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Braunbär Ben führte ein tristes Dasein hinter Gittern. In Erding sind Wildtiere im Zirkus jetzt verboten. 

"Tierisch interessantes Rechtsproblem"

Verbot von Zirkus mit Wildtieren in Erding: Verfahren eingestellt

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München - Ein kleiner Zirkus hatte gegen das Erdinger Verbot Berufung eingelegt. Am Mittwoch zog er sie zurück.

Elefanten mit bunten Hütchen stellen sich zur Polonäse auf oder machen Kopfstand. Tiger springen durch brennende Reifen. Es sieht so aus, als hätten sie Spaß dabei. Doch die Kunststücke im Zirkus seien eine Qual für die Wildtiere, sagt die Tierschutzorganisation PETA. Vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) zeigt sie am Mittwoch, wie Wildtiere im Zirkus angeblich wirklich leben: Zwei Aktivisten werden als Bär und Elefant verkleidet in einen winzigen Käfig gepfercht. „Kein Applaus für Tierquälerei“, steht auf dem Plakat, das der Bär hält.

Drinnen verhandelt der VGH derweil die Klage des „Cirkus Luna“, den die Stadt Erding nicht auf ihrem Volksfestplatz auftreten ließ. Die Stadt war schon 2012 der Ansicht, dass sie keine Wildtiere mehr auf dem städtischen Platz sehen will. Grund sei damals gar nicht der Tierschutz gewesen, sondern die Sicherheit, erklärte ein Mitarbeiter des Landratsamtes. „Es ging um eine Gefährdung der Bevölkerung.“ Das zeige auch der Fall der Elefantendame Benjamin, die voriges Jahr in Baden-Württemberg aus dem Cirkus Luna ausbrach und einen Spaziergänger tötete. „Damit möchte die Stadt Erding am Ende nicht in der Presse stehen.“ Es bestehe grundsätzlich eine große Ausbruchsgefahr. Schließlich gab es auch noch besorgte Grundschüler, die beim Oberbürgermeister vorsprachen. Sie hatten es nicht ertragen, bei einem anderen Zirkus angekettete Tiere zu sehen. Also beschloss der Stadtrat ein Verbot von Wildtier-Zirkussen auf kommunalen Plätzen.

Der Circus Luna, der schon mehrfach den Namen wechselte, hat den Elefanten inzwischen an einen Safaripark abgegeben. Auch die zwei Bären sind nicht mehr da. Einer musste eingeschläfert werden, der andere wurde in einen Wildpark gebracht. Allerdings ist der Zirkus nun mit drei Krokodilen und fünf Dromedaren unterwegs. Wenn man ihm den Auftritt verbiete, so komme das einem Berufsverbot gleich, betont der Zirkus. „Das ist deren Beruf, den Tieren etwas beizubringen und mit ihnen aufzutreten“, sagte die Anwältin. Sie sprach von „Tierlehrern“.

Eine Kommune habe nicht das Recht, so einen Auftritt zu verbieten, ergänzte der zweite Anwalt. „Mit welchem Recht werden die einen Tiere ausgeschlossen und die anderen nicht?“, fragte er. „Das geht über die örtlichen Angelegenheit hinaus.“ Dafür brauche es eine Gesetzgebung.

Das sahen Bayerns höchste Verwaltungsrichter allerdings anders: „Grundsätzlich darf da differenziert werden“, sagte der Vorsitzende Richter Dieter Zöllner. Laut Gemeindeordnung dürfe die Kommune zum Ausdruck bringen, was die örtliche Bevölkerung sehen wolle. Lieber ein Weihnachtsfest oder eine Kampfsportveranstaltung? Genau so dürfte sie auch Catchen ausschließen – zum Beispiel.

Das Verwaltungsgericht München hatte den Fall in erster Instanz ebenso beurteilt. Nach der Einschätzung der zweiten Instanz am VGH nahm der Zirkus seine Berufung zurück. „Der Zirkus hat nicht die Kraft, nach Leipzig zu gehen“, sagte der Anwalt. Er würde ein drittes Verfahren vor dem Bundesverwaltunggericht „wirtschaftlich und mental“ nicht durchstehen. Daraufhin stellte das Gericht das Verfahren ein.

Nina Gut

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