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Baugrund ist knapp und teuer - die Gemeinden sollen den Weg frei machen für höheres und kompakteres Bauen. Unser Bild zeigt den Thermengarten in Altenerding.

Höher und Enger: Geschosswohnungsbau auf dem Land

„Unsere Dörfer werden sich verändern“

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Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen sollen die Gemeinden – und stärker in die Höhe als in die Breite bauen: So würde einerseits der Flächenfraß, andererseits die heiß laufende Preisspirale gebremst. Doch so einfach ist das nicht.

Landkreis - „Anreizpaket zum Flächensparen“ heißt ein Papier der CSU-Landtagsfraktion (wir berichteten). Die Not ist in den Gemeinden im Erdinger Land bekannt. Zwischen Theorie und Praxis klafft jedoch eine große Lücke, ergab eine Umfrage unserer Zeitung unter kleineren Gemeinden.

„Das ist ein netter Anfang, aber so leicht nicht realisierbar“, meint die Ottenhofener Bürgermeisterin Nicole Schley. Auf dem Areal des früheren Autohauses Bauer werde die Gemeinde Wohnungsbau realisieren. „Das wird von der Regierung von Oberbayern gefördert. Und die verlangt, dass wir kompakter und höher bauen.“ Darauf werde man auch achten, so Schley weiter, „aber wir müssen uns an der umgebenden Bebauung orientieren, wie es das Baurecht vorschreibt.“ Deswegen schließt sie einen wuchtigen Geschosswohnungsbau mit städtischem Charakter aus. „Wir wollen unser Ortsbild erhalten. Aber mit der Zeit wird sich sicher einiges verändern, auch weil wir Familien Bezahlbares bieten müssen.“

Ihr Walpertskirchener Kollege Franz Hörmann berichtet von einem kommunalen Projekt in zentraler Lage. Mehr als zwei Etagen mit Dachgeschoss hält er aber für unrealistisch. „Unser Ziel ist, auch Mietwohnungen für junge Familien zu schaffen, da sie viel später in der Lage sind, Eigentum zu erwerben.“

In Wörth wird die Gemeinde ebenfalls ein vergleichbares Vorhaben anpacken. „Zehn bis zwölf Wohnungen sollen es sein, und zwar von einem bis vier Zimmer“, erklärt Geschäftsleitender Beamter Oliver Guderle. Nach Vorgabe der Regierung strebt Wörth einen Mix aus Miete und Eigentum an. Guderle hält es aber für unrealistisch, weiter in die Höhe zu gehen als zwei Vollgeschosse.

Größere und kompaktere Wohneinheiten gibt es in Bockhorn „nur sehr begrenzt“, schildert Rathauschef Hans Schreiner im Gespräch mit unserer Zeitung. Bisher würden vor allem Einzelhäuser und Doppelhaushälften gebaut. „Bei neuen Ausweisungen achten wir mittlerweile schon darauf, auf möglichst geringer Fläche möglichst viel zu bauen“, sagt Schreiner, weist aber auch darauf hin, „dass die Nachfrage nach Geschosswohnungsbau bisher eher gering ist“.

Er ist dennoch überzeugt: „Hier findet ein Wandel statt. Unsere Dörfer werden sich verändern.“ Wohnblöcke wie in den Städten lehnt Schreiner ab: „Wir wollen nicht in einen Bereich, dass wir eine Drehleiter für die Feuerwehr anschaffen müssen, um zu den oberen Stockwerken zu gelangen. Das ist die Grenze.“

Auch Oberdings Rathauschef Bernhard Mücke sieht die Kommunen im Wandel: „Die Grundstücke werden bereits kleiner, auch bei uns. Hinzu kommt der Trend, zumindest etwas höher zu bauen.“ Als Beispiel nennt er ein Baugebiet in Aufkirchen: „Bisher sind Erd- und Dachgeschoss üblich. Der Gemeinderat lässt aber eine weitere Etage zu.“ Mücke spricht sich für mehr Verdichtung im Innenraum aus – „weil der Platz begrenzt ist, in Oberding etwa durch den Flughafen, den Isarkanal und das Straßen- und Leitungsnetz.

Die Gemeinden befänden sich „im Spagat, den dörflichen Charakter zu bewahren und mehr Wohnraum zu schaffen“. Hochhäuser lehnt er jedoch strikt ab. „Das passt hier nicht her.“ Grundsätzlich müsse mit den Flächen sparsamer umgegangen werden. „Deswegen haben wir am Schulzentrum keine Parkplätze, sondern eine Tiefgarage“, sagt Mücke. Verboten bei der Nutzung von Flächen erteilt er eine klare Absage.

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