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Das Leipziger Flötenensemble Quintessenz mit (v. l.) Gudrun Hinze, Bettine Keyßer, Christian Sprenger, Anna Garzuly-Wahlgren und dem Erdinger Manfred Ludwig ist am 4. März in Erding zu Gast. Foto: (Gert Mothes)

Vom Gewandhausorchester Leipzig in die Erdinger Stadthalle 

Heimspiel für Flötist Manfred Ludwig

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Der Erdinger Flötist Manfred Ludwig kommt für ein Gastspiel in seine Heimat. Wir sprachen mit dem 33-Jährigen über seinen Werdegang, die Musik des Querflötenensembles Quintessenz und seine Liebe zu Erding.

Erding– Manfred Ludwig gehört seit fast zehn Jahren zum renommierten Leipziger Gewandhausorchester. Gebürtig stammt der 33-jährige Flötist aus Erding, wo er schon in jungen Jahren durch sein musikalisches Talent bekannt wurde. Jetzt kehrt Ludwig in seine Heimat zurück – für ein Konzert mit dem Leipziger Querflötenensemble Quintessenz in der Erdinger Stadthalle. Wir sprachen mit dem Musiker über seinen bisherigen Werdegang, die Musik des Querflötenensembles und seine Liebe zu Erding.

-Herr Ludwig, Sie stammen aus Erding und kommen nun mit ihren Kollegen zu einem Gastspiel in Ihre Heimat. Wie fühlt sich das für Sie an?

Manfred Ludwig: Ein Konzert in der Heimatstadt zu geben, ist etwas ganz Besonderes, vor allem, da mein letztes nun schon einige Jahre zurückliegt. Besonders freue ich mich darauf, weil im Publikum Familie, Verwandte, viele Freunde und Bekannte sitzen werden, die mich entweder schon mein ganzes Leben oder seit geraumer Zeit kennen. Das ist schön, da es mit Sicherheit eine sehr familiäre Atmosphäre sein wird im Konzert. Aber ich bin mir sicher, dass ich – im positiven Sinn – bestimmt ein bisschen aufgeregter sein werde als bei einem Konzert vor fremdem Publikum. Die Möglichkeit, meinen Ensemblekollegen darüber hinaus meine Heimat zeigen zu können, ist ein schöner Nebeneffekt und ich hoffe, ihnen wird Erding genauso gefallen wie mir.

-Auf welche Musik dürfen sich die Besucher freuen?

Ludwig: Sie dürfen sich auf ein abwechslungsreiches und vielfältiges Programm aus allen Epochen freuen. Von Bach und Händel über Grieg bis zu Bartok ist alles dabei. Außerdem gibt es schöne impressionistische Klänge von Debussy und Saint-Saëns’ Danse Macabre mit einer kleinen klanglichen Überraschung für die Besucher…

-Wer ist für die Arrangements der Stücke verantwortlich?

Ludwig:Zum größten Teil wurden die Arrangements, die das Ensemble in den vergangenen 20 Jahren erarbeitet hat, von meiner Kollegin Gudrun Hinze geschrieben. Man darf nicht vergessen, dass es für diese Art Besetzung mit Piccolo-, Alt- und Bassflöte davor nur sehr wenig bestehendes Material gab. Deshalb musste das Ensemble selbst für Material sorgen.

-Was ist das Besondere daran?

Ludwig : Zunächst einmal finde ich, dass aufgrund der verschiedenen Flöten bereits ein Klang entsteht, der nicht mit einem normalen Quintettklang vergleichbar ist, sondern mehr dem orchestralen Klangeindruck entspricht. Der Vorteil an eigenen Bearbeitungen ist, dass man Stücke, die einem im Orchester besonders gut gefallen, oder von denen man denkt, dass sie in der Flötensprache ebenso gut, wenn nicht besser klingen würden, so auch in kleinerer Besetzung spielen kann. Gudrun Hinze transkribiert ganze Orchesterpartituren für fünf Spieler, und ich bin jedes Mal begeistert, dass von den Werken im Gesamteindruck eigentlich nichts verloren geht. Da sie uns alle gut kennt, kann sie uns außerdem die Stimmen auf den Leib schreiben. So hat niemand eine langweilige Füllstimme, sondern jeder einzelne wird technisch und musikalisch gefordert.

-Quintessenz ist eines der ältesten und renommiertesten Querflötenensembles weltweit. Wie setzt es sich zusammen?

