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Gute Laune bei großer Hitze: Die Bewohner im Fischer’s Seniorenzentrum in Erding haben gut lachen. Auf dem Gelände stehen viele Bäume, die Schatten spenden. Und so erfreuen sich (v. l.) Hildegard Korabjelnikoff, Tobias Weimer, Theresia Retzer, Anna Elisabeth Niedermaier, Einrichtungsleiterin Michaela Heß-Sauer und Nicole Raabe am Sommer und der Sonne, die ihnen nichts anhaben kann.

Hitzewelle im Landkreis 

Viel Wasser, Ventilatoren und ein Pool

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Ganz Deutschland stöhnt unter der Hitzewelle. Viel trinken, Schatten suchen, im Wasser abkühlen sind die gängigen Maßnahmen, um die hohen Temperaturen zu ertragen. Aber was machen alte und kranke Menschen, die auf Hilfe oder gar Pflege angewiesen sind?

Erding „Bei uns gibt es da keine großen Probleme“, sagt Henner Lüttecke, Pressesprecher des Isar-Amper-Klinkums Taufkirchen. „Wir sorgen dafür, dass unsere Patienten genug zu trinken bekommen, ansonsten gibt’s bei uns nichts Besonderes.“ Natürlich achte das Pflegepersonal darauf, dass sich Patienten nicht zu lange in der Sonne beziehungsweise im Freien aufhalten. Eingeschränkt werde auch das Sportangebot, das es im Klinikum gibt. „Das haben wir zurückgefahren und passen auf, das sich niemand körperlich überanstrengt“, ergänzt Lüttecke.

Kühlanlagen im Klinikum Erding

Bestens gerüstet gegen die Hitze ist das Klinikum Erding, das über Kühlanlagen verfügt. „Das Kühlkonzept wurde in den Jahren  2006 und 2007 grundlegend optimiert, indem vier Brunnen gebohrt wurden, um mit der natürlichen Kälte des Grundwassers das Krankenhaus kühlen zu können“, erklärt die zuständige Pressesprecherin im Landratsamt, Daniela Fritzen. „Das Grundwasser, das ganzjährig eine konstante Temperatur hat, dient nicht nur im Sommer zur Kühlung, sondern auch im Winter zur Vorwärmung der kalten Außenluft.“ Darüber hinaus würden diverse Funktionsräume des Klinikums, darunter insbesondere Operationssaal, Aufwachraum und Intensivstation, mit dezentralen Klimageräten ausreichend gekühlt, sodass dort keine Probleme aufgrund der Hitze entstünden. Die Patientenzimmer hätten zusätzlich Sonnenschutz. „Darüber hinaus werden die üblichen Maßnahmen durchgeführt: In den frühen Morgenstunden wird gelüftet, danach werden die Fenster sowie Rollläden geschlossen gehalten“, sagt Fritzen.

„In der Notaufnahme wird derzeit ein erhöhtes Patientenaufkommen im Vergleich zu den Vorjahren beobachtet“, teilt die Pressesprecherin mit. Allerdings vermehrt wegen Wespen- und Bienenstichen, oft mit begleitender allergischer Reaktion. „Zusätzlich lässt sich beobachten, dass gerade Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen bei dieser Witterung vermehrt unter krankheitsbedingten Symptomen oder Infekten leiden.“ Eine Mehrung von Herz-/Kreislaufbeschwerden, die so schlimm sind, dass die Patienten damit in der Notaufnahme vorstellig werden, könne im Klinikum Erding bislang nicht beobachtet werden.

In seine Praxis würde er derzeit verstärkt Patienten mit Kreislaufregulations- und Herzrhythmusstörungen sowie eingeschränkter Nierenfunktion behandeln, berichtet Dr. Elmar Gerhardinger. Der Erdinger Allgemeinarzt weiß: „Bei älteren Menschen lässt das Durstgefühl nach – viel Flüssigkeit verdunstet auch durch die Haut.“ Er empfiehlt daher „an warmen Tagen ungefähr eineinhalb Liter Flüssigkeit pro Tag“. Bei Temperaturen über 27 Grad „sollte es ein Liter mehr sein“. Normalerweise regle es der Körper über das normale Durstgefühl: „Aber eben nicht mehr bei älteren Menschen.“

„Bei uns gibt’s keine Probleme, wir mussten noch niemanden ins Krankenhaus bringen, weil er Probleme mit der Hitze hatte“, vermeldet Michaela Heß-Sauer vom Fischer’s Seniorenzentrum in Erding. Ältere Menschen hätten zum nachlassenden Durstgefühl auch kein ausgeprägtes Kälte-/Wärmeempfinden mehr, erklärt sie. „Wir schauen deshalb, dass unsere Leute ausreichend zu trinken kriegen, und wir haben genügend Fachkräfte, die das überprüfen.“ Ein großer Vorteil des Fischer’s Seniorenzentrums sei, „dass wir aufgrund unserer Lage mit den vielen Bäumen sehr viel Schatten haben“. So sei es überall erträglich, „außer im Eingangsbereich mit dem Glasdach, da heizt es ziemlich auf“. Heß-Sauer macht sich eher Sorgen um die Beschäftigten im Haus: „Für die haben wir extra Ventilatoren angeschafft.“

Patienten fächeln sich gegenseitig Luft zu

Um die Angestellten sorgt sich auch Irene Hilf. „In der Küche oder der Wäscherei ist es oft unerträglich heiß“, weiß die Pressesprecherin der Wartenberger Klinik. „Aber wir können nun mal kein hitzefrei geben.“ Aber zumindest würde von der Klinikleitung kostenlos Mineralwasser zur Verfügung gestellt. Die Wartenberger Klinik ist vorwiegend auf Geriatrie-Patienten ausgerichtet. also auf alte beziehungsweise alternde Menschen. „Bei den Senioren sorgen wir dafür, dass sie ausreichend trinken“, erzählt Hilf. Ein anderer Bereich in der Klinik ist die Reha. „Wir holen die Patienten trotz der Hitze aus den Betten raus, schauen aber bei der Reha, dass wir spezielle Übungen machen, die Kühlung bringen, zum Beispiel mit Tüchern, dass sich die Patienten da gegenseitig Luft zufächeln“, erzählt die Pressesprecherin.

Sehr heiß sei es in den oberen Stockwerken, speziell in der Palliativstation. Hier seien aber ausreichend Ventilatoren aufgestellt worden. Grundsätzlich sei es so, „dass wir das Haus so gut es geht runterkühlen“, betont Hilf. „In der Früh lüften wir ordentlich durch, und tagsüber beschatten wir.“ Und noch ein „besonderes Zuckerl“ gibt es in Wartenberg: „Wir haben einen Außen-Pool, da dürfen sich die Patienten den ganzen Tag über und unsere Mitarbeiter nach Dienstschluss abkühlen.“

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