Vor Gericht 

Waren für über 50.000 Euro bestellt – aber nicht bezahlt

Internetbetrug mit über 50.000 Euro Schaden: Ein Ehepaar hatte online Waren geordert, ohne sie zu bezahlen. Jetzt bekam es vor Gericht die Quittung dafür.

Erding– Der auf drei Verhandlungstage angesetzte Prozess wegen Internetbetrugs endete frühzeitig mit einem Urteil: Eine 32-Jährige kam mit Bewährungsstrafe davon, ihr Mann (56) muss für zweieinhalb Jahre in Haft. Beide hatten ein umfassendes Geständnis abgelegt. Dies ersparte es dem Gericht, weitere zehn Zeugen zu laden. Dennoch machte es Mühe, die insgesamt 49 Betrugsfälle seit Oktober 2015 abzuarbeiten.

Teils alleine, teils gemeinsam bestellte das Paar Waren über das Internet – von hochwertigen Reitsätteln über Handys bis hin zu Dessous. Deren Weiterverkauf diente dem Lebensunterhalt. Vor Rechnungen und Mahnungen drückten sich die beiden mit Ausreden. So wurde unter falschen Namen geordert, wofür auch die Stieftochter herhalten musste. Oder man fälschte Überweisungsformulare und gab an, gerade im Krankenhaus oder im Ausland zu sein. Die „recht naive Vorgehensweise“, so Richter Björn Schindler, endete, als einer der Geschäftsleute misstrauisch wurde und die Auslieferung eines mehr als 6000 Euro teuren Sattels verweigerte.

Nach dem detaillierten Geständnis konnten der Frau 23 Betrugsfälle mit einem Gesamtschaden von 24 900 Euro zugrunde gelegt werden. Ihr Mann brachte es auf 26 Fälle mit einer Schadenssumme von 27 400 Euro. In einem Rechtsgespräch versuchten die Verteidiger, Bewährungsstrafen zu erreichen. Dies gelang nur Rechtsanwältin Annette Wunderlich aus München für ihre Mandantin. Grund ist der schwierige Lebenslauf der 32-Jährigen.

Sie erlernte nach der Förderschule den Beruf der Pferdepflegerin, hatte aber Alkohol- und Drogenprobleme. Bei einer Vorstrafe 2009, ebenfalls wegen betrügerischer Bestellungen, wurde sie aufgrund ihrer „Grenzbegabung und tieferliegenden Störungen“ freigesprochen, musste aber in den Maßregelvollzug und anschließend in eine therapeutische Wohngemeinschaft. Ein weiteres Gutachten bestätigte ihre erhebliche verminderte Schuldfähigkeit zum neuen Tatzeitpunkt.

Das Schöffengericht verurteilte sie zu zwei Jahren Freiheitsstrafe, die auf die Dauer von fünf Jahren zur Bewährung ausgesetzt wurde. Sie muss zudem eine ambulante Therapie absolvieren.

Rechtsanwalt Dr. Marcus Mey hoffte für den 56-Jährigen ebenfalls auf eine zweijährige Bewährungsstrafe. Sein Mandant habe zwar acht Vorstrafen, darunter jedoch nur ein Eigentumsdelikt. Bei den Bestellungen habe es sich nicht um Luxusgüter gehandelt, sondern der Erlös habe „der normalen Lebensführung“ gedient. Die U-Haft seit September 2016 habe einen „nachdrücklichen Eindruck“ hinterlassen.

Das Gericht verurteilte den Mann jedoch zu zweieinhalb Jahren Haft. Nach neuester Rechtslage kommt es bei beiden zur Einziehung der Schadenssumme. „Inwieweit dies zu vollziehen ist“, so Schindler, „ist eine andere Frage“.

Gert Seidel

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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