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Das Problem bleibt die Statik der Wallfahrtskirche: Deshalb misst ein Theodolit alle zwei Stunden, ob sich verschiedene Punkte im Inneren von Heilig Blut verschoben haben. Wenn das der Fall ist, wird das zuständige Ingenieurbüro sofort alarmiert. 

Wallfahrtskirche in Altenerding bleibt gesperrt

Heilig Blut: „Momentan würde ich woanders heiraten“

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Die Wallfahrtskirche Heilig Blut Altenerding bleibt weiter gesperrt. Die Sanierung wird einen zweistelligen Millionenbetrag verschlingen.

Erding – Von außen strahlt die Wallfahrtskirche Heilig Blut in Zitronengelb, nur wenige Risse gibt es in der Fassade. Aber das Innere der Kirche ist eine große Baustelle. Seit drei Jahren ist die Kirche am Stadtpark deshalb zugesperrt – aus Sicherheitsgründen. An der Holztür hängt ein Schild: „Kirche auf unbestimmte Zeit gesperrt. Keine Gottesdienste“. Früher war Heilig Blut bei Hochzeitspaaren beliebt, heute muss das Gotteshaus dringend saniert werden. Aber so schnell wird das nicht gehen, schätzt der Pretzener Architekt Markus Heilmaier: „Ich würde momentan eher woanders heiraten“, sagt er: „Es wird wahrscheinlich acht bis zehn Jahre dauern, bis alles fertig ist.“

Momentan sei nicht mal klar, wer die Sanierungskosten übernimmt, sagt Stadtpfarrer Martin Garmaier: „Wir rechnen mit Kosten im zweistelligen Millionenbereich, das kann unsere Pfarrgemeinde nicht alleine stemmen.“ Auf Anfrage bei der Erzdiözese München und Freising gibt Pressesprecherin Christina Tangerding Entwarnung: „In diesem Fall wird das Ordinariat voraussichtlich rund 80 Prozent, die Pfarrei 20 Prozent der Kosten übernehmen.“ Wie hoch diese genau sind, müssen die derzeitigen Voruntersuchungen zeigen, so Garmaier: „Danach muss die Erzdiözese noch Grünes Licht für die Sanierung geben.“

Klar ist: Die Wallfahrtskirche hat schon einige Jahre auf dem Buckel. 1675 wurde mit dem Bau begonnen. Fast 350 Jahre später hakt es an mehreren Stellen: innen und außen, wie Architekt Heilmaier in der eigentlich zugesperrten Kirche zeigt. Für einen kurzen Besuch der Heimatzeitung hat er sie geöffnet. Am Eingang hängt ein rot-weißes Absperrgitter, er schlüpft hindurch und geht zum Altar. Davor steht ein Theodolit, das ist ein Winkelmessgerät. „Es misst alle zwei Stunden“, erzählt Heilmaier. Insgesamt fixiert es etwa 80 Punkte in der Kirche und checkt, ob sich diese verschoben haben. Wenn das der Fall ist, wird das zuständige Ingenieurbüro sofort automatisch informiert. Denn das größte Problem der Kirche bleibt die Statik.

Außerdem sind über dem Altar- und Kirchenraum Sicherheitsnetze gespannt. Denn auf den Kirchenbänken liegen weiße Brösel, von der Stuckdecke bröckelt es. Im Hinterraum der Kirche hängen ebenfalls Netze unter den Emporen. Mit dem Fuß zeigt Heilmaier auf deren Säulen: Die Fliesen am Boden sind Richtung Säule ein paar Zentimeter eingesunken. Denn die Kirche steht auf wenig stabilem Almboden, die Erzdiözese teilt mit: „Die Messungen haben ergeben, dass der Boden besonders bei Starkregen nachgibt.“ Das Kirchenfundament senkt sich zur Mitte hin. „Aber die Kirche ist nicht einsturzgefährdet“, sagt Heilmaier.

Kameras befahren aktuell das Kanalsystem unter der Kirche, erklärt er: „Damit wollen wir herausfinden, ob das Regenwasser in das Kanalsystem reinläuft oder in den Boden sickert.“ Das wäre fatal – und rüttle wieder am Kirchenfundament. Nach der Kamerabefahrung soll der Innenraum nach dessen Sanierungsbedarf untersucht werden, wegen der bröckelnden Stuckdecke. Und: „Auch an der Empore hat’s schon mal gekracht.“ Schließlich gebe es Risse in der Holzkonstruktion der Orgel-Empore.

Pfarrer Garmaiers Fazit: „Mit ein bisschen Ausweißeln ist es da nicht mehr getan. Jetzt müssen wir’s gscheid machen.“ Schließlich sei Heilig Blut „eines der großen Juwele“ im Landkreis.

So lange bleibt die Kirche aber geschlossen: „Wir können sie nicht aufmachen. Die Gefahr ist zu groß, dass Stuckteile runterfallen.“ In den nächsten Monaten wird klar, wie viel die Sanierung genau kostet, sagt Heilmaier und meint: „Die Arbeit mit der Erzdiözese ist manchmal schwierig.“ Es brauche viele Voruntersuchungen, bis Geld für die Maßnahmen fließt. Außerdem stehe die Kirche nicht auf der Sanierungs-Prioritätenliste der Diözese, vermutet er: „Weil hier ja vor allem Hochzeiten stattgefunden haben“ – und weniger Gottesdienste.

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