Gotz’ Vorstoß in Sachen Verkaufsoffene Sonntage

Gerlspeck: Da soll nur neues Feuer rein

Erding - Tausende Bürger nutzen die vier verkaufsoffenen Sonntage in Erding, um stressfrei durch die Geschäfte zu bummeln. Jetzt möchte OB Max Gotz die vier Termine pro Jahr auf einen reduziert sehen (wir berichteten). Wir sammelten Stimmen. Ardeo-Chef Dieter Gerlspeck hat eine interessante Erklärung.

„Perfekt“, sagt Margit Junker-Sturm. Die Vorsitzende des Kreiskatholikenrats findet Gotz’ Vorstoß „bewundernswert“, denn die Erhaltung der Sonn- und Feiertage sei extrem wichtig. Junker-Sturm ist sich sicher, dass die Angestellten, die an den verkaufsoffenen Sonntagen in der Arbeit erscheinen müssen, darunter leiden. „Sie haben nichts davon, wenn sie dann mal am Montag frei bekommen, und der Rest der Familie wieder arbeiten muss“, sagt sie. Eine Umsetzung der Reduzierung bezweifelt Junker-Sturm jedoch aufgrund der zahlreich im Stadtrat vertretenen Geschäftsleute. Unterstützung bekommt der OB auch vom ehemaligen SPD-Stadtrat Willi Scheib. „Als Gewerkschafter bin ich sowieso kein großer Freund dieser Tage. Gotz’ Vorhaben geht in die richtige Richtung.“ Scheib kritisierte zudem die Umsetzung des Ladenschlussgesetzes in Erding. Darin ist geregelt, dass ein verkaufsoffener Sonntag lediglich in Verbindung mit einer konkreten anderen Veranstaltung durchführbar ist. In Erding habe man dieses Prinzip umgekehrt, wie Scheib findet: „Man will unbedingt die Läden öffnen und sucht deshalb nach irgendeinem zusätzlichen Anlass.“ Grundsätzlich könne man die Arbeit am Sonntag nur rechtfertigen, wenn diese aus gesellschaftlichen Gründen erforderlich sei. „Das ist zum Beispiel im Krankenhaus so, aber bei einem verkaufsoffenen Sonntag ist keine Notwendigkeit gegeben“, so Scheib. Er hofft zuversichtlich auf eine Mehrheit im Stadtrat für Gotz’ Vorstoß. Starker Gegenwind kommt von Harald Irl. Als Sprecher der Sempt-Park-Gemeinschaft kann er den Wunsch des OB nicht nachvollziehen. „Diese Sonntage sind immer ein großer Erfolg, und es haben sich tolle Events darum gebildet“, sagt Irl. Vor allem für Familien seien diese Tage gut geeignet: „In der heutigen Zeit, wo beide Partner arbeiten, wird es ihnen dadurch ermöglicht, gemeinsam shoppen zu gehen.“ Zudem profitiere der Einzelhandel erheblich von den zusätzlichen Öffnungszeiten. Es handele sich dabei um die stärksten Umsatztage für Gewerbetreibende. Irl hat bislang von keinen schlechten Erfahrungen hinsichtlich der Personalfindung gehört. „Es hatte noch nie jemand Probleme damit, freiwilliges Personal zu finden, weil da natürlich deutlich mehr gezahlt wird.“ Entspannter sieht es Ernst Howerka. Der Inhaber der Parfümerie an der Langen Zeile fände es zwar schade, wenn die verkaufsoffenen Sonntage nicht mehr so oft stattfinden, in einem ist er sich jedoch sicher: „Gotz weiß sicherlich genau, was er da tut.“ Davon ist auch Dieter Gerlspeck, Vorsitzender der Händler-Interessengemeinschaft Ardeo, überzeugt. Der Sportartikelhändler kann sich absolut nicht vorstellen, dass jemand die Umsätze, die an diesen Tagen gemacht werden, an Nachbarstädte abtreten wolle. Vielmehr sieht er in Gotz’ Vorstoß eine Taktik: „Es muss mal wieder eine Diskussion entfacht werden, um zu zeigen, dass die Gewerbetreibenden die verkaufsoffenen Sonntage wollen und brauchen“, vermutet Gerlspeck. Nach einem Gespräch mit dem Oberbürgermeister denkt der Geschäftsmann, dass Gotz neues Feuer bei den Händlern entfachen wolle. „Wenn dann erkennbar wird, dass man in Zukunft wieder mit mehr Elan an die Sache herangeht, wird eine solche Entscheidung sicherlich nicht fallen“, sagt Gerlspeck.

ja

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