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Übelster Antisemitismus

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Von: Hans Moritz

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An den Judenstern erinnert dieses Kennzeichen der Impfgegner. © Christophe Gateau/dpa

Die bayernweit besorgniserregend steigende Zahl an judenfeindlichen Zwischenfällen erreicht den Landkreis Erding.

Erding - Mehrere Bürger haben in den vergangenen Tagen ein anonymes Schreiben erhalten, das vor übelstem Antisemitismus nur so strotzt. Der Staatsschutz der Kripo Erding, unter anderem zuständig für politisch motivierte Straftaten, hat die Ermittlungen übernommen. Das Schreiben kursiert auch in Markt Schwaben. Bisher haben sich drei Empfänger gemeldet, die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen. Unserer Zeitung liegt das Pamphlet vor. Da auch in Stuttgart eine Kopie entdeckt wurde, gehen die Ermittler von einer bundesweiten Verteilung aus.

Es ist ein offener Aufruf zu einem neuerlichen Genozid: „Alle deutschen Juden sind bis Jahresende 2022 zu entfernen.“ Ausländische Juden, darunter Geflüchtete aus der Ukraine, müssten bis spätestens Frühjahr 2023 aus Deutschland entfernt werden, heißt es an einer Stelle. Dann der offene Aufruf zum Völkermord: „Bis Jahresende 2023 sind alle Juden der Erde mit zirka über 50 Millionen zu liquidieren.“ Selbst die Corona-Pandemie wird den Juden in die Schuhe zu schieben versucht, sie seien auch für andere Krankheiten wie Aids und Hepatitis verantwortlich, ebenso für Klimawandel und Extrem-Wetter.

Mit der Impfkampagne werde von den Juden der dritte Anlauf zur Weltherrschaft unternommen. Zweifach Geimpfte könnten keine Kinder mehr bekommen. Für nichts davon gibt es wissenschaftliche Belege.

In den vergangenen Jahren wurden im Landkreis Erding kaum antisemitische Straftaten angezeigt. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern teilt mit, 2018 sei es eine, 2019 zwei, 2020 eine und voriges Jahr drei gewesen – Volksverhetzung, Körperverletzung und Sachbeschädigung. Statistisch seien die Vorfälle insofern schwer zu fassen, „weil Vorfälle oft direkt ans Landeskriminalamt oder den Verfassungsschutz weitergeleitet werden“, so der Sprecher weiter.

Tatsache ist: Antisemitische Vorfälle haben in Bayern das dritte Jahr in Folge zugenommen – und das drastisch. 447 waren es 2021, ein Zuwachs von 82 Prozent im Vergleich zu 2020. Diese Zahlen nennt die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Bayern (RIAS). Auffällig habe sich die Judenfeindlichkeit zuletzt im Kontext von Corona-Protesten, antiisraelischen Versammlungen und Direktnachrichten im Internet gezeigt, teilt RIAS mit. Ein Beispiel sind die auch bei Erdinger Corona-Protesten ans Revers gehefteten gelben Judensterne aus der Nazi-Zeit mit der Aufschrift „ungeimpft“. In Bayern kam es voriges Jahr zu drei Angriffen, 15 Bedrohungen, 21 Sachbeschädigungen und 32 Massenzuschriften wie der, die nun in Erding zirkuliert.

Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU), deren Ministerium RIAS unterstützt, reagiert schockiert: „In Bayern ist kein Platz für Antisemitismus. Null Toleranz gegenüber Judenhass.“

ham

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