen war, gab es keine Rettung mehr.

„Auf seine Gesundheit hat er nie geschaut. Er hat’s immer kracha lassn“, sagt sein Bruder Klaus über „Schuggi“. „Er war bei vielen Leuten beliebt, und ich bin mir sicher, dass ihn Familie, Freunde, Bekannte und Gäste immer in guter Erinnerung behalten werden.“

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