Wartet auf Publikum: Der Große Saal der Stadthalle Erding – von der Bühne aus betrachtet. Darin haben 800 Zuschauer Platz.
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Wartet auf Publikum: Der Große Saal der Stadthalle Erding – von der Bühne aus betrachtet. Darin haben 800 Zuschauer Platz.

Stadthalle Erding: Mitarbeiter-Team um ein Drittel geschrumpft – Ausblick ungewiss

Vom Umsatzrekord in die größte Krise

  • Gabi Zierz
    vonGabi Zierz
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Die Corona-Pandemie hat auch der Stadthalle Erding die Bilanz verhagelt. Vom Umsatzrekord 2019 stürzte das Kommunalunternehmen in seine größte Krise. Noch ist Zuversicht da.

Erding – Das Jahr hatte vielversprechend begonnen: Die Buchungslage 2020 war bestens, der positive Trend aus dem Vorjahr, für das die Stadthalle einen Umsatzrekord vermelden konnte, schien sich fortzusetzen. Dann kam Corona – und nichts war mehr so wie vorher. „Mir war sehr schnell klar, dass das die größte Krise wird, die das Unternehmen je erlebt hat.“ Das sagte Jutta Kistner, seit fast zehn Jahren Geschäftsführerin der größten Erdinger Kultur- und Veranstaltungsstätte, im Gespräch mit unserer Zeitung. Dennoch bleibt sie Optimistin: „Es wird auch eine Zeit nach Corona geben.“

Am Donnerstagabend hatte Kistner im Stadtrat den Beteiligungsbericht der Stadthallen GmbH, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadt, für das Geschäftsjahr 2019 vorgestellt. Einen großen Raum nahm dabei das Corona-Jahr 2020 ein.

Laut Kistner war 2019 so erfolgreich, dass die schleichende Verschlechterung des stets defizitären Veranstaltungsbetriebs sogar abgebremst worden sei. Auch wenn der Jahresfehlbetrag bei 724 000 Euro lag, habe sich der Pro-Kopf-Zuschuss erstmals wieder reduziert, nämlich auf unter elf Euro pro Besucher. Bislang kann die Differenz zum jährlichen Stadt-Zuschuss (650 000 Euro) noch aus Eigenkapital geschlossen werden. Aber nicht mehr lange.

Auch 2019 hatten die kulturellen Veranstaltungen den größten Anteil an der Auslastung der Halle. 146 Veranstaltungen mit 204 Belegungstagen waren es insgesamt. Auch was Kongresse, Messen und Tagungen betrifft, sei 2019 ein hervorragendes Jahr gewesen, so Kistner. Sie meldete einen Umsatzrekord von 950 000 Euro und sagte: „Die internationalen Gäste lieben den Puppenstuben-Charakter der Stadt, es gab viele positive Rückmeldungen.“

Seit der Corona-Zwangsschließung fährt die Stadthalle einen harten Sparkurs. Denn: „Während die Umsätze einbrachen, liefen die Kosten weiter“, so Kistner. Zudem erstattete die Stadthalle – anders als Großveranstalter wie beispielsweise Eventim – die Ticketpreise für ausgefallene Veranstaltungen zurück. Neben den Stornierungen eine der kostenintensiven Hauptaufgaben im vergangenen Jahr. Das Mitarbeiter-Team sei in wenigen Monaten um gut ein Drittel geschrumpft – von 17 auf jetzt 12. Einige hätten von sich aus gekündigt und seien in krisensicherere Branchen gewechselt, weil sie durch die Kurzarbeit einen deutlichen Gehaltsverlust hinnehmen mussten.

Wenigstens habe das Haus während der Zwangsschließung den Führungsstab Katastrophenschutz und das Gesundheitsamt beherbergen können. Zudem finden viele Sitzungen von Stadtrat und Kreistag dort statt. Staatliche Hilfe habe die Stadthalle 2020 keine erhalten, so Kistner.

Die Unsicherheit in der Veranstaltungsbranche ist groß. „Nach wie vor fehlen jegliche Planungssicherheit und Perspektive“, sagt Kistner. Durch den neuerlichen Lockdown seit November mache sich in der Branche eine gewisse Resignation breit. Sie rechnet damit, dass noch bis Jahresmitte viele Veranstaltungen wegbrechen werden.

Dennoch bleibt die Stadthallen-Chefin optimistisch: „Brot & Spiele wird’s immer geben“, ist sie überzeugt, denn: „Die virtuelle Welt kann den persönlichen Kontakt nicht ersetzen.“ An die Stadträte mit OB Max Gotz an der Spitze appellierte sie am Donnerstag: „Wir brauchen Sie und Ihre Unterstützung, denn es wird auch eine Zeit nach Corona geben.“

Gotz kündigte an, in einer Sondersitzung über Mittel und Rahmenbedingungen zu entscheiden, „um die Kunst- und Kulturszene, die uns förmlich wegbricht, ins Visier zu nehmen“. Die Stadthalle sei eine tolle Visitenkarte für die Stadt und rechtfertige auch in Zukunft große Investitionen.

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