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Anschauungsbeispiele und viele Ideen hatte Helmut Trinkberger am Montagabend beim Mayr-Wirt dabei. Dort stellte er sein Konzept für den Hochwasserschutz im Sempttal vor.

Hochwasserschutz für Erding 

Viele Mini-Maßnahmen statt Riesen-Damm

Erding – Helmut Trinkberger sieht in der Renaturierung von Gräben und Flussläufen eine Chance für den Hochwasserschutz ohne Riesen-Damm im Sempttal. Am Montagabend stellte der Naturschutzbeirat und ehemalige ÖDP-Stadtrat seine Ideen nochmals vor.

Nach wie vor schlagen die Wogen beim Thema Hochwasserschutz im Sempttal hoch. Es geht um ein riesiges Rückhaltebecken bei Niederwörth, das die Fluten im Fall eines Hochwassers von der Stadt Erding fernhalten soll. Dieser Vorschlag kommt vom Wasserwirtschaftsamt München und würde den Wörthern eine bis zu 3,50 Meter hohe Mauer vor die Nase setzen (wir berichteten). Dagegen regt sich Widerstand. Anwohner befürchten unter anderem, dass durch die tief im Boden versenkten Spundwände das Grundwasser steigt. Dann besteht bei Starkregen die Gefahr, dass die Häuser praktisch von unten her absaufen.

Helmut Trinkberger, Naturschutzbeirat im Landratsamt Erding sowie früherer ÖDP-Kreis- und Stadtrat, hatte bereits im vergangenen Jahr seine Ideen für einen ökologischen Hochwasserschutz vorgestellt. „Renaturierung“ heißt sein Vorstoß, dessen verfeinerte Version er in der ÖDP-Ortsversammlung am Montag beim Mayr-Wirt darlegte. Seine Idee: Den Bächen und Flüssen den Platz wieder zu geben, den sie brauchen, um naturnah fließen zu können.

Dabei, so Trinkberger, müsse man vor allem an die Gräben denken, bei denen teils jahrelang nichts passiert sei. Sie müssten als erstes entschlammt werden, das würde auch die Fließgeschwindigkeit des Wassers deutlich verringern. Sein Vorschlag: Die Flussmeister des Wasserwirtschaftsamts und Vertreter der Gemeinden sollen sich gemeinsam anschauen, welche Gräben ausgebaggert werden könnten, wo sich Grundstücke als Retentionsflächen eignen und wie mit einfachen Mitteln kleine Rückhaltebecken entstehen könnten. „Das wäre der erste Schritt, der meines Erachtens der richtigste wäre“.

Dass ein solches Vorgehen durchaus Erfolg bringen kann, zeigt Trinkberger ein Bericht aus dem Neuchinger Ortsteil Lausbach. Dort habe der Tiefenbach immer wieder Probleme bereitet. Die Gemeinde Neuching habe nun das Ufer abgeflacht und ein 700 Quadratmeter großes Grundstück gekauft, das dem Bach als Retentionsraum dient. „Wenn viel Wasser kommt, läuft das auf die Fläche. Wenn es versickert ist, kann der Landwirt weiterarbeiten.“ Dieses Ausufern des Tiefenbachs wird durch den Einbau von Struktur- und Störelementen begünstigt und damit die Fließgeschwindigkeit weiter gebremst. Die Hälfte der Kosten habe laut Trinkberger das Wasserwirtschaftsamt getragen.

Für das Sempttal sieht er gute Chancen, dass sein Konzept aufgeht. Wenn man erst einmal wüsste, was an den Gräben und Gewässern wie Fehlbach, Sempt und Schwillach machbar ist, könnte das Wasserwirtschaftsamt auch die Wassermenge für ein drohendes Hochwasser neu berechnen. Im Moment stehen noch geschätzte 1,3 Millionen Kubikmeter im Raum, die bei einem Jahrhunderthochwasser auf Erding zubranden.

Auch den Zeitfaktor nutzt Trinkberger als Argument für seinen Vorschlag. Wenn die jetzige Planung mit einem Wasserrückhaltebecken umgesetzt wird, könnte es mit Planfeststellungsverfahren und den zu erwartenden Einsprüchen durchaus zehn Jahre dauern, bis die Hochwassergefahr gebannt ist. „Mit der Sanierung der Gräben ließe sich schon 2017 beginnen“, sagte er.

Erdings Hochwasserreferent Burkhard Köppen, der dem Vortrag interessiert lauschte, kann sich die Pläne durchaus als „ideale Lösung“ vorstellen. Er sieht aber auch die Gefahr, dass sich die Landwirte gegen die Überlassung von Grundstücken als Retentionsflächen sträuben könnten, wenn es soweit sei.

Die Gemeinde Wörth will derweil an einem eigenen Hochwasserschutzkonzept feilen, um auch im Zuständigkeitsbereich der Kommune einen natürlichen Rückhalt zu schaffen. Das erklärte Bürgermeister Thomas Gneißl. Das Wasserwirtschaftsamt soll eingebunden werden.

Allen Beteiligten ist aber klar: Egal, welche Maßnahmen zum Einsatz kommen, auf den Damm wird man nicht gänzlich verzichten können. Aber das Bauwerk könnte in seiner Dimension beachtlich schrumpfen.

Henry Dinger

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