+
Nach langem Streit stoßen die Bürgermeister Sepp Brenninger, Gerd Vogt und Sepp Kaiser auf die Fusion an (v.l.)

Vor 40 Jahren: Fusion von Erding, Altenerding und Langengeisling

In dieser Stadt schlagen drei Herzen

  • schließen

Aus drei mach eins: Vor 40 Jahren, am 1. Mai 1978, tritt die Gebietsreform in Kraft. Die eigenständigen Gemeinden Altenerding, Erding und Langengeisling fusionieren nach langem Streit zum Mittelzentrum Erding. Ein Blick zurück – und in die Gegenwart.

Erding Leistungsfähigere Kommunen will die Staatsregierung mit der Gemeindegebietsreform in den 70er Jahren erreichen. In zwei Wellen ist davon der Kreis Erding betroffen (siehe unten). Am tiefsten ist der Einschnitt für Erding. Der Weg zu einer geeinten Stadt ist lang und steinig. Noch heute gibt es eine Rivalität mit Augenzwinkern zwischen Altenerdingern, Erdingern und Geislingern.

Die Anbahnung der Fusion war ein Politikum. Die damaligen Bürgermeister Alois Schießl (Erding), Sepp Kaiser (Langengeisling) und Sepp Brenninger (Altenerding) lieferten sich heftige Redeschlachten. Vor allem Brenninger und Kaiser sträubten sich gegen die Eingemeindung. Danach arbeiteten sie die nächsten Jahre gut zusammen. Sie sind nach 1978 stellvertretende Bürgermeister des im gleichen Jahr gewählten Gerd Vogt.

Den Grundstein des Umbaus der bayerischen kommunalen Ebene legt der damalige Ministerpräsident Alfons Goppel, der in seiner Regierungserklärung vom 25. Januar 1967 die Reform „die wichtigste innenpolitische Aufgabe der Legislaturperiode“ nennt. Zusammenschlüsse müssen jedoch freiwillig erfolgen. Dennoch droht der damalige Innenminister Bruno Merk bei einem Besuch 1974 in Erding mit Zwangsehe.

Als einer der ersten spricht sich 1969 Stadtrat Karlhans Kummer für ein Zusammengehen aus. Er begründet dies mit der wirtschaftlichen Stagnation, keinen Entwicklungsmöglichkeiten und dem Streit um die Erdinger Ostumgehung auf Altenerdinger Flur.

Ein halbes Jahr später legt die Regierung von Oberbayern beiden Gemeinden nahe, zusammenzugehen. Im Juli 1973 fasst Altenerding einen „Freiwilligkeitsbeschluss“ mit dem Ziel einer gütlichen Einigung. Man ist stolz auf die homogene Gemeinschaft, den persönlichen Kontakt ins Rathaus und seine Leistungsfähigkeit.

Eine Fusions-Arbeitsgemeinschaft tritt im April 1974 an Langengeisling mit diesem Ansinnen heran. Ein Jahr später wird die Regierung von Oberbayern deutlicher. Sie sieht in den drei Orten an der Sempt eine „städtebauliche wie naturräumliche Einheit“. Die anstehenden Aufgaben könnte eine „größere und leistungsfähigere Gemeinschaft besser lösen“.

Einen Monat später, im August 1975, lehnt der Altenerdinger Gemeinderat mit 10:9 Stimmen die Fusion ab. Im November stimmt Brenninger in der Arbeitsgemeinschaft dann doch zu – mangels Alternativen. Ein ausschlaggebendes Ereignis ist die Schließung des städtischen Krankenhauses 1973. Die neue Klinik wird auf Altenerdinger Flur gebaut.

Im Dezember 1975 sagt Langengeisling mit 9:4 Stimmen Ja. Das ist teuer erkauft, denn den Geislingern werden Sondermittel in Höhe von 350 000 Euro versprochen – das viel zitierte „Heiratsgut“.

Größter Ort einst und jetzt: Altenerding mit 11 048 Einwohnern. Heute sind es 19 743. Erding wuchs von 10 450 auf 15 885 Menschen und Geisling von 1923 auf 3025 Bürger.

