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Gefährlich und verboten: nur ein Guckloch durchs Eis auf der Scheibe kratzen.  

Vor Gericht 

Vereiste Scheibe: Das kann teuer werden

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Erding – Besen und Eiskratzer sollten in diesen Tagen zum Handwerkszeug jedes Autofahrers gehören und immer griffbereit sein. Allerdings sollte beides auch benutzt werden, sonst kann es teuer werden – nicht nur wegen der drohenden zehn Euro, wenn einen die Polizei erwischt. 

Das beweist ein Prozess vor dem Amtsgericht Erding.

Geklagt hatte eine Frau, die ihren Wagen über Nacht auf einem Anwohnerparkplatz an der Johann-Sebastian-Bach-Straße in Erding abgestellt hatte – allerdings nicht innerhalb der markierten Fläche. Am nächsten Morgen setzte ein Autofahrer seinen Wagen zurück und knallte gegen den dahinter stehenden Toyota der Klägerin. Pikant: Der Verursacher hatte seine Heckscheibe nicht enteist, fuhr also im Blindflug.

Es kam zum Streit, die Frau verklagte den Halter respektive dessen Haftpflichtversicherung, ihr die 900 Euro Schaden zu ersetzen. Die Gegenseite, so Dr. Stefan Priller, Sprecher des Amtsgerichts Erding, machte hingegen deutlich, dass die Frau eine Teilschuld von 30 Prozent treffe, da sie rücksichtslos geparkt und das gegenseitige Rücksichtnahmegebot auf einem Anwohnerparkplatz ignoriert habe.

Das Amtsgericht, so Priller, gab der Klage jedoch in vollem Umfang statt und stellte fest, dass der Unfall zwar auch für die Klägerin nicht unvermeidbar gewesen sei, weil ihr Fahrzeug nicht auf einer gekennzeichneten Parkfläche abgestellt war. Dennoch überwiege das Verschulden des Beklagten deutlich.

Ein Fahrzeugführer müsse sich beim Rückwärtsfahren nämlich nicht nur so zu verhalten, dass die Gefährdung anderer ausgeschlossen ist. Zudem sei er dafür verantwortlich, „dass seine Sicht nicht durch den Zustand des Fahrzeugs“ – also auch durch vereiste Scheiben – beeinträchtigt wird. Der Beklagte habe sich sorgfaltswidrig verhalten, indem er schlicht darauf vertraut hatte, freie Bahn zu haben. Seine Berufung beim Landgericht Landshut zog der Fahrer schnell wieder zurück und ersetzte den Schaden in voller Höhe.

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