Mit zwei Gläsern Wein scheint der Alkoholwert im Blut unrealistisch zu sein. Doch für zwei Flaschen Bier nach der Fahrt war zu wenig Zeit. Wie alles wirklich passierte, muss nun im Februar geklärt werden. Symbolfoto.
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Mit zwei Gläsern Wein scheint der Alkoholwert im Blut unrealistisch zu sein. Doch für zwei Flaschen Bier nach der Fahrt war zu wenig Zeit. Wie alles wirklich passierte, muss nun im Februar geklärt werden. Symbolfoto.

50-Jährige wegen Alkoholfahrt angeklagt – Urteil vertagt

Unklarheiten über 1,58 Promille

  • vonMayls Majurani
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Weil sie mit dem Auto auffällig fuhr, wurde eine Erdingerin bei der Polizei angezeigt. Diese stellte Alkoholkonsum fest. Ob vor oder nach der Fahrt getrunken wurde, konnte am ersten Verhandlungstag aber nicht geklärt.

Erding – Eine halbe Flasche Wein vor und zwei 0,33er Biere nach der Autofahrt – das könnte die 1,58 Promille Alkohol im Blut einer 50-jährigen Erdingerin erklären. Nur: Bei ihrer Polizeiaussage erwähnte sie keinen Nachtrunk, gab lediglich an, vor der Fahrt ein paar Flaschen Bier getrunken zu haben. Der Fall vor dem Amtsgericht Erding konnte wegen Ungereimtheiten bei der ersten Verhandlung noch nicht eindeutig geklärt werden. Im Februar geht es in die zweite Runde.

Die 50-jährige Angeklagte war an einem Sonntagabend im Juni bei einer Freundin in Moosinning zu Besuch. Dort hätten beide zusammen eine Flasche Wein getrunken, „ich glaube, es waren zwei Gläser“, sagte sie vor Gericht. Kurz vor 23 Uhr sei sie dann nach Hause gefahren.

Um 23.40 Uhr ging bei der Polizeiinspektion Erding ein Anruf aus Niederding ein. Ein Mann hatte die Frau kurz zuvor im Verkehr bemerkt und das Kennzeichen notiert, als sie zwei Mal auf die Gegenfahrbahn gekommen sei, einmal auf der FTO, einmal an der Ausfahrt-Kreuzung Erding-Mitte. Zehn Minuten später war die Polizei dann bei der Erdingerin zuhause. „Der Motor war noch warm“, erinnerte sich die ermittelnde Polizistin auf dem Zeugenstuhl.

Bei der Polizei keinen Nachtrunk angegeben

„Das war eine schwierige Zeit. Ich hatte mich mit meinem Mann gestritten und war ausgezogen. Als ich an diesem Tag zu Hause war, habe ich ein pflanzliches Beruhigungsmittel genommen und zwei Desperados getrunken“, sagte die Angeklagte. Die Schlangenlinien erklärte sie so: „Diese Strecke fuhr ich zum zweiten Mal in meinem Leben. Mein Navi-Halter ist kaputt, und das Navi ist während der Fahrt ein paar Mal runtergefallen, und ich habe es aufgehoben. Vielleicht bin ich da auf die Gegenspur gekommen.“

Als die Polizei bei ihr zuhause war, ergab ein freiwilliger Atemalkoholtest 0,73 Promille, der Bluttest eine halbe Stunde später im Krankenhaus 1,58 Promille. Einen Nachtrunk hatte sie gegenüber den Beamten nicht erwähnt. Vor Gericht sagte sie: „Meine Tochter war zu Hause und hatte Angst. Ich war seit Tagen sehr durcheinander und überfordert und habe die Aussage einfach unterschrieben, ohne sie zu lesen.“

Promillewert ohne Nachtrunk unrealistisch

Das war dann aber nicht ganz stimmig mit einer Korrektur auf der polizeilichen Aussage. Dort war erst von einer Flasche Desperados die Rede, das händisch in „ein paar Flaschen“ ausgebessert worden war. Die ermittelnde Polizistin erklärte: „Wir haben nachgefragt, weil man mit einem kleinen Bier nicht auf diesen Promillewert (0,73) kommt. Sie hat sich die Aussage durchgelesen und korrigieren lassen.“

Den Promillewert aus dem Bluttest konnte sich dagegen Verteidiger Berthold Menacher nicht erklären: „Wenn sie eine halbe Flasche Wein vor der Fahrt getrunken hat, kann sie die 1,58 Promille nicht ohne Nachtrunk erreichen.“ Richterin Michaela Wawerla zweifelte aber daran, dass die Frau in zehn bis 15 Minuten zuhause zwei Flaschen Bier getrunken haben kann. Auch die Polizistin erinnerte sich nicht daran, in der Wohnung irgendwelche alkoholischen Getränke gesehen zu haben.

Nun wird die Verhandlung bis Februar ausgesetzt. Dann sollen die Moosinninger Freundin und die Tochter der Angeklagten angehört werden sowie der Niederdinger, der die Polizei verständigte.

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