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Charmantes Lächeln, braun gebrannt: So kannten die Erdinger Konditormeister Helmut Krönauer. Er wurde 85 Jahre alt.

Nachruf

Trauer um einen echten Gentleman: Erdinger Konditormeister Helmut Krönauer gestorben

  • Gabi Zierz
    vonGabi Zierz
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Er war erfolgreicher Geschäftsmann, liebevoller Familienvater und ein Gentleman alter Schule: Helmut Krönauer. Jetzt ist der Erdinger Konditormeister gestorben.

Erding„Der Tod ist das Tor zum Licht am Ende eines mühsam gewordenen Weges.“ Dieser Spruch von Franz von Assisi ziert die Todesanzeige für Helmut Krönauer. Der Erdinger Geschäftsmann, Eis-Pionier und Konditormeister ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Lange hatte er gekämpft, am Ende verließen ihn die Kräfte.

„Es ist uns ein Trost, dass er friedlich einschlafen konnte“, sagt Sohn Christoph Krönauer und dankt im Namen der Familie den Pflegekräften des Heiliggeist-Stifts und dem Palliativ Team Erding, „die ihn so würdevoll begleitet haben“. Mit der Familie und Gattin Vevi, die 63 Jahre lang – privat und beruflich – wie ein Fels an seiner Seite stand, trauern Freunde, ehemalige Mitarbeiter und Stammgäste um einen Gentleman und Kavalier der alten Schule.

Gepflegtes Erscheinungsbild, charmantes Lächeln, an den Menschen interessiert: So behalten viele Erdinger Helmut Krönauer in Erinnerung. Er war nicht nur ein erfolgreicher Geschäftsmann. „Er war ein liebevoller Vater und immer für uns da“, sagt Christoph Krönauer. „Pa“ nannten ihn nicht nur seine Kinder, sondern später auch liebevoll die Enkel.

Der Familie galt stets die Liebe und Fürsorge des gebürtigen Erdingers, der selbst mit zwei Schwestern und drei Brüdern aufgewachsen ist. Vater Otto betrieb einen kleinen Eiswagen unter der Kastanie vor dem heutigen Café und verkaufte die selbst gemachten Köstlichkeiten. Helmut Krönauer absolvierte seine Konditorenausbildung in Haag bei Wasserburg, arbeitete dann in Moosburg und bestand in München die Meisterprüfung. In Italien lernte er zudem die Eiszubereitung.

In Moosburg begegnete er auch seiner späteren Gattin Genoveva, Vevi genannt. Bei einer Faschingsveranstaltung funkte es zwischen den beiden. Als sie als Aupair-Mädchen in die Schweiz ging, folgte ihr Helmut voller Sehnsucht und suchte sich dort ebenfalls einen Job. Er fand ihn beim Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli in Zürich.

1957 heirateten die beiden – standesamtlich in Erding, kirchlich in Moosburg. Dort lebten sie auch einige Jahre. 1961 zogen die Familie in ein Haus am Rätschenbach. Helmut Krönauer stieg in den väterlichen Betrieb ein. Die Kinder Wolfgang, Christoph und Angelika machten das Familienglück perfekt. 1965 erwarb das Ehepaar das ehemalige Schönherr-Haus an der Langen Zeile. Es wurde 1978 abgerissen und in kürzester Zeit neu erbaut. Nur neun Monate später konnte das Kaffeehaus wieder eröffnet werden.

Während Helmut Krönauer im Keller die Konditorküche leitete und für die Eisherstellung zuständig war, stand seine Gattin Vevi hinter der Theke, verkaufte Kuchen, kochte zwischendrin das Mittagessen für die Kinder und half bei der Bewirtung der Gäste. Oft arbeitete sie bis zur Erschöpfung. Anlässlich ihrer Diamantenen Hochzeit, die die beiden im März 2017 feiern konnten, sagte Helmut Krönauer voller Bewunderung für seine Ehefrau: „Sie war die Eiserne Lady.“ Er wusste genau, was er an seiner Vevi hatte. Ohne sie hätte er den Betrieb nicht so erfolgreich führen können.

Helmut Krönauer war auch ein großer Fan und Unterstützer des Erdinger Eishockeys, schon lange bevor Enkel Fabian selbst die Schlittschuhe schnürte. So wohnten die kanadischen Spieler Scott Campbell und Marty Irvine Ende der 1980er-/Anfang der 1990er-Jahre sogar im Haus, Familienanschluss inklusive. Der Kontakt hielt weit über die aktive Zeit hinaus, zu Campbell bis heute.

Helmut Krönauer hat sich stets für andere Menschen interessiert. Gerne saß er abends bei einem guten Schoppen Wein und einem Brotzeitbrettl mit seinen Stammgästen oder Golffreunden beisammen. Er war nach der Altstadtsanierung auch einer der Initiatoren des Lange-Zeile-Festes. Erding lag ihm am Herzen, vor allem die Kinder. So spendierte er über Jahrzehnte das Eis beim Sommerfest des städtischen Kindergartens St. Antonius. Eine Tradition, die Sohn Christoph fortsetzt. Er übernahm 1996 die Verantwortung für das Café, konnte sich aber stets auf die Unterstützung seiner Eltern verlassen. Sie waren immer zur Stelle, wenn Hilfe benötigt wurde.

An die letzte gemeinsame Reise mit seinem Vater erinnert sich Christoph Krönauer gerne: Vor zwei Jahren sind die beiden noch einmal zur Eismesse nach Longarone in den Dolomiten gefahren, wie sie es so viele Jahre lang taten. Und wieder bezogen sie Quartier im Val Zoldana, dem Tal der Eismacher.

Die Trauerfeier mit anschließender Urnenbeisetzung findet am Freitag, 31. Juli, um 10 Uhr vor der Aussegnungshalle im Friedhof St. Paul statt (nur mit Anmeldung).

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