Vor Gericht musste sich jetzt ein Münchner (59) verantworten.
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Vor Gericht musste sich jetzt ein Münchner (59) verantworten.

59-Jähriger besorgte insgesamt 200 Euro

Mann hebt Geld vom Konto der demenzkranken Mutter ab und schlägt seinen Bruder nach heftigem Streit

  • vonMayls Majurani
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Viermal hob ein 59-Jähriger Geld vom Konto seiner demenzkranken Mutter ab, obwohl er dafür nicht berechtigt war. Außerdem schlug er seinen Bruder bei einem Streit. Dafür wurde er vor dem Erdinger Amtsgericht am Dienstag zu einer Geldstrafe verurteilt.

Nördlicher Landkreis Erding – Der Münchner fuhr am 2. Weihnachtsfeiertag vergangenen Jahres zu seiner Mutter, die damals im nördlichen Landkreis lebte. Etwa eine Woche verbrachte er dort, fuhr zusammen mit ihr quer durch die Region nach Landshut, Moosburg und Freising, „weil meine Mutter raus wollte“, wie er erzählte. Dabei gab die 80-Jährige dem Sohn ihre Bankkarte, damit dieser Geld abheben konnte. Gesagt, getan: An drei Tagen hob er jeweils 50 Euro ab und übergab sie seiner Mutter.

Am späten Abend des 2. Januar brach die Mutter plötzlich zuhause zusammen. „Wäre ich nicht dort gewesen, wäre sie wahrscheinlich verstorben“, sagte der Mann. Der Rettungsdienst wurde gerufen, die Mutter reanimiert.

Währenddessen geriet der Angeklagte in einen Streit mit seinem Bruder, der eine Etage weiter oben wohnte und runterkam, als er das Blaulicht bemerkte. Die Brüder waren seit längerem zerstritten. Während der Auseinandersetzung schlug der Angeklagte nach provokanten Äußerungen zu. Zu einer erheblichen Verletzung kam es dabei aber offenbar nicht.

Als die Mutter in ein Krankenhaus eingeliefert worden war, fuhr der Angeklagte noch mal alleine zur Bank und hob ein viertes Mal 50 Euro ab – ohne dazu beauftragt worden zu sein. „Sie hatte kein Geld bei sich. Ich wollte ihr die 50 Euro ins Krankenhaus bringen“, sagte der 59-Jährige. Das konnte er allerdings nicht, weil die Mutter auf der Intensivstation lag. „Ich konnte sie nicht besuchen. Die 50 Euro habe ich noch immer. Mittlerweile ist meine Mutter im Pflegeheim, und dort darf ich sie auch nicht besuchen.“

Spätestens bei der letzten Geldabhebung wusste der Mann aber, dass er dazu nicht berechtigt war. Im Streit mit dem Bruder erfuhr er, dass dieser für die Finanzen der Mutter zuständig ist.

Die Verfolgung der ersten drei Abhebungen wurde eingestellt. Staatsanwältin Lisa Bieber forderte dennoch eine Freiheitsstrafe von drei Monaten, weil der Mann bereits zwölfmal strafrechtlich in Erscheinung getreten war, hauptsächlich wegen Verkehrsdelikten. Die Verteidigung plädierte auf eine Geldstrafe.

Auch Richter Alexander Wassermann hielt eine Geldstrafe für angemessen. Sein Urteil: 120 Tagessätze à 15 Euro – für den Betrug, also die Geldabhebung, für die Körperverletzung und für einen Diebstahl, der nicht in Zusammenhang mit der ganzen Geschichte stand: Der 59-Jährige hatte im April zwei Dosen Whiskey in einem Supermarkt geklaut.

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