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Im Visier der Mediziner steht die Munition der Schützen. Blei gilt als gesundheitsgefährdend.

Aufregung bei den Sportschützen 

Zu viel Blei im Blut?

Erding - Schießen zählt zu den beliebtesten Sportarten im Landkreis. Studien zeigen aber, dass sich Sportschützen durch die Bleimunition einer ständigen gesundheitlichen Gefahr aussetzen. Gerät das Blei ins Blut? Die Meinungen sind geteilt.

Vom Fußall einmal abgesehen, ist im Landkreis Erding kaum eine Sportart so beliebt und verbreitet wie das Schießen. Ob als Hobby oder auf professioneller Ebene, in ganz Bayern sind über eine halbe Million Mitglieder in Schützenvereinen tätig. Sie alle sollen mit giftigem Blei belastet sein?

Drei Studien der Ludwig-Maximilians-Universität München kommen zu dem Ergebnis, dass Sportschützen teils deutlich erhöhte Bleiwerte im Blut aufweisen. Die Forscher fanden heraus, dass nicht die Berührung der bleiernen Munition das Hauptproblem ist, sondern das Schießen selbst.

Beim Abfeuern der Munition wird aufgrund der hohen Energie das Schwermetall freigesetzt – einerseits durch die bleihaltigen Zündhütchen, andererseits durch Abrieb. Die sehr feinen Bleipartikel werden „in der Luft gebunden und gelangen so in die tiefen Bronchien, wo sie effektiv resorbiert werden können“, sagt Dr. Rudolf Schierl vom Institut für Arbeits- und Umweltmedizin der LMU in München. „60 bis 80 Prozent des eingeatmeten Bleis gelangt ins Blut.“

Messwerte von unter 100 Mikrogramm Blei pro Liter Blut gelten als unbedenklich. Bei einem kürzlich untersuchten Schützen lag der Wert bei 555 Mikrogramm. Schierl zufolge sind „akute Gesundheitsschäden ab einem Wert von 250 möglich.“ Blei kann im menschlichen Körper zu Darmkoliken, Blutarmut und Bluthochdruck mit all seinen Folgeerkrankungen führen

„Das ganze Thema ist sehr hochgespielt“, meint Rainer Holme, Geschäftsführer vom Schützenbedarf Holme in Erding. „Geschossen wird seit Urzeiten, noch nie sind Probleme aufgetreten. Es ist aber richtig der Sache nachzugehen, die Gesundheit hat immer Vorrang.“

Auch der Lengdorfer Luftgewehrschütze Maxi Dallinger ist eher skeptisch: „Ich trainiere sehr viel und bin dementsprechend häufig mit Blei in Kontakt, aber dazu ist mir nichts bekannt“, sagt der zweifache Junioren-Europameister. „Wenn es wirklich grob schädlich wäre, würden meine Kollegen und ich das wissen.“

Der Erdinger Allgemeinarzt Dr. Elmar Gerhardinger greift auf 30 Jahre Berufserfahrung zurück und hatte nach eigener Aussage „noch nie einen Sportschützen mit gefährlichen Bleiwerten im Blut“ als Patienten.

Nach aktueller Studienlage sollen verschiedene Parameter Einfluss auf das Ausmaß der Bleibelastung bei Sportschützen haben. „Schießstände unter freiem Himmel sind deutlich unbedenklicher als geschlossene“, sagt Prof. Hermann Fromme vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. „Klein- und Großkaliberprojektile sind besonders problematisch, aber auch Luftgewehre sind laut jüngsten Forschungsergebnissen nicht unbedenklich.“

Der Bayerische Sportschützenbund, dem rund eine halbe Millionen Mitglieder angehören, äußert sich zu dem Thema so: „Der aus den Studien hervorgehende Zusammenhang zwischen Ausübung des Schießsports und höheren Bleibelastungen der Schützen im Vergleich zu Nichtschützen lässt sich seriöser Weise nicht ableiten. Darüber hinaus tragen beispielsweise die Vorschriften zu Lüftungsanlagen in geschlossenen Stätten in der aktuellen Fassung der Schießstandrichtlinie dem Schutz der Sportler Rechnung.“

Dazu erklärt Georg Schatz, Erster Gauschützenmeister vom Schützengau Dorfen: „Wir sind stets um Sauberkeit unserer Anlage bemüht und halten unsere Lüftungsanlage auf dem neuesten Stand der Technik. Von Problemfällen habe ich noch nie gehört.“

Wissenschaftler zweifeln freilich an dem Schutz der Schützen und fordern, langfristig auf alternative, bleifreie Munition zurückzugreifen. Als kurzfristige Lösung empfiehlt Schierl, beim Schießen Staubmasken zu tragen.

Sebastian Bellstedt

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