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Vortrag Harry Seeholzer

Was rostet die Welt?

Harry Seeholzer zeigt bis einschließlich heute zusammen mit seinem Sohn Kunst im Frauenkircherl. Dabei stellte er in einem Vortrag die Frage: „Was rostet die Welt?“

von Vroni Vogel

Erding– „Was rostet die Welt“ – unter diesem Titel stand der Vortrag des frisch gekürten Kulturpreisträgers Harry S. am Mittwoch im Frauenkircherl. Ein spannendes Thema, den Rost als zerstörerisches, gestaltendes und provokantes Produkt zu beleuchten. Allerdings stieß die Veranstaltung auf wenig Resonanz: Gerade mal gut zehn Zuhörer waren gekommen.

Harry Seeholzer informierte sie über viele Aspekte des Rosts in der Kultur- und Kunstgeschichte mit Ausflügen in die Industriewirtschaft und Naturwissenschaft. Besonders gelungen war die Bebilderung, die den Text veranschaulichte, zumal das Frauenkircherl ein wunderbarer Ausstellungsraum ist, wegen seiner halligen Atmosphäre jedoch eine echte Herausforderung für die Zuhörer.

Meist sei Rost unerwünscht, erläuterte der Referent mit Blick auf den volkswirtschaftlichen Schaden durch Korrosionsprozesse. Harry S. zeigte ein starkes Foto zum Wohlstandsschrott mit morbidem Charme: verrostende Autos im Wald, die mit der Natur zu verschmelzen scheinen.

Wie der Erdinger anhand von Beispielen illustrierte, habe man in der Kunst gezielt mit den Vorgängen der Korrosion experimentiert: Der innovative Schweizer Maler und Bildhauer Jean Tinguely (1925-1991) fertigte Wundermaschinen aus verrostetem Schrott. Wunderschön die „Windkämme“ des spanisch-baskischen Bildhauers Eduardo Chillida (1924-2002), die an Felsen über dem Meer angebracht sind und sich im beständigen Spiel mit den Elementen befinden.

Harry S. verwies zudem auf die Verbindung von Rost und Blut und meinte salopp: „Obwohl wir so viel Eisen im Blut haben, rosten wir nicht.“ Rost als Wandler mit seiner Symbolkraft des Vergänglichen, des Verletzten und Beschädigten sowie seine elementare Nähe zur Natur inspiriert Kunstschaffende schon lange – nichts Neues also, ebenso wenig wie öffentliche Proteste zu rostender Kunst. All das machte der Vortrag deutlich.

„Blut ist ein ganz besondrer Saft“, zitierte der Referent den Mephisto aus Goethes Faust, und das kann höllisch in Wallung geraten, wie Harry S. in Kommentaren zu seinen Skulpturen erfahren hat.

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