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Störgeräusche unter Handy-Giganten

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Von: Hans Moritz

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Aufgerüstet werden immer mehr Mobilfunk-Sendemasten im Landkreis. © Soeren Stache/dpa

Im Landkreis Erding beginnt ein neues Zeitalter der Datenübertragung: Vodafone hat mit dem Aufbau des 5G+-Netzes begonnen.

Erding - 5G+ ermöglicht unter anderem autonomes Fahren, aber durch Datenübertragung in Echtzeit, auch etwa die Telemedizin verbessert. Hauptkonkurrent Telekom erklärt leicht säuerlich, auf dem gleichen Stand der Technik zu sein, diese aber noch nicht anzuwenden, weil sie für den Kunden (erst mal) eine Verschlechterung bedeute.

Vodafone spricht von einem „Meilenstein“: In Dorfen, Bockhorn und Taufkirchen habe man die ersten Mobilfunkstationen mit der neuen Technologie 5G+ in Betrieb genommen. Dies sei zugleich die nächste Ausbaustufe für das Mobilfunknetz im Landkreis. „Bis Mitte 2023 werden wir fünf weitere Mobilfunk-Bauprojekte im Landkreis realisieren, um Funklöcher zu schließen, das bestehende Netz zu verstärken und darüber hinaus das 5G+-Netz in den Landkreis zu bringen“, so ein Sprecher.

Hintergrund ist nicht zuletzt die durch die Pandemie stark gestiegene Nutzung des Internets. „Der mobile Datenverkehr im Landkreis wächst rasant – mit einer jährlichen Steigerungsrate von aktuell rund 28 Prozent“, so der Vodafone-Sprecher weiter. Vor allem das Streaming fordere hohe Übertragungsraten.

Ziel sei es, das bestehende LTE-Netz weiter zu verstärken und möglichst die gesamte Bevölkerung bis 2025 auch an das 5G- und das 5G+-Netz anzubinden. Dabei will Vodafone zunächst die bereits vorhandene Mobilfunk-Infrastruktur weitgehend mitnutzen und seine Antennen für 5G und 5G+ möglichst an den bestehenden 63 Sendemasten – 57 verfügen über die schnellere LTE-Technik – im Erdinger Land in Betrieb nehmen. Diese würden also nach und nach aufgewertet, erklärt der Konzern in seiner Mitteilung. 29 sendeten bereits mit der 5G-Technologie.

Bis Mitte nächsten Jahres sollen neben den drei 5G+-Standorten drei 5G-Antennen realisiert werden – in Langenpreising, Oberding und Finsing.

5G+ interpretiert Vodafone als „Netzrevolution“. Auch hohe Datenmengen können dann in Echtzeit übertragen werden, wie sie etwa beim autonomen (fahrerlosen) Autofahren nötig sind.

Die Deutsche Telekom verfolgt die Ausbaupolitik ihres Hauptkonkurrenten kritisch. Auf Anfrage unserer Zeitung erklärt Konzernsprecher Markus Jodl: „Wir haben 5G+ auch schon an vielen Standorten vorbereitet. Wir werden es aber erst anschalten, wenn es für den Kunden einen Mehrwert bieten.“ Denn wenn quasi ein „Live-Netz“ steht, erlebten die Nutzer erst einmal einen Rückgang bei der Datenübertragungsquote.

Dies gibt Vodafone laut dem Branchenmagazin Golem sogar selbst zu. Dort wird dessen Chef-Netzplaner Guido Weissbrich zitiert: „Bisher wurden Datenraten von 1 GBit/s und mehr, aggregiert mit den 4G-Kapazitätsbändern, erreicht. Die fallen jetzt weg und wir kommen auf 600 bis 700 MBit/s.“ Um diesen Nachteil auszugleichen, bündelt Vodafone laut Golem die Bandbreite von verschiedenen 5G-Frequenzbändern. Experten meinen, 5G+ sei zunächst nur eine technische Spielerei, zumal bislang auch nur wenige Smartphones darauf ausgelegt sind. Der Telekom-Sprecher erklärt deshalb: „Wir testen nicht am Kunden.“

Die Telekom verfügt im Landkreis Erding laut Jodl über 74 Mobilfunkstationen, 63 sind bereits mit 5G ausgestattet. „Bis Ende 2024 würden wir im Landkreis gerne noch zwölf weitere Standorte bauen, um die Mobilfunk-Versorgung weiter zu verbessern. Dabei sind wir allerdings darauf angewiesen, dass wir ausreichend Flächen, Dächer oder Standorte für Masten finden.“

In der Stadt Erding wird derweil die Versorgung mit schnellem Internet verbessert – freilich unter der Erde. OB Max Gotz unterzeichnete einen Vertrag mit Jan Rimbach und Nicolai Inyamah von der Deutschen Glasfaser. Der Vereinbarung zufolge verlegt die Deutsche Glasfaser auf einer Trassenlänge von 14 Kilometern Leitungen und versorgt damit 217 Unternehmen in sämtlichen Gewerbegebieten der Stadt, teilt Rathaussprecher Christian Wanninger mit. Die Arbeiten sollen im vierten Quartal 2022 starten und im Laufe des kommenden Jahres abgeschlossen sein. Das 1,1 Millionen Euro teure Projekt wird im Zuge des Bundesförderprogrammes zu 50 Prozent aus Bundes-, 30 Prozent Landes- und zu 20 Prozent aus Eigenmitteln der Stadt Erding finanziert.

ham

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