Vor Gericht

Vergewaltiger muss ins Gefängnis

Drei Jahre nach der Vergewaltigung einer 35-Jährigen aus dem östlichen Landkreis ist nun – zumindest juristisch – ein Schlussstrich gezogen: Ihr Ex-Lebensgefährte muss ins Gefängnis.

Östlicher Landkreis Das Urteil ist gesprochen: Wegen Vergewaltigung und Körperverletzung ist ein 30-Jähriger aus dem östlichen Landkreis zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten verurteilt worden. Wie mehrfach berichtet, sollte der Prozess schon vor mehr als eineinhalb Jahren über die Bühne gehen, wurde aber ausgesetzt, weil die 6. Strafkammer des Landshuter Landgerichts die Einholung eines aussagepsychologischen Gutachtens zur Glaubhaftigkeit der Kinderpflegerin für notwendig erachtete. Bei ihr waren im Rahmen ihrer Vernehmung Psycho-Auffälligkeiten festgestellt worden, hatte sie doch unter anderem berichtet, schon im Alter von 16 Jahren gekidnappt und vergewaltigt worden zu sein. Wie damals, so habe sie auch nach der neuerlichen Vergewaltigung psychologische Hilfe in Anspruch nehmen müssen.

Der Mann seinerseits machte geltend, zur Tatzeit unter anderem unter Beruhigungs- und Schmerzmittel sowie Antidepressiva gestanden zu haben. Dem 30-Jährigen wurde vorgeworfen, seine damalige Freundin in deren Wohnung brutal geschlagen und mehrfach vergewaltigt zu haben.

Die Frau wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen, zunächst allerdings nur zu ihrem Lebenslauf und zum Verlauf der Beziehung mit dem 30-Jährigen. Dem bedeutete dann Vorsitzender Richter Ralph Reiter nach Rechtsgesprächen mit den übrigen Prozessbeteiligten, dass er im Falle eines umfassenden Geständnisses mit einer moderaten Freiheitsstrafe rechnen könne. Zu einer Verständigung kam es allerdings nicht, da der von der Kammer in Aussicht gestellte Strafrahmen von Staatsanwältin Veronika Bergmeier nicht akzeptiert wurde.

Am dritten Verhandlungstag lieferte der Beklagte ein pauschales Geständnis, nachdem die psychiatrische Sachverständige in ihrem Gutachten der 35-Jährigen die vollumfängliche Glaubhaftigkeit bescheinigt hatte. Landgerichtsarzt Dr. Hubert Näger hatte dem Mann aufgrund des Medikamentenkonsums zwar eine gewisse Enthemmung zugestanden, eine Beeinträchtigung der Steuerungs- und damit der Schuldfähigkeit habe aber nicht vorgelegen.

Nachdem die Frau hinter verschlossenen Türen vernommen worden war, fanden auch die Plädoyers unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Dabei beantragte Staatsanwältin Bergmeier eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren, während Anwalt Andreas Martin, der die als Nebenklägerin auftretende 35-Jährige vertrat, keinen konkreten Antrag stellte. Verteidiger Dr. Kimmel plädierte auf eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die Kammer verhängte zwei Jahre und zwei Monate.

Richter Reiter sprach von einer ambivalenten, unheilvollen Beziehung, in der beide Partner persönliche Schwierigkeiten gehabt hätten. Das durchaus noch werthaltige Geständnis, mit dem der 30-Jährige seinem Opfer eine Aussage zu Details des Tatgeschehens erspart habe, sei ebenso strafmildernd ins Gewicht gefallen wie die lange Verfahrensdauer sowie die bereits geleistete beziehungsweise noch angekündigte Schmerzensgeldzahlung.

Straferschwerend hätten sich die Vorstrafen, darunter einschlägige, sowie die psychischen Folgen für die 35-Jährige ausgewirkt. Die verhängte Freiheitsstrafe sei zwar moderat, für den 30-Jährigen allerdings ein „gewaltiger Schuss vor den Bug”. Das Strafmaß sichere ihm immerhin noch eine Perspektive nach der Haftentlassung.

Walter Schöttl

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