Suchtberatung im Internet: Der Verein Prop e.V. bietet jetzt auch Kontaktmöglichkeiten über das EDnetz an. Foto: MM

Streetworker beraten anonym im EDnetz

Dorfen - Viele Jugendliche trauen sich bei Problemen nicht zu einer Beratungsstelle zu gehen. Genau dort setzen die virtuellen Streetworker von Prop e.V. an: Sie bieten jetzt anonyme Hilfe über das EDnetz.

Landkreis - „Da muss schon Holland in Not sein, damit Jugendliche persönlich zu einer Beratungsstelle kommen“, beschreibt Sozialpädagogin Tatjana Weseloh von Prop e.V. das Problem. Aus diesem Grund gehen die Mitarbeiter des Vereins für Prävention, Jugendhilfe und Suchttherapie jetzt in den virtuellen Raum. Denn im Internet sind viele Teenager regelmäßig unterwegs. „Gegen normale Beratungsstellen gibt es Vorurteile: ,Da gehen nur die hin, die schon total abgestürzt sind‘ oder ,Das ist nichts für Jüngere‘ hören wir immer wieder.“

Deshalb will Prop e.V. jetzt eine Beratung auf Augenhöhe der Jugendlichen anbieten. Dazu hat der Verein ein eigenes Nutzerprofil im EDnetz. Über die Suche kann diese Seite von den Betroffenen gefunden werden. „Dort kann man uns E-Mails schreiben, dass Ganze funktioniert anonym“, erklärt Weseloh. „Niemand sieht, wer auf unserer Seite war.“ Praktisch: Wer im EDnetz surft, hat auf alle Fälle eine E-Mailadresse, die er braucht, um sich bei den Streetworkern zu melden.

Probleme gibt es viele: Mit Alkohol und Drogen, Selbstverletzung, Essstörungen oder Schwierigkeiten mit sich selber, Freunden, den Eltern und der Schule. „Das sind manchmal für uns Erwachsene auch Kleinigkeiten, für die Jugendlichen aber wirklich ernste Sachen, bei denen sie nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen.“ Nicht bei allem können die Mitarbeiter von Prop weiterhelfen. „Aber wir können an andere Beratungsstellen vermitteln und Tipps geben, wer weiterhelfen kann.“ So hat auch jeder Mitarbeiter seinen Schwerpunkt. „Geht es zum Beispiel um Essstörungen, dann übernimmt das meine Kollegin.“

Ist erst einmal der Kontakt hergestellt, gehen häufig E-Mails hin und her. „Trotzdem ersetzt das keine persönliche Beratung“, mahnt die diplomierte Sozialarbeiterin. „Aber es baut die Schwelle ab, sich persönlich zu melden.“ Denn freiwillig würden Jugendliche die Sprechstunden meist nur aufsuchen, wenn sie von den Eltern oder dem Gericht dazu verdonnert würden oder eine akute Krankheit vorliegt.

„Wir ermutigen die Jugendlichen persönlich zu kommen“, fasst Weseloh zusammen. „Bei uns werden alle Anfragen ernst genommen.“

Suchtberatung im EDnetz

Wer sich auf EDnetz.de einloggt, hat oben rechts ein Suchfeld. Dort findet man unter dem Nutzernamen ProbBeratung den Verein. Unter Aktionen hat man dann die Möglichkeit eine E-Mail an die Berater zu schreiben. Telefonische Informationen unter (0 81 22) 9 99 81 30. (dm)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare