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Reif für die Insel: Zahlreiche Urlauber brechen in diesen Tagen per Ferienflieger nach Mallorca auf.

Urlaubsreisen zu Ostern: Hoteliers sauer, Arzt alarmiert – Kaum Buchungen in Erding

Stadtpark statt Mallorca

  • vonAlexandra Anderka
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Der Reisetrend, über Ostern nach Mallorca zu fliegen, stößt in Erding vor allem auf eines - geballte Kritik. Schuld sei aber auch die Politik.

Erding Der Osterurlaub auf Mallorca ist erlaubt, die Hotels und Gaststätten im eigenen Land haben das Nachsehen. „Eine Sauerei“, findet das Andreas Fehlberger, stellvertretender Vorsitzender des Hotel-und Gaststättenverbands im Landkreis, und entschuldigt sich gleichzeitig für diese Wortwahl. Aber „das ist einfach nicht tragbar und den Gastronomen und Hoteliers hierzulande gegenüber nur unfair.“ Da seien doch alle anderen Corona-Maßnahmen nicht mehr zu rechtfertigen. Und er fragt sich: „Warum?“

Darauf hat Dr. Markus Marschall, Sprecher der Ärzte im Landkreis, eine Antwort: „Bei dieser niedrigen Inzidenz auf den Balearen hat die Politik keine andere Wahl, als die Einstufung in ein Risikogebiet aufzuheben.“ Der Erdinger Lungenfacharzt rät jedoch dringend davon ab, diese Möglichkeit wahrzunehmen: „Wenn mich einer fragt, sage ich definitiv: Gehen Sie lieber im Stadtpark spazieren.“

Denn solange der Impfschutz in der Bevölkerung nicht gegeben ist, bedeuteten mehr Kontakte mehr Ansteckungsgefahr, erinnert der Mediziner. „Wenn wir die Kontaktbeschränkungen aufgeben, fliegt uns die Situation um die Ohren“, warnt er.

Das befürchtet auch Fehlberger, der seit 19 Jahren das 1994 eröffnete Hotel am Schlossberg in Aufhausen leitet. „Die Lage wird sich nach der Rückkehr der Urlauber hier weiter verschlechtern. Mallorca hat doch einen bestimmten Ruf. Da fahren mit Sicherheit nicht nur die hin, die auf einer einsamen Finca den Frühling genießen wollen.“

Selbst wenn nach der Rückkehr eine Quarantänepflicht gelten sollte: „Wer überprüft das denn?“ Fehlberger befürchtet, „dass wir das Ganze dann ausbaden müssen“, und sich die Pandemie dadurch weiter in die Länge zieht. Er zeigt null Verständnis für die Urlauber: „Wer muss denn jetzt nach Mallorca fliegen? Haben wir kein anderes Problem, als in den Urlaub zu fahren? Das ist doch der Wahnsinn, dass die Leute das mitmachen!“

Emotional könne Marschall die Sehnsucht der Urlauber nachvollziehen, doch man müsse die persönlichen, aber auch die globalen Risiken abwägen. Er denke vor allem an die Kinder und Jugendlichen, die nun schon so lange im Homeschooling sind. Mit Reisen und mehr Kontakten gefährde man beispielsweise auch die Rückkehr zum Präsenzunterricht.

Hotelier Fehlberger ist der Meinung, die Regierung müsste korrigierend eingreifen. „Vor dem Hintergrund, dass Reisen nach Mallorca erlaubt sind, kann man es einfach nicht mehr nachvollziehen, dass hier alles geschlossen bleiben muss.“ Er sei in engem Kontakt mit seinen Kollegen. Eines stehe fest: „So geht es nicht mehr weiter.“ Alle hätten ein sicheres Hygiene-Konzept. „Keiner will da was riskieren, wir wollen doch alle wieder raus aus diesem Schlamassel.“ Ein kleiner Lichtblick sei die mögliche Öffnung der Außengastronomie ab 12. April. Ein Erfolg hänge aber stark vom Wetter und den Auflagen ab.

Fehlberger ärgert es, dass die Flieger auf die Party-Insel ausgebucht sind, doch für den Landkreis gibt Evi Heiß vom TUI-Reisebüro in Erding Entwarnung: „Die Nachfrage ist sehr verhalten.“ Lediglich zwei Anfragen habe sie gehabt, und die hätten dann auch nicht gebucht, als sie erfuhren, dass lediglich 25 Prozent der Hotels auf Mallorca geöffnet seien, die Restaurants ab 17 Uhr schließen müssen und ab 22 Uhr eine Ausgangssperre gelte.

Zudem sei ihren Kunden die Situation zu riskant: Auch wenn dort die Inzidenz unter 25 sei, „wer weiß denn, was in 14 Tagen ist? Wir haben viele Familien als Kunden, und die können ihre Kinder nach den Ferien nicht einfach 14 Tage in Quarantäne behalten“. Im März und April könne man auf Mallorca noch nicht baden, also falle das Ziel für Badeurlauber schon mal flach. Heiß überlässt die Entscheidung stets ihren Kunden, doch „wir haben eine hohe Aufklärungspflicht“. Den Leuten müsse klar sein, dass sie sich durch das „Nadelöhr des Fliegers“ begeben müssen und bereit sein, dieses Risiko auf sich zu nehmen.

All denen, die trotz Warnung nicht auf den Insel-Urlaub verzichten möchten, rät Marschall dringend: „Machen Sie auf jeden Fall auch nach der Rückkehr einen Test, egal, ob das Vorschrift ist oder nicht.“

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