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Sauer auf Bayernbus: Mario Rofner und seine Tochter Hannah.

Verwechselte Touren

Schulbus auf Irrfahrt: Kinder in Panik

Erding/Lengdorf - Auch ein Busfahrer kann sich mal verfahren. Am ersten Tag nach den Weihnachtsferien hatte ein kleiner Fehler auf der Linie 565 Dorfen–Erding große Wirkung. Die Geschichte eines Schulbusses auf Irrfahrt und Kindern in Panik.

Die Linie 565 verkehrt zwischen Erding und Dorfen. Zweimal am Tag wird die Strecke als Schulbusverkehr bedient – mit teils unterschiedlichen Haltestellen. Dieser Umstand sorgte am Montagmorgen für Kuddelmuddel, verängstigte Kinder und entnervte Eltern.

Mario Rofner aus Lengdorf hat sich den Vorfall von seiner Tochter Hannah schildern lassen. Gegen 7.30 Uhr stieg die 14-Jährige in den Bus ein, der sie zur Mädchenrealschule Heilig Blut nach Erding bringen sollte. Dass etwas nicht stimmte, kristallisierte sich bereits nach wenigen Metern heraus. Rofner berichtet, dass der Fahrer in ein Wohngebiet abbiegen wollte. Einige Kinder im Bus korrigierten ihn.

Der Fahrer blieb daraufhin auf der Hauptstraße. Ab Walpertskirchen, so Rofner, sei der Bus voll gewesen, ein paar Schüler hätten bereits keinen Sitzplatz mehr bekommen. In Indorf, kurz vor Erding, passierte dann etwas, was ein paar Kinder verunsicherte.

Laut Rofner wendete der Bus auf der Straße und fuhr bis Lengdorf zurück. Erste Kinder baten offensichtlich in Panik, sofort abgesetzt zu werden. Doch der Busfahrer sagte gesetzeskonform, er dürfe nur an Haltestellen stoppen.

Einige Kinder informierten per Handy ihre Eltern. In Lengdorf angekommen, stiegen rund zehn Schüler aus – darunter Hannah. Sie klingelte daheim. Ihr Vater öffnete verdutzt die Tür. Denn Hannah war nicht allein, sondern von vier Mädchen umringt. Schließlich brachte er die Schar zur Schule.

Er ist sauer: „Zum Glück hatte ich frei, sonst wäre niemand zu Hause gewesen. Meine Frau und ich arbeiten in München.“ In anderen Familien sei um diese Zeit niemand mehr da und auch nicht zwangsläufig erreichbar. Laut seiner Tochter machte der Fahrer einen überforderten Eindruck.

Es handelte sich um ein Fahrzeug der neu gegründeten Firma BayernBus. Mit-Geschäftsführer Andreas Scharf bestätigt die Angaben – und hat eine Erklärung für die Irrfahrt. „Der Fahrer ist die Tour auch in der Woche davor gefahren – in den Ferien. Da gilt ein anderer Fahrplan. Er hat zu spät bemerkt, dass er morgens während der Schulzeit andere Haltestellen berücksichtigen muss. Als ihm das auffiel, hat er in Indorf gewendet.“ Scharf versichert, dass der Fahrer versucht habe, seinen Arbeitgeber zu erreichen – in der Aufregung unter einer Nummer, die zum Anmelde-Computer für die Fahrer führt. „Deswegen ist niemand ans Telefon. Sonst hätten wir einen Ersatzbus geschickt und den Wagen sofort weiterfahren lassen.“ Zu spät kamen freilich alle Betroffenen.

Besorgte Eltern wandten sich gegen 8 Uhr an die Dorfener Polizei und das Landratsamt. Dort hat man den Zwischenfall mittlerweile durchleuchtet. Landratsamtssprecherin Claudia Fiebrandt-Kirmeyer teilt mit, dass der Fahrer in der Tat in Lengdorf falsch abgebogen sei. „Richtig wäre die Fahrt über Matzbach, Obergeislbach, Kirchasch und Papferding nach Erding gewesen.“ Die Schüler, so Fiebrandt-Kirmeyer weiter, hätten vereinzelt panisch reagiert, weil der Fahrer einen verwirrten Eindruck gemacht habe und wohl auch recht schnell gefahren sei. Vermutlich wollte der Kraftfahrer seinen Fehler ausmerzen. Verstärkt worden sei die Panik, da der Fahrer auf dem Rückweg weder in Ringelsdorf noch in Walpertskirchen gehalten habe. In Lengdorf seien etwa zehn Schüler ausgestiegen. „Der Rest fuhr auf dem richtigen Linienweg nach Erding.“

Laut Landrastamt prüft der MVV eine Vertragsstrafe gegen BayernBus. Der Fahrer werde vorerst nicht auf dieser Tour eingesetzt.

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