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Murat A. (r.), hier neben seinem Anwalt Andreas Martin, wird vor dem Landgericht Landshut der Prozess gemacht. Der Türke (24) gilt als extrem gefährlich.

Vergewaltigung am Fehlbach 

Opfer sagt aus, Angeklagter muss raus

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Vergewaltiger aus Erding hat gestern sein Opfer ausgesagt. Sie schilderte ihr Martyrium. So lange musste der türkische Intensivtäter vor die Tür.

Erding/Landshut Dem 24-Jährigen wird unter anderem vorgeworfen, eine 40-Jährige im September 2016 brutalst vergewaltigt zu haben. Angeklagt ist er wegen versuchter Tötung. Zum Prozessauftakt hatte der bullige Türke mit Halbglatze keinerlei Angaben gemacht, allerdings bei den Gesprächen mit dem psychiatrischen Sachverständigen Dr. Gregor Groß gegenüber geäußert, dass er noch nie jemand vergewaltigt habe.

Damit blieb der psychisch immer noch angeschlagenen Kurierfahrerin eine Aussage nicht erspart. Die erfolgte am gestrigen zweiten Verhandlungstag über drei Stunden hinweg unter Ausschluss der Öffentlichkeit – und auch des Angeklagten. Der Erdingerin war sichtlich anzusehen, wie sehr sie unter der Tat leidet. Im September hatte sie sich totstellen müssen, damit der Mann von ihr ablässt.

In einem weiteren Anklagepunkt wurde dem 24-Jährigen ein Raub vorgeworfen. Am 10. August 2016 soll er in der Wohnung einer 48-jährigen Arbeitslosen aufgetaucht sein, um ihr angeblich 50 Euro, die er ihr wenige Tage zuvor gestohlen hatte, zurückzugeben. Stattdessen soll er sie unter einem Vorwand auf den Balkon gelockt, ihr dort die Geldbörse aus der Hosentasche gezogen und sie kurze Zeit ausgesperrt haben. Wie später der 40-Jährigen soll er auch der zweiten Frau deren Tötung angedroht haben, sollte sie die Polizei rufen. Dennoch wurde er gefasst.

Ein Kriminalbeamter bestätigte ebenso wie eine Streifenbeamtin, dass die 48-Jährige schon von früheren Einsätzen her als regelmäßige Trinkerin bekannt sei. Bei den Vernehmungen soll sie 2,4 und 3,3 Promille intus gehabt haben. Ihren Zustand habe sie immer geschickt kaschiert, ihre Angaben seien aber durchaus plausibel gewesen.

Die Vernehmung vor Gericht wurde für sie allerdings zu einem kleinen Fiasko. Die 48-Jährige bekundete zunächst, dass sie Murat A. schon als Buben gekannt und sich mit ihm super verstanden habe. Dann sei es zu dem Diebstahl gekommen. Vor Gericht verwickelte sich das angebliche Opfer in Widersprüche. Einmal war die Rede von Raub, dann wiederum versicherte die 48-Jährige, der Täter habe ihr das Geld reumütig zurückgegeben. Die Erinnerungsprobleme führte sie darauf zurück, dass sie seinerzeit viel getrunken habe: „Aber das ist jetzt ganz anders.“

Allerdings ergaben sich auch noch Diskrepanzen zu den polizeilichen Ermittlungen. Der Türke wurde nämlich kurz nach der Festnahme mit viel weniger Geld angetroffen. Der Diebstahl wurde immer unglaubwürdiger. Dem Vorschlag von Richter Kring, das Raub-Verfahren einzustellen und damit auf die Vernehmung von Zeugen, die dem 24-Jährigen ein angebliches Alibi liefern sollten, zu verzichten, stimmten die übrigen Prozessbeteiligten zu.

Der Prozess wird am 1. Juni fortgesetzt, dann könnte es auch bereits das Urteil geben.

Walter Schöttl

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