Vor Gericht

Autoschieber fährt für 27 Monate ein

Landshut – Mit einer betrügerischen Masche hat ein 56-jähriger Brite am Münchner Flughafen zwei Luxusautos angemietet und ins Ausland verschoben. Dafür muss der Mann ins Gefängnis.

Die Anklage wirft dem 56-jährigen Briten vor, am 6. Juni 2013 zusammen mit einem Bekannten bei zwei Erdinger Autovermietungen zunächst einen 5er-BMW mit einem Neuwert von 58 000 Euro und dann einen Audi A 6 für 75 000 Euro gemietet zu haben. Die beiden Luxusautos wurden dann in den Irak verschoben. Beim Amtsgericht Erding hatte sich der Restaurant-Manager wegen zwei Fällen des Betrugs eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten eingehandelt. Dagegen legte er Berufung ein.

Vor der 2. Strafkammer des Landgerichts bedankte sich der 56-Jährige zunächst, dass ihm endlich Gelegenheit gegeben werde, seine „wahre Geschichte“ an den Mann zu bringen. Ausschweifend berichtete er, dass er nach dem Besuch der Highschool im Import- und Exportgeschäft tätig gewesen sei und sich 2004 selbstständig gemacht habe. Allerdings habe er das Geschäft 2010 schließen müssen: „Ich kam nicht auf die Beine, weil Kunden nicht bezahlt haben.“ Danach habe er sich mit Gelegenheitsjobs durchgeschlagen müssen.

2013 habe er bei einem Pokerturnier einen Geschäftsmann kennengelernt, der von einer „brillanten Geschäftsidee“ geschwärmt habe, die mit Auslandsreisen verbunden sei. Pro Reise seien 3000 bis 5000 Britische Pfund zu verdienen. „Ich müsse nichts investieren, brauche nur Pass, Führerschein und Kreditkarte“, sagte der Manager. Anfang Juni 2013 sei er mit seinem Pokerfreund nach Deutschland geflogen, habe aber nicht gewusst, „um welche Geschäfte es gehen soll“. Zuvor habe der Geschäftsmann quasi als Sicherheit noch in England 1800 Pfund auf sein Konto eingezahlt: „Aber ich musste ihm meine Kreditkarte geben, damit ich nichts vor dem Abschluss der Reise abheben konnte.“ Die später angemieteten Fahrzeuge habe man von einem Internet-Café aus bestellt: „Er hat mir erklärt, dass wir für den Transport von Waren zwei Wagen brauchen.“

Zunächst sei man über Ungarn in die Türkei gefahren, danach weiter in den Irak. „Ich habe immer wieder gefragt, ob es um etwas Illegales geht und bin beruhigt worden.“ An der irakischen Grenze seien die Fahrgestellnummern der Autos in seinen Pass eingestempelt worden. In einem Hotel „habe ich versucht, mit ihm zu reden und klar zu machen, dass die Mietfrist für die Autos abläuft. Stattdessen ist dann sein angeblicher Bruder aufgetaucht und hat mich mit einer Schusswaffe bedroht. Von da an wollte ich nur mehr unversehrt nach Hause zurück.“ Tatsächlich sei man gemeinsam am nächsten Tag zum Flughafen gefahren. „Dort bin ich dann aufgeflogen, weil in meinem Pass die Autodaten eingestempelt waren“, erzählte der 56-Jährige. Vier Monate habe er in Haft verbracht.

Verteidiger Nils Dick forderte einen Freispruch. Sein Mandant sei aus Geldnöten in die Sache „reingerutscht“. Seine Geschichte sei durchaus glaubhaft, zumal gegen eine Betrugsabsicht spreche, dass er bei den Verleihfirmen seine persönlichen Daten komplett angegeben habe.

Vorsitzender Richter Markus Knoblach machte dagegen klar, dass die abenteuerliche Geschichte des 56-Jährigen völlig unglaubwürdig sei: „Wir haben am Landgericht genügend Erfahrungen mit Autoschiebern und ihren Storys.“ Die vom Amtsgericht verhängte Strafe liege am unteren Rand. Daraufhin nahm der 56-Jährige seine Berufung zurück, zumal ihm auch in Aussicht gestellt wurde, dass er zur Verbüßung der restlichen Haft nach England überstellt werden könnte. -

Walter Schöttl

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