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Diskussion über die Unfallstatistik (v. l.): Alfons Englmeier, Anton Altmann, Horst Weise und Thomas Naumann.

treffen mit adfc 

„Polizei nicht Gegner der Radfahrer“

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Der ADFC Erding hat immer wieder Kritik an der örtlichen Polizei geäußert. Die Sicherheit der Radfahrer stand nach Ansicht des Kreisvorsitzenden Horst Weise nicht ausreichend im Fokus.

ErdingPolizei- und ADFC-Vertreter trafen sich nun, um die Situation in Erding anhand der Unfallstatistik zu besprechen. Er habe das sehr begrüßt, sagt der Leiter Polizeiinspektion, Anton Altmann. „Das Anliegen ist ja für beide Seiten das gleiche. Die Polizei ist nicht der Gegner der Radfahrer“, erklärt der Polizeirat auf Nachfrage. „Wir sind halt zuständig für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer.“ Bei grundsätzlicher Einigkeit ergeben sich daher unterschiedliche Schlussfolgerungen der Gesprächspartner.

Weise und sein Kollege Thomas Naumann von der Arbeitsgruppe Verkehr waren von der Inspektion zu einer Diskussion über die Unfallstatistik 2016 und die aktuelle Gefahrenlage eingeladen worden. Laut Weise sei in ganz Bayern die Zahl der Unfälle mit Radlern stärker gestiegen, als der Radverkehr zugenommen habe.

Kreisvorsitzender Weise forderte noch einmal eindringlich dazu auf, die Situation in Erding vor Beginn der anstehenden Radsaison nicht zu unterschätzen. So berichtet er selbst in einer Pressemitteilung des ADFC. Erding sei, wie auch andere Umlandgemeinden von München, großem Verkehrsdruck ausgesetzt – nicht nur durch den örtlichen Verkehr, sondern auch indirekt dem der Landeshauptstadt.

All dies spiegle sich in den Unfallzahlen mit Radfahrerbeteiligung des Jahres 2016 wider. Die Zahl der Fälle im Stadtgebiet stieg nach Angaben der Polizei um 22 Prozent auf 79.

Gibt es in Erding Unfallschwerpunkte?

Bei dem Gespräch äußerte Polizeihauptkommissar Alfons Englmeier, dass er 2016 keine besonderen Unfallschwerpunkte gesehen habe. Die Unfälle hätten sich auf das gesamte Stadtgebiet verteilt. Weise merkte dazu an, dass in der Regel nur ein Drittel aller Unfälle zwischen motorisierten Verkehrsteilnehmern und Radfahrern überhaupt der Polizei bekannt würden. An der Bewertung der Unfallschwerpunkte könne man nicht rütteln, sagt der Inspektionschef. „Die Unfallschwerpunkte legt man aufgrund der Unfallstatistik fest. Da hab ich halt relativ wenig Vorfälle. Gott sei Dank ist das so.“

Die ADFC-Experten stellten vier Kreuzungen als ständige Gefahrenpunkte heraus: die Dorfener / Bahnhofstraße sowie drei an der Anton-Bruckner-Straße mit der Alten Römer-, der Sigwolf- und der Franz-Brombach-Straße.

Das Vorfahrtsrecht der Radfahrer werde häufig sträflich missachtet. Dass es hier nur wenige Unfälle gebe, sei dem umsichtigen Verhalten der Radfahrer geschuldet, meint Weise. Weitere 18 Gefahrenstellen in Erding hat der ADFC auf seiner Homepage abgebildet.

Als Maßnahme schlägt der ADFC-Kreisvorsitzende eine Polizeiüberwachung der kritischen Kreuzungen vor. Von der Postierung von Streifenwagen halte er mehr als vom Einsatz ziviler Kräfte, so wie es Weise bevorzuge, berichtet Altmann. Die sichtbare Präsenz von Beamten könne präventiv wirken, erklärt der Polizeirat.

Auch Fahrrad-Streifen fordert Weise, wie sie zum Beispiel in Köln und Berlin unterwegs seien. Diese Polizisten könnten besonders effektiv nicht nur gegen den motorisierten Verkehr vorgehen, sondern auch gegen Radrowdys auf Straßen oder in Parks. Zudem würde sich das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung enorm verbessern, so die Ansicht des ADFC-Chefs.

Englmeier und Altmann äußerten Verständnis für diese Einlassungen. Er habe nichts gegen Streifenbeamte auf Fahrrädern, erklärte der Polizeirat. Allerdings habe er ohnehin mit Personalnot zu kämpfen. „Ich brauche mehr Beamte auf der Straße und nicht in den Büros.“

Der ADFC hofft, dass die Stadt Erding bald einen neuen Verantwortlichen für den Radverkehr findet. Dann könnten diese Fachgespräche mit diesem und weiteren Verantwortlichen fortgesetzt werden. So könne endlich wieder mehr Bewegung in Richtung „fahrradfreundliche Kommune“ kommen. Der Beschluss dazu liege ja jetzt wahrlich lange genug in der Schublade, sagt Weise. 

Unfälle mit Radlern 2016:

gesamt: 79 (2015: 65), davon mit Personenschäden: 73 (58), davon mit Schwerverletzten 7 (11).

Quelle: ADFC / Polizei Erding

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