Kunst der Gruppe Buchet 8 im Lesegarten: Erdings Bürgermeister Max Gotz (v. l.) und Silke Hörold-Ries von der Stadtbücherei eröffneten die sehr gut besuchte Ausstellung.  Foto: Vogel
+
Kunst der Gruppe Buchet 8 im Lesegarten: Erdings Bürgermeister Max Gotz (v. l.) und Silke Hörold-Ries von der Stadtbücherei eröffneten die sehr gut besuchte Ausstellung. Foto: Vogel

Vernissage im Lesegarten: Das Goldene Vlies und die Wäscheleine

Erding - Im Lesegarten der Stadtbücherei stellt die Gruppe Buchet 8 spannende, amüsante und nachdenklich stimmende Installationen aus.

Den Himmel auf Erding suchen, sich von weichem Vlies auf rauer Mauer trösten lassen, mit wundersamen Wörtern ins Blaue schwimmen, in einen literarisch aufgeladenen Hinterhof spazieren und den Tanz ums Goldene Kalb aus heutiger Sicht wahrnehmen: Die Installationen der Künstlergruppe Buchet 8 im Lesegarten der Erdinger Stadtbücherei luden am Freitagabend zu einer spannenden Erkundung ein. Viele entdeckten da erst den Zauber dieses grünen Freiraums mitten in der Stadt.

In der Gemeinschaftsarbeit von Heike Bildhauer und Enno Lehmann stehen schmale Leitern auf knallblauem Sand zwischen wachsweichen Filzbauten an Bäume gelehnt. Natur und Kunst verschmelzen, wenn man sich zu diesem „Himmel auf Erden“ aufmacht. Man denkt vielleicht an Apfelbaumabenteuer aus der Kindheit, ans immer höher Klettern unters ferne Blätterdach, während sich das schwindelerregende Endloshimmelsblau in Regenpfützen spiegelt und die vertrauten Häuser zu Spielzeughäuschen werden.

Sich auf „schwimmenden Wörtern“ davon treiben lassen, das möchte man gerne mit Margrit Hohenbergers Installation. Jeder Satz ist eine Verheißung und ein Schlüssel zu einer inneren Welt: „Alles fließt“, „Erst das Auge schafft die Welt“ und „Ein Ort unfassbarer Stille“ steht auf den lässig drapierten, beschrifteten Luftmatratzen. Marionettenartige Puppen aus verschiedenen Kulturkreisen schwanken in Hannelore Schebelles „Tanz um das goldene Kalb“ sacht im Wind, während in der Mitte unverrückbar ein Modell des Bullen aus der Wallstreet auf einer Säule steht. Darunter lehnt Moses in kontemplativer Pose. Ferngesteuerte, fremdbestimmte Figürchen drehen sich planlos um den kapitalen Goldstier des Finanzimperiums, eine nostalgische Menagerie mit aktueller Aussage.

Der Hinterhof von Edith Kronawitter ist mit Wäsche verhangen. Die verblichenen Handtücher tragen Schriftzüge bayerischer Schriftstellerinnen wie Lena Christ, Marieluise Fleißer und Emerenz Meier. Kreidesignaturen auf dem Boden stehen für eine Spurensuche. Aus dem erleuchteten Fenster dringen Gesprächsfetzen, Lachen und Gesang wie aus ferner Zeit in die Gegenwart. Kronawitter hat für diese Arbeit eine Recherche zu den Bewohnern der Gebäude am Rätschenbach 8 und 12 unternommen.

Anita Scholz’ Mauerinstallation mit unbehandelter Wolle von Schwarzkopfschafen thematisiert die Mythologie vom Goldenen Vlies. Die Künstlerin schreibt dazu: „Ich hatte die belämmerte Idee, eine durch drei Nischen ‚verunsicherte’ Wand zu ihrer Geschlossenheit zu verhelfen, indem ich geschorenes Schafvlies in die Nischen geschichtet habe, so dass diese nicht mehr sichtbar sind. Die herausragenden Schafzotteln jedoch stellen die Mauer nun glatt in Frage“.

vev

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare