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Drei große Leinwände ließ Rudolf L. Reiter (l.) im Notzinger Moos vergraben.

Aktion des Künstlers Rudolf L. Reiter

Vergraben in Heimaterde

Notzing/Erding - Rudolf L. Reiter lässt sich gerne mit den Elementen der Natur ein. Jetzt hat er Leinwände im Notzinger Moos vergaben lassen.

Bemalte Leinwände hat er schon oft den Elementen der Natur ausgesetzt: dem Meer vor Miami, der Luft im Hopfengarten bei Mainburg, dem Feuer in einem Vulkan auf Island. Für seine jüngste Landart-Aktion wählte der Erdinger Künstler Rudolf L. Reiter aber Heimaterde. Im Moos bei Notzing vergrub er zum Start seines neuen Werkszyklusses „Zeit der Wiederkehr – Redux“, drei weiße, jungfräuliche Leinwände aus 360 Gramm schwerer Baumwolle.

Anfang August wird er sie wieder ausgraben, wird sie dann, von der Natur gezeichnet, in seinem Atelier bemalen. Wie, das weiß er jetzt noch nicht. Doch ein solches Bild, „das malt sich quasi von selbst, die Idee entsteht beim Malen“, sagt Reiter. Sein fertiges Werk wird er am 17. August im Museum Erding ausstellen. Es soll dann in den Fundus der Stadt übergehen.

Warum er gerade im Notzinger Moos die Leinwände vergraben lässt, auf einem Feld seines alten Freundes Josef Fleischmann aus Aufhausen? „Dieser Kraftort hier, an einem alten Keltenpfad, ist ideal für einen Redux. Gerade hier haben die großen Stücke aus Baumwolle die Möglichkeit, reifer aus der Erde zurückzukommen. Sie ruhen hier nur scheinbar. Jede Schaufel von schwarzem Moos, mit dem wir sie bedecken, verändert bereits ihre Struktur.“

Dass Reiter den Tag der Sonnenwende für seine Aktion auserkoren hat, kann Christine Fößmeier, Kunsthistorikerin aus Moosburg, erklären: „An diesem Tag haben Heiden wie Christen gleichermaßen gefeiert, es ist ein heiliger Tag. Während Reiter früher fertige Gemälde der Natur aussetzte, lässt er diesmal der Schöpfung den Vortritt“. Der Künstler selbst sieht das etwas pragmatischer: „Gott hat die Welt erschaffen, ich dagegen bin nur ein Handlanger.“ Seiner Meinung nach geht nichts in der Schöpfung verloren, gerade die Erde sei einer ihrer integralen Bestandteile.

Zu der Stelle im Notzinger Moos, an der sein Helfer Gerd Rothe und Schwiegersohn Hamit Ataseven die schweren Leinwände vergraben haben, hat Reiter, der morgen 72 Jahre alt wird, ohnehin eine besondere Beziehung: „Hier bin ich schon als Bub an der Hand meiner Großmutter spazieren gegangen.“ Mittlerweile hat ihn das Leben gezeichnet und nach einer langen Krankheit Spuren und Wunden bei ihm hinterlassen. Diese Energie aus der „Anderswelt“, wie Reiter selbst seine Nahtod-Erfahrungen beschreibt, soll jetzt auch einfließen in sein neuestes Landart-Werk. Nicht nur seine Gönner und Freunde, die bei der Vergrabung der Leinwände dabei waren, werden gespannt sein, was im August aus historisch aufgeladener Erde ans Tageslicht und danach in Reiters Atelier kommt.

Friedbert Holz

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