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Zufrieden trotz erschwerter Bedingungen: Johann Luber (r.) und Christian Berther vom Kreisverband der Volks- und Raiffeisenbanken.

Volks- und Raiffeisenbanken im Landkreis

Rekorde in Krisenzeiten

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Der Nullzins-Politik der EZB erfolgreich getrotzt haben die vier Genossenschaftsbanken im Kreis Erding. Sie konnten 2017 erneut Zuwächse erzielen. Dennoch befinden sich auch die Volks- und Raiffeisenbanken im Strukturwandel.

Erding - Erfreuliche Zahlen konnten die Vorsitzenden des Kreisverbands der Volks- und Raiffeisenbanken, Johann Luber und Christian Berther, am Freitag vorlegen: Das Provisionsgeschäft, also Wertpapiere, Versicherungen und Bausparverträge, konnte erneut gesteigert werden. Auch das Kreditvolumen ist gewachsen (siehe Kasten). Luber betont, dass die Banken nach wie vor von der Boom-Region mit hohen Investitionen, für die Kredite in Anspruch genommen würden, profitierten.

Unter der Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank, so Luber weiter, litten unvermindert nicht nur die Anleger, sondern auch die Institute. „Mit seinem Geld Gewinn erwirtschaften kann man nur noch über das Provisionsgeschäft.“ Berther erklärt, dass der Trend sogar wieder stärker zu Aktien gehe – „allerdings meist in deutlich weniger riskante Fonds“.

Investiert werde nach wie vor stark in Immobilien, „oft als Wertanlage“, so Luber. Für seinen Kollegen ist das neben dem Zuzug ins Erdinger Land auch ein Grund für die explodierenden Preise auf dem Wohnungsmarkt. „Das ist eine ungute Entwicklung“, so Berther. Hinzu komme, dass in Erding vor allem wegen der Hochwasserproblematik kaum noch gebaut werde. Das erhöhe den Druck. „Wir hoffen sehr, dass die Neubaugebiete Poststadl und Thermengarten bald in Angriff genommen werden.“

Insgesamt befindet sich auch die größte Bankengruppe im Landkreis im Umbruch. Luber versichert, man nutze alle Möglichkeiten, Kosten zu sparen, um die teilweise negativen Zinsen zu kompensieren. Betriebsbedingte Kündigungen habe es aber in keinem der vier Häuser gegeben. Sparpotenzial habe vor allem die 2017 erfolgte und mittlerweile technisch wie personell umgesetzte Fusion der Raiffeisen-Volksbank Isen-Sempt mit der VR-Bank Erding freigesetzt. Luber sprach von einem Personalabbau von zehn Prozent in einem Jahr.

„Wir planen keine weiteren Filialschließungen, beobachten aber die Kundenströme genau“, so Luber. Eine Antwort sei der Umbau zu SB-Centern. „Immer mehr Bankgeschäfte werden online oder am Telefon abgewickelt.“ Bisher habe es bei Umwandlungen kaum Kritik der Kunden gegeben. Berther kündigt in diesem Zusammenhang an, die Raiffeisen-Geschäftsstelle in Bockhorn abzureißen und neu zu bauen.

Immer größer wird für die Genossenschaftsbanken das Problem, qualifiziertes Personal und Auszubildende zu finden. „Den klassischen Bewerber, der von der Realschule kommt, gibt es fast nicht mehr“, bedauert Luber. „Es gibt einen großen Run auf die FOS/BOS mit anschließendem Studium. Das spüren wir deutlich,“ ergänzt Berther.

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