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Trägervertrag unterzeichnet: BRK-Vorsitzender Franz Hofstetter, BRK-Geschäftsführerin Gisela van der Heijden und Landrat Martin Bayerstorfer (v. l.).

Vertragsunterzeichnung im Landratsamt

BRK übernimmt Frauenhaus: Das soll sich ändern

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Nun ist es verbrieft: Am Freitag unterschrieben Landrat Martin Bayerstorfer und BRK-Kreischef Franz Hofstetter den neuen Trägervertrag für das Frauenhaus. Das Rote Kreuz fühlt sich nicht nur akut Schutzsuchenden verpflichtet, sondern will auch Angebote für die Zeit danach aufbauen.

Erding - Die Wogen sollen endlich geglättet werden. Bei der Unterzeichnung des vier Jahre gültigen Betreibervertrags mit Verlängerungsoption sprach Landrat Martin Bayerstorfer dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) seinen „Dank und Anerkennung für das Geleistete“ aus. Die Ehrenamtlichen verdienten „höchsten Respekt“. Auch BRK-Kreisvorsitzender Franz Hofstetter und Geschäftsführerin Gisela van der Heijden betonten, dass man nun nach vorne schauen wolle. Man übernehme ein sehr gut geführtes Haus.

Zum Vertrag, der am 1. März 2018 in Kraft tritt, erklärte Bayerstorfer, dass es eine Vorgabe des Sozialministeriums sei, keine Defizitübernahme zu vereinbaren, sondern eine Fehlbetrags-Obergrenze. „Das BRK-Angebot ist deutlich günstiger als die 120 000 Euro“, betonte Bayerstorfer. Konkreter werden wollte er nicht. Diese Summe gelte auch nur für das Frauenhaus selbst, nicht aber für die Interventionsstelle und den – noch zu etablierenden – Frauennotruf.

Auf Nachfrage sagte Hofstetter, man wisse auch nicht, warum der SkF einen höheren Finanzbedarf gehabt habe. Van der Heijden stellte klar, „dass wir kein Dumping-Angebot abgegeben haben, zumal die Ausschreibung vieles sehr konkret vorgab“. Das BRK werde die Fachkräfte nach seinem Haustarif anstellen. „Er ist an den öffentlichen Dienst angelehnt.“ Laut Hofstetter will der Verband auch Spendengelder einsetzen. Das Erdinger BRK zählt über 10 000 (Förder-)Mitglieder.

Kommende Woche werde man die Stellen ausschreiben. „Wenn sich das bisherige Personal bewerben will, kann ich es nur dazu ermuntern. Das gilt auch für die amtierende Leiterin Angela Rupp“, versicherte die Kreisgeschäftsführerin.

Sie und Hofstetter traten Mutmaßungen entgegen, dass das BRK aufgrund fehlender Erfahrung – in ganz Bayern betreibt die Organisation kein einziges Frauenhaus – überfordert sei. „Wir sind in dem Bereich schon sehr aktiv“, sagte van der Heijden und verwies auf Kinderhäuser, Schulkindergärten, Familienberatungen, Mutter-Kind-Kurse sowie auf das Kriseninterventionsteam. Im Kreisverband gebe es eine eigene Psychologin. Hofstetter erinnerte daran, dass das BRK Erding eigens eine neue Gemeinschaft installiert habe – „Wohlfahrt & Soziales“.

Die Kreisgeschäftsführerin kündigte an, sich nicht nur um Schutz suchende Frauen und deren Kinder nach Gewalterfahrung im häuslichen Bereich kümmern zu wollen. „Unser Ziel ist, auch drum herum tätig zu werden. Van der Heijden möchte mehrere Kurse anbieten, um geschlagene und gedemütigte Frauen stark und selbstbewusst zu machen. „Denn das ist der beste Weg, dass man nicht wieder Opfer wird.“ Ferner erarbeitet die Präventionskurse für Kinder.

Ein großes Problem ist, dass Bewohnerinnen über Gebühr lange in den Frauenhäusern bleiben müssen und damit Akut-Plätze belegen, weil sie auf dem angespannten Wohnungsmarkt nichts finden. Bayerstorfer kündigte an, dass Landkreis und BRK gerne Wohnraum einschließlich einer Betreuung für solche Menschen bereithalten würden. „Noch ist das Zukunftsmusik, und es gibt auch noch kein Förderprogramm dafür. Aber so etwas wäre beispielsweise mit der Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises denkbar“, sagte der Landrat.

Am Schluss äußerte Hofstetter die Hoffnung, dass der Streit ums Frauenhaus rasch beigelegt werde. „Schauen wir nach vorne. Es ist uns eine Herzensangelenheit. Wir wollen es wirklich gut machen.“ Van der Heijden meinte dazu zuversichtlich: „Wir werden es schaffen.“

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