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Kann es immer noch: Stephan Treffler als Liedermacher.

Stadthalle

Treffler rührt sein Publikum und nimmt sich selbst auf die Schippe

Erding – Zwei Jahre lang war er nicht auf der Bühne. Jetzt trat er mit alten und neuen Songs wieder auf, im Kleinen Saal der Stadthalle. Dieser Raum war aber für Stephan Treffler, den „besten Liedermacher Erdings“, wie er sich selbstbewusst präsentierte, zu klein: Erst wurden weitere Stühle gebracht, auch das genügte nicht. Schließlich mussten einige Fans enttäuscht wieder gehen.

Die Besucher erlebten sein abwechslungsreiches Programm „Schein-Heilig“. Der 50-jährige Lehrer, auch als Politiker der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) in Stadt- und Kreisrat aktiv, verzauberte das Auditorium mit einer Mischung aus Nachdenklichkeit und Rührung. Er nahm dabei nicht nur Zeitströmungen oder Personen des öffentlichen Lebens auf die Schippe, sondern manchmal auch sich selbst.

In Erding geboren und „patentamtlich geschützt“, sang Treffler hinter seinem elektronischen Klavier – mit jeweils neuer Melodie – über die täglichen Dinge des Lebens. In seinen Beobachtungen kam „massenweise Billigware“ genauso vor wie ein Clown, „dessen Tränen man aus der Ferne nicht sieht“. Er sinnierte über Internet-Käufe, Horst Seehofers Scheinheiligkeit bei Landschaftsschutz und dritter Startbahn, gar über seine Mittelschüler. In der „Ballade vom Lernen“ etwa fragt er, wer sie das „Lesen zwischen den Zeilen“ lehrt, wer sie fürs echte Leben schult.

Treffler kann sich aber auch über „Mei Knöcherlsulz“ freuen, über seine „barock anmutenden Kapriolen beim Kochen“. Er kann „Naive Fragen“ an das Leben stellen, musikalisch unterstützt von Schwester Doris Wego (Querflöte) und Ehefrau Christina (Klarinette und Saxophon).

Ein „bekennender Öko-Freak“ wie er beklagt aber auch: „Mir schmeißn zu vui weg“. Vor lauter Lachen passierte dies fast einigen Lehrer-Kollegen, als sie von ihm hörten „Ich ändere nur mehr mich“. Im Lied „Hakenkreuze“ gab er zu verstehen, dass Fremdenhass und Ausgrenzung hier nicht funktionieren können und widmete den Song „Hey, hey, schaugts her, i bin doch wer“ allen jenen, „die ständig in der Langen Zeile auf- und abfahren“.

Einen positiven Ausblick, so Stephan Treffler, habe ihm eine Kollegin eröffnet. Mit „Irgendwie bleiben wir heiter, es geht immer weiter“ entstand ein Lied daraus. Und in dieser Stimmung gingen wohl auch die meisten Zuhörer nach Hause.

Friedbert Holz

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