Formal schließt der Landtag die Reform 1976 ab. Der damalige Bürgermeister Alois Schießl soll die Fusion aber nicht mehr erleben. Er stirbt am 15. November 1977 – ein halbes Jahr vor dem Zusammenschluss. Erster Bürgermeister des neuen Mittelzentrums wird Gerd Vogt. Er bezeichnet das Zusammenwachsen der Ortsteile als größte politische Herausforderung, aber auch Leistung.

Sein Nachnachfolger Max Gotz ist 40 Jahre später überzeugt: „Der Stadt konnte nichts Besseres passieren.“ In der Tat: In Erding herrscht politischer Friede. Die Ortskerne sind erhalten geblieben. Die Stadtpolitik ist dezentral ausgerichtet. Es gibt über 400 Vereine. Im Stadtrat sitzt heute noch einer, der schon damals dabei war: Jakob Mittermeier.

Das Rad der Geschichte dreht sich weiter: Zum 1. Januar 2013 wird Erding Große Kreisstadt und Gotz Erster Oberbürgermeister. Seit 1. März dieses Jahres ist Erding nicht mehr Mittel-, sondern Oberzentrum.

Gebietsreform verändert Landkreis

Gebietsreform in Bayern vollzog sich in mehreren Schritten. Zum 1. Mai 1978 trat sie vollends in Kraft – und veränderte auch die politische Landkarte des Kreises Erding. Aus einst 47 Gemeinden wurden 26, davon elf eigenständig. 15 Kommunen schlossen sich zu sechs Verwaltungsgemeinschaften zusammen. Die 70er Jahre waren auch das Jahrzehnt, in der einige neue Rathäuser gebaut wurden – in Finsing, Lengdorf, Taufkirchen und Oberding. Die größte Zusammenlegung betraf die Kreisstadt: Erding, Altenerding und Langengeisling verschmolzen zu einem neuen Mittelzentrum. Noch stärker war der Landkreis von der ersten Stufe der Gebietsreform betroffen, die sechs Jahre früher, 1972, umgesetzt wurde. Erding erhielt vom Landkreis Mühldorf die Gemeinde Schwindkirchen (heute zu Dorfen gehörend) sowie vom im gleichen Jahr Mühldorf zugeschlagenen Landkreis Wasserburg die Gemeinden Isen und Sankt Wolfgang. Dafür musste die damals eigenständige Gemeinde Notzing, die heute zu Oberding gehört, den Ort Goldach abgeben. Er wurde Hallbergmoos im Landkreis Freising zugeschlagen. Bis heute finden sich Spuren, die auf die frühere Ordnung hinweisen. So gehören in Isen und St. Wolfgang die Sparkassen-Filialen zur Sparkasse Wasserburg/Inn und nicht Erding-Dorfen

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Der Vater von Erdings Einheit: Trauer um Gerd Vogt
Er hat monatelang gekämpft, er hat dem Tod noch viele Monate abgerungen. Nun schwanden seine Kräfte. Am Freitagvormittag ist Gerd Vogt gestorben. Der überaus beliebte …
Der Vater von Erdings Einheit: Trauer um Gerd Vogt
Maria Grasser schafft es in den Bezirkstag
Als Mitgründerin des Hauswirtschaftlichen Fachservice Erding ist Maria Grasser über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt. Das dürfte ihr  bei der Bezirkstagswahl die …
Maria Grasser schafft es in den Bezirkstag
Der grüne Funke sprang beim Friseur über
Altenerding – Über einen Friseurbesuch kam Familie Klupp vor 26 Jahren ganz spontan zu ihrem Kleingarten. War der Garten ursprünglich als Freizeitbeschäftigung für ihren …
Der grüne Funke sprang beim Friseur über
An diesen Automaten in der Region können Sie frische Milch vom Bauernhof zapfen
München - Frisch, fair und direkt in Ihrer Nähe: An zahlreichen Milchtankstellen in Bayern kann man sich mittlerweile mit Milch vom nächsten Bauernhof versorgen - und …
An diesen Automaten in der Region können Sie frische Milch vom Bauernhof zapfen

Kommentare