Ludwig : Das Ensemble besteht derzeit aus fünf Flötisten aus dem Leipziger Raum. Das sind vom Gewandhausorchester neben mir meine Kolleginnen Anna Garzuly-Wahlgren und Gudrun Hinze sowie vom Sinfonieorchester des MDR Christian Sprenger und von der Staatskapelle Halle Bettine Keyßer.

-Seit wann gehören Sie zum Ensemble?

Ludwig : Bereits in den letzten Jahren habe ich immer mal wieder im Ensemble auf verschiedenen Positionen ausgeholfen, wenn aus dienstlichen oder gesundheitlichen Gründen „Not am Mann“ war. Seit zwei Jahren bin ich festes Mitglied, nachdem meine Vorgängerin nach 20 Jahren aufgehört hat.

-Man kennt Sie auch von diversen Aufführungen des damaligen Oberstufentheaters in den frühen 2000ern am jetzigen Anne-Frank-Gymnasium Erding. Wann waren Sie zuletzt künstlerisch zu Gast in Erding?

Ludwig : Das war im Frühjahr 2009. Ich habe ein Rezital mit meinem Klavierpartner in der Mädchenrealschule gegeben. Seitdem war ich zwar sehr oft in Erding bei der Familie, aber die Flöte hatte ich nur fürs Üben dabei. Umso mehr freut es mich, dass ich nun wieder einmal die Gelegenheit für einen öffentlichen Auftritt habe.

-Sie spielen beim Gewandhausorchester Leipzig die zweite Flöte – seit fünf Jahren unbefristet. Wie war Ihr Werdegang bisher?

Ludwig:Meine musikalischen Wurzeln liegen größtenteils in der Kreismusikschule Erding und bei meiner langjährigen Lehrerin Claudia Góndola de Hackel, ohne deren Förderung und Forderung ich es niemals in diesem Beruf geschafft hätte. Nach einem Jungstudium bei Philippe Boucly am damaligen Richard-Strauss-Konservatorium studierte ich nach dem Abitur bei Andrea Lieberknecht an der Musikhochschule in Hannover. Orchestererfahrung sammelte ich ebenfalls bereits in der KMS und später bei Jugendorchestern in München sowie den großen Jugendorchestern von Bayern und der Bundesrepublik. Dieses kontinuierliche Orchesterspiel kam mir beim Berufseinstieg sehr zugute. Während des Studiums gewann ich 2008 zunächst das Probespiel für eine Praktikantenstelle an der Bayerischen Staatsoper und wurde fast zeitgleich als Elternzeitvertretung als stellvertretender Soloflötist in Leipzig angestellt. Dort wurde meine jetzige Stelle als zweiter Flötist frei, und natürlich habe ich das Probespiel bei diesem fantastischen internationalen Orchester gemacht und bin sehr glücklich, dort spielen zu können.

-Sie haben sogar bei den Bayreuther Festspielen gespielt.

Ludwig : Ja, es wareine besondere Ehre für mich persönlich, im vorigen Sommer die Einladung ins Orchester der Bayreuther Festspiele erhalten zu haben. Eine Einladung, die man natürlich annimmt. Und ich freue mich, auch dieses Jahr dort voraussichtlich wieder dabei sein zu können.

-Inzwischen sind Sie seit einigen Jahren in Leipzig. Was verbindet Sie noch mit Ihrer Heimat Erding?

Ludwig:Erding war, ist und wird immer meine Heimat bleiben. Meine Familie und alte Freunde leben nach wie vor hier, und ich versuche, so oft wie möglich für ein paar Tage nach Hause zu fahren, auch wenn das seltener klappt, als ich das manchmal möchte. Egal, wie hoch der Stress im Beruf oder im Alltag ist, zu Hause bei der Familie und Mamas Essen ist alles gleich viel leichter. Der Kopf wird frei und ich kann abschalten. Das ist fast wie Urlaub. Die Entfernung von zu Hause ist vielleicht der einzige Haken an Leipzig.

Konzert in der Stadthalle

Das Querflötenensemble Quintessenz gastiert am Sonntag, 4. März, in der Stadthalle Erding. Einlass ist um 19 Uhr, Beginn um 20 Uhr. Tickets kosten 27 Euro im Vorverkauf am Alois-Schießl-Platz 1, unter Tel. (0 81 22) 99 07 12 oder per E-Mail an ticket@stadthalle-erding.de. An der Abendkasse kosten die Karten 29 Euro. Mit der neuen Kulturkarte gibt es zehn Prozent Rabatt.

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