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Im Gras vor ihrem Schlafzimmerfenster lag ein Mann. Rosmarie Brennauer hat die Polizei gerufen und so dem Fremden vermutlich das Leben gerettet.

Lebensretterin Rosmarie Brennauer

Verwirrten vor dem Erfrieren bewahrt

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Mitten in der Nacht hört Rosmarie Brennauer (82) vor ihrem Schlafzimmerfenster eine Stimme. Sie schaut raus – und sieht einen Mann im Schlafanzug auf dem Boden liegen. Geistesgegenwärtig ruft sie die Polizei – und rettet so dem Unbekannten in der 6-Grad-Nacht vermutlich das Leben.

Rosmarie Brennauer ist es gewohnt, vor ihrem Schlafzimmerfenster Menschen reden zu hören. Die Nachbarn feiern gern, sitzen oftmals bis tief in die Nacht in ihren Gärten. Daran dachte die 82-jährige Erdingerin auch zunächst, als sie in der Nacht auf Donnerstag vorige Woche aufwachte. Doch wer hockt mitten unter der Woche, um 3 Uhr früh, Ende Oktober noch draußen?

„Mein Fenster war gekippt, die Jalousien nicht ganz geschlossen und ich habe einen Mann ununterbrochen ganz leise sprechen hören“, erzählt die Seniorin. Ob er Deutsch gesprochen hat? Verstanden habe sie jedenfalls kein Wort, „aber er hatte eine wunderschöne Stimme“. Obwohl sie „eigentlich schon ein bisschen Angst“ hatte, wie Brennauer zugibt, machte sie Licht und zog die Rollos hoch, um der Stimme auf den Grund zu gehen. „Dann habe ich einen Mann im Gras liegen sehen, mit dem Kopf am Maschendrahtzaun. Er hatte ein weißes Gwand an, einen Schlafanzug“, erzählt die Erdingerin. Sie vermutet, dass der Mann über das Pflaster des angrenzenden Wegs gestolpert sein muss.

Sie sprach ihn an, redete mit ihm. „Doch er hatte kein Interesse an mir, hat immer nur weitergeredet und sich kaum bewegt“, sagt Brennauer. Geistesgegenwärtig griff sie zum Telefon und wählte den Notruf. „Da habe ich mein Lebtag noch nicht angerufen“, sagt sie. Dem Polizisten an der Leitung schilderte sie, was passiert ist: „Ich habe hier einen Mann im Garten liegen, der rührt sich nicht.“ Als sie ihre Adresse sagte, habe der Beamte sofort reagiert. „Die müssen schon Bescheid gewusst haben“, vermutet Brennauer.

Das bestätigt Anton Altmann, Chef der Polizeiinspektion Erding, auf Anfrage. Er berichtet, dass kurz zuvor eine Frau ihren Mann als vermisst gemeldet hatte. Das Ehepaar, das im Stadtgebiet Erding lebt, sei gegen 21.30 Uhr am Abend zuvor schlafen gegangen. „Etwa um 3.30 Uhr ist die Frau aufgewacht und hat gemerkt, dass ihr Mann weg ist“, sagt Altmann über den verwirrten 83-Jährigen.

Brennauer erzählt, dass die Polizei blitzschnell bei ihr war. Sie haben mit dem Mann gesprochen, ihm aufgeholfen. Genau gesehen habe sie ihn durch ihr Fenster nicht. „Nur, dass er ein richtiges Mannsbild war, und komplett in Weiß gekleidet.“ Erst am nächsten Morgen, bei Tageslicht, entdeckt Brennauer, dass über dem Zaun, ganz klein gefaltet, ein orange-weiß gestreiftes Handtuch hängt. Im Gras liegen zwei Einlegesohlen, Größe 39.

Das Handtuch muss er dabei gehabt haben, vermutet die Seniorin. Hatte er die Einlegesohlen vielleicht in seinen Hausschuhen? Hat er sie verloren, als er über das Pflaster gestolpert ist? Brennauer kann nur spekulieren. Auch darüber, ob er vielleicht in ihrer direkten Nachbarschaft wohnt, wie lange er schon im Garten lag und warum er nicht mehr nach Hause gefunden hat. Bei einem aber ist sie sich sicher: „Bei 6 Grad Außentemperatur wäre er mit Sicherheit über Nacht erfroren, bloß mit einem Schlafanzug bekleidet. Ich glaube, ich habe ihm das Leben gerettet“, sagt die Seniorin.

„Auch wenn ich Angst hatte: Ich musste dem Mann doch helfen, konnte ihn nicht einfach liegen lassen. Wenn ihm was passiert wäre, hätte ich mir das nie verziehen“, sagt Brennauer, die die Geschichte sehr mitnimmt. Jede Nacht wacht sie seitdem zur gleichen Zeit auf, erzählt sie: „Das macht mich schon fertig“, sagt die Seniorin. Sie würde den Mann und seine Frau gern kennenlernen. Auch, weil sie nachfühlen kann, wie es den beiden gehen muss: Ihr eigener Mann Heinz, der vor drei Jahren verstorben ist, litt an Demenz und machte sich ebenfalls ab und zu alleine auf den Weg.

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