Das kommt weg: Hauptfeldwebel Benjamin Reschny zeigt auf den roten Punkt an einer Drehbank. Diese und andere Maschinen sind zu alt, um nach Manching mitgenommen zu werden. 
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Das kommt weg: Hauptfeldwebel Benjamin Reschny zeigt auf den roten Punkt an einer Drehbank. Diese und andere Maschinen sind zu alt, um nach Manching mitgenommen zu werden. 

So bereitet sich das Instandsetzungszentrum 11 auf Manching vor

Fliegerhorst Erding: Umzug an den Hightech-Standort

Ausmisten vor dem Umzug: Ein Teil des Instandsetzungszentrums 11 im Fliegerhorst Erding wechselt zum Jahresende nach Manching. Dort wartet eine Hightech-Arbeitswelt.

Erding/Manching – Ein erster Teil des Instandsetzungszentrums 11 verlässt Ende des Jahres den Fliegerhorst Erding. Am neuen Standort in Manching erhält er eine Hightech-Arbeitswelt.

In der 1600 Quadratmeter großen, mittlerweile etwas abgenutzten CNC-Werkstatt auf dem weitläufigen Fliegerhorst-Areal stehen ölige Metall- und Kunststoff-Fräsen, wuchtige Drehbänke und überdimensionale Schleifmaschinen. Darauf kleben unterschiedliche Sticker: „Grün bedeutet kommt mit, rot bedeutet bleibt da und wird verkauft oder verschrottet“, erklärt Hauptfeldwebel Benjamin Reschny.

In seiner Halle herrscht Aufbruchsstimmung. Am 18. Dezember ist dort für immer Dienstschluss. Die Werkstatt, in der jahrzehntelang Sonderwerkzeuge für Luftfahrzeugtechniker, Prototypen aus Verbesserungsvorschlägen und unzählige Kleinteile für die gesamte Luftwaffe hergestellt wurden, zieht um.

Szenenwechsel, 80 Kilometer weiter nördlich in Manching bei Ingolstadt: Reschny schiebt die schwere Stahltür in seinem neuen Gebäude auf und strahlt fast so wie beim Öffnen des Weihnachtszimmers. Was für Unbeteiligte eine normale Baustelle ist, wo noch die letzten Geräte und Armaturen installiert werden, ist für den jungen Berufssoldaten und Werkstattleiter ein Ort, an dem Wünsche in Erfüllung gehen.

Einige „Geschenke“ durfte sich der Luftfahrzeugmetaller-Feldwebel aus einem Spezialkatalog aussuchen, andere bringt er bei seinem Umzug Ende Dezember aus Erding mit. „Dank vieler neuer Maschinen starten wir in Manching einen Neuanfang“, freut sich Reschny, der die Halle bisher nur von Plänen kannte. Einziger Wermutstropfen: Einige seiner neun Mitarbeiter werden nicht nach Manching umziehen. Und er muss sein geschätzt 90 Tonnen schweres Halbzeug-Lager vorerst in Erding zurücklassen. Das sind Rohstähle in verschiedenen Legierungen und Zuschnitten, die später verarbeitet werden und viel Platz benötigen.

Den Standort Erding mit dem Fliegerhorst bis zum Jahr 2024 komplett aufzugeben, war eine politische Entscheidung. Manching auszuwählen, lag nahe, weil mit Airbus dort schon ein großer Partner der Luftwaffe angesiedelt ist. Auch wenn das Instandhaltungszentrum 11 keine kompletten Flugzeuge mehr instand setzt, ist der dortige Flugplatz, den auch die Wehrtechnische Dienststelle 61 nutzt, ein guter Ort für einen Neuanfang.

Noch eine Baustelle ist das neue Instandsetzungszentrum 11 nahe des Flugplatzes Manching (links). Der Neubau hat 110 Millionen Euro gekostet. Verteilt auf neun Hallen bietet er Platz für 16 000 Quadratmeter Arbeitsflächen.

Einer, der den 110 Millionen teuren Neubau von den ersten Planungen bis zum Umzug begleitet, ist Hauptmann Johann Glonner. Diese Mammutaufgabe, in einer für öffentliche Bauvorhaben extrem kurzen Zeit von drei Jahren, beschert den rund 120 Soldaten und 70 zivilen Mitarbeitern 16 000 Quadratmeter neue Arbeitsfläche, verteilt auf neun Hallen.

„Der Nachteil, dass wir platzmäßig nicht mehr wie in Erding aus dem Vollen schöpfen können, wird dadurch kompensiert, dass alle acht Werkstätten eine eigene Halle haben und diese sehr nahe beieinanderliegen“, erklärt Glonner. Hauptmann Lars Böhm-Bayer, der den möglichst bruchfreien Umzug in zwei Tranchen koordiniert, lobt die Riesenchance, mit der Neueinrichtung der Hallen einen technologischen Quantensprung zu machen. Dieser lag nahe, weil viele Maschinen und Geräte längst abgeschrieben sind. Der CNC-Fräser stammt zum Beispiel aus dem Jahr 1961.

Diese Chance des Technologiesprungs nutzt auf jeden Fall Stabsfeldwebel Christian Waldinger. Schon jetzt kann er mit seiner Kunststoff-Strahlanlage, den Latex- und Laserplottern zur Flugzeugbeschriftung und Lackierungs- sowie Entlackungsverfahren die zivile Industrie locker übertreffen. „Gerade im Bereich des Arbeitsschutzes werden wir in Manching die höchsten Standards erfüllen und auch einige neue Geräte erhalten“, freut sich Waldinger, der mit seinem Zehn-Mann-Team unter anderem viele Sonderlackierungen und -folierungen von Luftfahrzeugen realisiert hat. Waldinger zieht erst im Juni 2021 mit seiner Werkstatt um.

So ein Umzug hat auch Konsequenzen für das Personal. „95 Prozent der Soldatinnen und Soldaten gehen mit, bei den Zivilangestellten ist der Anteil etwas geringer“, sagt Oberstleutnant Robert Rummel, Leiter des Instandhaltungszentrums 11. Entstehende Vakanzen würden durch Stellenausschreibungen neu besetzt. Für diejenigen, die sich fürs Pendeln entschieden hätten, habe der Bund attraktive Arbeitszeitmodelle.

Das bestätigt Claus-Dieter Balling. Er und seine Ehefrau Ulrike, die in der Materialdisposition arbeitet, nutzen teilweise die Möglichkeit des Homeoffice, sodass ein Umzug der vierköpfigen Familie nicht notwendig ist. Während sich der Stabsfeldwebel auf sein neues, aber kleineres Büro in Manching freut, versucht Ulrike Balling das Material, das die Teileinheiten nicht mitnehmen, anderweitig an den Mann zu bringen. „Zwei Drittel wandert in einen Pool, aus dem sich alle Bundeswehrdienststellen bedienen können, ein Drittel wird altersbedingt entsorgt“, erklärt sie.

Besonderes wird auch versteigert, zum Beispiel ein Werkzeugkoffer, der kürzlich zurückgegeben wurde. Er ist jetzt 50 Jahre alt und wird am Hightech-Standort Manching nicht mehr gebraucht.

MAX-JOSEPH KRONENBITTER

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