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Spatzen am Futterhäuschen.  

Naturschutz

Vogelfütterung: Tipps und Infos der Erdinger BN-Experten

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Der BUND Naturschutz berichtet über den Sinn und Gefahren der Winterfütterung.

Erding – Einen Meisenknödel kaufen und damit die Vogelwelt retten? Es ist höchstens Erste Hilfe – bestenfalls. „Eine Winterfütterung leistet nur einen sehr geringen Artenschutzbeitrag“, erklärt Gabriele Betzmeir. Viel wichtiger für den Schutz unserer Gartenvögel seien laut der Erdinger Kreisvorsitzenden des Bund Naturschutz (BN) dichte Hecken, Streuobst, naturnahe Stauden und Kräuter, die auch über den Winter stehen bleiben dürften.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Völlig falsch ist laut BN die Vogelfütterung deswegen nicht. Futterstellen seien eine gute Gelegenheit, Vögel aus der Nähe zu beobachten. Der BN verweist auf Untersuchungen der katholischen Universität Eichstätt, wonach das Erleben spannender Naturerlebnisse glücklich mache. „Vögel füttern macht Spaß, fördert die Artenkenntnis und steigert das Wohlbefinden von uns Menschen“, heißt es in der Pressemitteilung des BN. Deshalb sei gegen sachgemäßes Füttern im Winter nichts einzuwenden. Sachgemäß heißt: Die Futterstellen im Garten sollten sauber gehalten und verschmutztes Futter entsorgt und stets frisches Wasser angeboten werden.

Allerdings: „Nur Füttern hilft zu wenig. Man fördert damit lokale Tierpopulationen, aber nicht unsere biologische Vielfalt“, begründet Betzmeir. Die Fütterung verschaffe häufigen und an den Menschen angepassten Arten einen Konkurrenzvorteil, der sich auf Größe und Verteilung der saisonalen Tierpopulationen und Vogelgemeinschaften auswirken könne. „Während Spatzen, Meisen und Amseln am Futterhäuschen wie im Paradies leben, haben andere Vogelarten kaum etwas davon.“ Die Arten, die ans Futterhaus kommen, seien bis auf sehr wenige Ausnahmen nicht gefährdet. Seltene und bedrohte Arten, wie Rebhuhn oder Grauammer, kämen dagegen kaum an die Futterstelle.

Wichtig sei zudem die Futterqualität. Mehr als 20 Millionen Euro werden laut BN jährlich für Vogelfutter ausgegeben, „doch häufig bleiben die Nüsse und Samen unberührt“. Verschmähte Meisenknödel? Für den BN ist das keine Überraschung. „Vögel sind wählerisch, solange sie durch das Wetter nicht gezwungen sind, auf minderwertige Kost umzusteigen,“ erklärt der Erdinger Kreisgeschäftsführer Manfred Drobny. Bei Billig-Vogelfutter aus dem Discounter oder dem Baumarkt leide häufig die Qualität. „Sehr günstige Meisenknödel enthalten Abfallfette, Backbrösel und andere unverdauliche Füllstoffe.“

Wer in seinem Garten viele Vögel beobachten wolle, müsse auf gute Qualität setzen. „Je vielfältiger das Futterangebot ist desto mehr Vogelarten finden etwas Passendes.“ Besonders beliebt seien Sonnenblumenkerne, Hanf, Hirse, Mohn, Distelsamen, Fett-Kleie-Gemische, Haferflocken, frisches Obst, Rosinen und getrocknete Mehlwürmer. Drobny und Betzmeir werben für eine Alternative: „Der Kauf von regionalen und biologisch angebauten Produkten hilft, strukturreiche Landschaften als Lebensraum für viele verschiedene Vogelarten zu erhalten. Das ist sinnvoller als übermäßig Winterfutter zu erwerben.“

Tipps für Naturgärten:

Füttern ist nicht die einzige Möglichkeit, Wildtiere im eigenen Garten zu beobachten. So rät der BN auf seiner Homepage, im Herbst seinen Garten nicht blitzblank aufzuräumen. „Stauden, Sträucher und Blumenreste liefern bestes Vogelfutter.“ Ein Stück nicht abgemähte Blumenwiese biete Insekten Überwinterungsquartiere. Äste und Zweige, die beim Zurückschneiden von Bäumen und Stauden entstehen, können, zum Reisighaufen, einem Igel für den Winterschlaf dienen. Mehr dazu unter https://www.bund-naturschutz.de/oekologisch-leben/naturgarten.

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