unzureichender Versicherungsschutz 

Wenn’s brennt, ist der Feuerwehrmann allein

Kreisbrandräte bemängeln unzureichenden Versicherungsschutz bei Unfällen im Ehrenamt. Zum Beispiel Nebenerwerbslandwirte haben hier ein echtes Problem – das zeigt ein Fall aus dem Nachbarlandkreis.

Landkreis – Freiwilliger Dienst bei der Feuerwehr ist mit Risiken verbunden – nicht nur mit körperlichen, sondern auch mit finanziellen. Diese Erfahrung hat ein Aktiver aus der Gemeinde Baiern im Landkreis Ebersberg gemacht. Er führt einen landwirtschaftlichen Betrieb im Nebenerwerb. Und da beginnen die Schwierigkeiten.

Seine Lage schilderte der Mann in der Bairer Bürgerversammlung so: Er sei auf einer Fahrt mit dem Feuerwehrauto in einen Unfall verwickelt worden. Anschließend war er für sieben Wochen im Krankenstand. Nachdem auch der Betrieb eines Nebenerwerbslandwirts weitergeführt werden muss, benötigte er einen Betriebshelfer. Die Kosten dafür übernahm die Versicherung jedoch nur zu einem kleinen Bruchteil.

„Das ist eine definitive Lücke und kein Einzelfall“, bestätigt Theresa Maier, die beim Maschinenring Ebersberg für die Betriebshilfe zuständig ist. „Das muss beim Landesfeuerwehrverband angestoßen werden, dass da etwas passiert“, fordert Willi Vogl, Kreisbrandrat im Landkreis Erding. Ihm selbst sei ein solcher Fall aber noch nicht begegnet.

„Es geht nicht um die Arztkosten, die Rehabilitation oder die Heilbehandlungen“, erläutert der Ebersberger Kreisbrandrat Andreas Heiß. Die würden bezahlt. Das Problem sei alleine die Übernahme der Betriebshelferkosten. „In so einem Fall muss die kommunale Versicherung einspringen, die übernimmt aber nur einen geringen Anteil“, weiß Maier aus ihrer Praxis.

Einen guten Versicherungsschutz gibt es hingegen für Vollerwerbslandwirte. Die sind über die landwirtschaftliche Alterskasse versichert. Für einen Nebenerwerbslandwirt ist das aber oft keine Option, da er über seine berufliche Tätigkeit sowieso normal versichert ist wie jeder andere Arbeitstätige auch. „Ich kann von einem Nebenerwerbslandwirt auch nicht verlangen, dass er wegen seiner ehrenamtlichen Tätigkeit bei der Feuerwehr weiter in die Alterskasse einzahlt“, gibt Heiß zu bedenken.

Maier ist der Fall des Bairer Feuerwehrmannes wohlbekannt. Aus ihrer Erfahrung beim Maschinenring sagt sie, dass auch andere dieses Problem schon hatten. Nebenerwerbslandwirte hätten bisher, wenn sie einen Unfall im Feuerwehrdienst haben, deutliche Nachteile, stellt Heiß fest. „Uns geht es um eine klare Regelung.“ Der Landwirt brauche Rechtssicherheit, so dass er sagen könne: „Den Betriebshelfer kann ich beauftragen“, ohne später dann bei der Abrechnung eine böse Überraschung zu erleben.

Warum zahlt eigentlich die normale Versicherung den Betriebshelfer nicht? „Diese Leistung kennt nur die landwirtschaftliche Alterskasse, andere Versicherungsträger kennen sie nicht“, informiert Heiß. „Wir haben das deshalb in die zuständigen Ministerien reingetragen“, berichtet die Expertin. „Da muss man schauen, wie das weitergeht.“

„Ich möchte mit dem Betroffenen ein Gespräch führen, um zu sehen, wo die Schwierigkeiten genau liegen“, kündigt Uwe Peetz, Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbandes, an. Ende Juni sei ein Treffen des Landesfeuerwehrverbandes mit Ministerpräsident Markus Söder geplant, wo der Vorgang thematisiert werden könne, „entweder auf der politischen Ebene oder mit der kommunalen Versicherung“, so Peetz.

Sonst könne es sein, dass der eine oder andere es sich vielleicht zweimal überlegt, seinen freiwilligen Einsatz fortzuführen. Der Bairer Feuerwehrmann jedenfalls hat angekündigt, seinen Dienst im Moment ruhen zu lassen. Die aktuelle Situation für Selbstständige bei der Feuerwehr bezeichnete er als absolut unzureichend.

Rubriklistenbild: © dpa / Julian Stratenschulte

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