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Der verschollene Postkartenautomat

Wartenberg - Einst hatte Gabi Eibl einen 100 Jahre alten Postkartenautomaten. Beim Entrümpeln wurde er versehentlich entsorgt. Nun ist er wieder aufgetaucht - liebevoll restauriert von einem Sammler.

Gabi Eibl, Tierschützerin und Feuerwehrlerin aus Wartenberg, hat neben dem Haus eine alte Scheune. Krempl ist darin, aber auch liebgewonnene Erinnerungsstücke. Eines davon, ein Postkartenautomat, der um das Jahr 1900 gebaut wurde, sollte nach dem Umbau des Hauses einen Ehrenplatz im Wohnzimmer bekommen - „als Erinnerungsstück an meine Jugend, an die Spiele mit dem Automaten und an meinen Vater, der ihn erworben hatte“, erzählt Eibl.

Doch im Zuge des Umbaus war die Scheune großzügig entrümpelt worden, und auch der alte Postkartenautomat war auf dem Müll gelandet. „Ich war wahnsinnig ärgerlich und sehr traurig“, sagt Eibl. Nur die eiserne Krone, auf der in geschwungenen Lettern „Ansicht-Postkarten“ steht, ist ihr geblieben. Mehrere Jahre schmückte das mit Blumen und Ranken verzierte Stück ihre Küche.

Beim Zeitunglesen am Küchentisch war Eibl darum völlig verblüfft, als sie ein Foto des verschollenen Automaten sah: „Ich bin fast tot umgefallen“, erzählt sie. Sofort rief sie bei der angegebenen Nummer an. Am anderen Ende der Leitung meldete sich Helmut Dierolf aus dem Schwäbischen. Er ist leidenschaftlicher Sammler und hatte den Postkartenautomat bei einer Versteigerung entdeckt. Liebevoll hatte er das Schmuckstück restauriert, das Glas ersetzt und die Automatik geölt. Auch der Münzeinwurf funktioniert. Sogar eine Kopie der Werbung, in der der „neueste epochemachende Postkarten-Automat, mit sichtbarer Warenausgabe“ angepriesen wird, hatte er aufgestöbert. Nur die Krone fehlte.

„Mich interessiert vor allem die Geschichte des Automaten und wo er herkommt“, sagt Dierolf. Der Versteigerer konnte dem Sammler darüber aber nur ungenaue Hinweise geben: „womöglich Oberbayern, vielleicht Landkreis Erding“. Eine schnelle Internetrecherche förderte die Adresse von Heike Schmidt-Kronseder, der Vorsitzenden des Historischen Vereins Erding, zu Tage. „Ich traute mich einfach an sie zu schreiben“, meint Dierolf, „auch wenn ich wusste, dass sie mit meinen vagen Angaben kaum etwas würde anfangen können“. Schmidt-Kronseder fühlte sich herausgefordert. „Ich weiß von meinem Vater, dass es in Erding am Schrannenplatz zwei solche Postkartenautomaten gab“, sagt sie. Die Kunsthistorikerin begann ihre Archive zu wälzen.

„Ich bekomme viele Anfragen zu Antiquitäten und zu Geschichtlichem. Hier allerdings dachte ich schon ab und zu, dass ich meine Zeit verschwende. Aber das Suchen und Forschen und Blättern in alten Alben macht auch unheimlich Vergnügen“, gesteht Schmidt-Kronseder. Doch die Suche blieb gänzlich erfolglos. „Also habe ich mich an die Zeitung gewandt“, wo Eibl schließlich den Automaten wiedererkannte. „Ich freue mich sehr und bin echt dankbar, dass ich nun weiß, dass mein Postkartenautomat, der ein Stückchen meiner Kindheitsgeschichte ist, nicht auf einer Schrottpresse, sondern in sehr guten Händen gelandet ist“, sagt Eibl. „Gerne und voller Stolz“ hat sie Dierolf darum auch die Krone des Automaten geschickt, damit das Schmuckstück wieder komplett ist.

fx/red

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