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So könnte er ausgesehen haben, der Altenerdinger Herrenhof am Gaugrafenweg um 700 nach Christus. Charakteristisch sind die Gräben, die die Siedlung schützten. Archäologen konnten sie freilegen.

Über die Entdeckung eines karolingischen Königshofs gibt es ab heute einen Film im Internet

Zeitreise zur Geburtsstätte Erdings

  • Hans Moritz
    VonHans Moritz
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Es war ein aufsehenerregender Fund, den Archäologen ab 2015 am Gaugrafenweg in Altenerding gemacht haben. Jetzt kommt die moderne Aufarbeitung.

Bei Aushubarbeiten für Wohnhäuser wurde ein Königshof der Karolinger freigelegt. Daraus hat Dr. Marc Miltz eine Doktorarbeit geschrieben. Nun gibt es einen spannenden Film, der seit Samstag im Internet abrufbar ist.

Der Archäologe fasst darin die Erkenntnisse seiner im Frühjahr vorgelegten Doktorarbeit zusammen. Im Rahmen des von der Stadt Erding geförderten Forschungsprojektes „Erding im ersten Jahrtausend“ wertete er seit 2015 die Ergebnisse verschiedener Ausgrabungen in Altenerding aus, darunter eine karolingerzeitliche Siedlung innerhalb der Semptschleife südlich der Ardeo- und östlich der Landgerichtsstraße. Sie ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mit dem aus den Schriftquellen bekannten Königshof der Karolinger gleichzusetzen.

Der Namen „Ardeoingas“ wird in auf die Jahre 791-93 datierten Schriften erstmals erwähnt. Als besonders spektakulär gilt, dass nach aufwendigen wissenschaftlichen Forschungsgrabungen in den Jahren 2017 und 2018 eine noch ältere Befestigungsanlage am Gaugrafenweg entdeckt wurde. Diese Befestigung wurde wohl um die Jahre 660/670 errichtet und kann dadurch den damals herrschenden bayerischen Herzögen, den Agilolfingern, zugerechnet werden.

Miltz konnte so den direkten Vorgänger der Stadt Erding, den herrschaftlichen Hof aus dem Frühmittelalter, zum ersten Mal klar lokalisieren, beschreiben und historisch einordnen.

Damit nicht genug: Miltz entdeckte außerdem auf dem nahe gelegenen Petersbergl einen sehr frühen Kirchhof. Auf diesem Friedhof wurde zwischen der Mitte des siebten Jahrhunderts und zirka dem Jahr 900 in beigabenlosen Gräbern bestattet. Seine Spuren führen bis in die unmittelbare Vergangenheit, nachdem das 1967 unter unglücklichen Umständen abgerissene Peterskircherl auf einen frühmittelalterlichen Vorgänger zurückging, der von einem großen Friedhof umgeben war.

Miltz’ Vortrag ist entweder auf der Homepage des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege (BLfD) oder auf seinem YouTube-Kanal zu finden. Oberbürgermeister Max Gotz, Prof. Dr. Bernd Päffgen vom Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie und Provinzialrömische Archäologie der LMU München sowie Prof. Dr. Sebastian Sommer vom BLfD geben kurze Einführungen.

Rathaus-Sprecher Christian Wanninger teilt mit, dass der Film das Ersatzprogramm für das Archäologische Sommerseminar ist, das heuer zum zweiten Mal Corona zum Opfer fällt.

ham

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