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Raus aufs Erdbeerfeld heißt es für viele Selberpflücker, sobald es mal ein paar Stunden sonnig ist. Viele reife Früchte fanden die Kunden auf dieser Plantage zwischen Altenerding und Aufhausen.

Einbußen durch Dauerregen 

Warten auf den „bombastischen Sommer“

Erding – Auch wenn es ab heute besser werden soll, bisher ist der Sommer buchstäblich ins Wasser gefallen. Während etwa die Kinos gut besucht sind, beklagen Schwimmbäder und Eisdielen erhebliche Umsatzeinbußen. Ist der Rückstand überhaupt noch aufzuholen?

Giovanni Amagjekaj, Geschäftsführer des Eiscafés Fantasya an der Langen Zeile, beklagt sich „über 40 Prozent weniger Umsatz als 2015. Keiner schleckt gerne Eis, wenn es regnet.“ Darunter litten „vor allem der Straßenverkauf und das Geschäft auf der Terrasse“.

Ähnlich ist die Situation im Eiscafé Centro in Taufkirchen: „Wenn es regnet, geht keiner raus, das ist ganz klar“, klagt Inhaber Alexander Schubert. „Alle gastronomischen Betriebe sind davon betroffen, hoffentlich wird es bald wieder schöner.“

Diese Meinung teilt Christoph Krönauer, Inhaber des gleichnamigen Kaffeehauses in der Erdinger Innenstadt: „Jetzt darf es schon wieder besser werden. Unser Geschäft ist extrem wetterabhängig. Im Eisgarten und Straßenverkauf macht sich die Witterung stark bemerkbar. Das Kaffee- und Kuchengeschäft kann den Verlust zwar ein wenig abfedern, die verlorenen Tage lassen sich im restlichen Jahr jedoch kaum wieder reinholen.“

Ebenso betroffen von der aktuellen Wetterlage sind Biergarten-Wirte: „Es ist schon gravierend, wie die Besucherzahlen zurückgehen“, sagt Daniel Helmecke, Geschäftsführer des Hotels Erdinger Weißbräu. „Bei schlechtem Wetter verlagert sich das Geschäft nach drinnen, der klassische Brotzeitgast, der am Abend gerne draußen sitzt, bleibt jedoch aus.“

Gleiches Bild im Hunter Club (ehemals Schiaßn) am Volksfestplatz: „Der Zulauf im Biergarten ist derzeit nicht vorhanden“, bemerkt Geschäftsführer Torsten Neumann, „bei dem Wetter würde ich auch nicht vor die Tür gehen“. Gerade zum Public Viewing erwartet Neumann heuer zahlreiche Gäste. Er kann bei schlechter Witterung aber auf Plan B zurückgreifen: „Wir weichen einfach nach drinnen aus. Bis zu 200 Fans können sich hier die Spiele auf der Großbildleinwand ansehen.“ Bei den ersten beiden Vorrundenspielen der deutschen Elf „war die Hütte voll.“

Im Gegensatz dazu fand sich andernorts zur gleichen Zeit fast keine Menschenseele ein. „Wenn Deutschland spielt, geht kaum einer ins Kino“, weiß Veronika Fläxl, Geschäftsführerin des Cineplex Erding. Anders als die EM ist das Wetter für den Kinobetrieb derzeit ideal – „zwei gegenläufige Strömungen.“ Laut Fläxl „ist der Juni ohnehin ein eher schwacher Monat, da kommt der Regen gerade recht.“ Verantwortlich für hohe Besucherzahlen seien in der Regel allerdings „die Qualität der Filme und das Interesse der Gäste. Ist dies gegeben, spielt das Wetter eine untergeordnete Rolle“.

Eine große Rolle dagegen spielt das Wetter beim Baden unter freiem Himmel. Nur wenige Leute zieht es derzeit ins Freibad Erding. „Mit dem Juni sind wir nicht zufrieden“, berichtet Robert Maier, Chef der Stadtwerke-Freizeitanlagen. „Der Mai war mit 1000 Besuchern mehr im Vergleich zum Vorjahr ganz in Ordnung, der verregnete Juni lädt allerdings nicht gerade zum Baden ein.“

Das gleiche Bild im Waldbad Taufkirchen: „Wenn es regnet, kommt neben unseren 100 Stammgästen fast keiner“, sagt Betriebsleiter Ralf Alscher. Zumindest für den Rest der Saison hofft er „auf einen bombastischen Sommer wie 2015 mit täglich bis zu 3500 Badegästen“.

Zuversichtlich blickt auch Andreas Kögel, Betriebsleiter des Freibads Dorfen, in die Zukunft: „Der Sommer hatte einen mäßigen Start, aber irgendwann muss es ja besser werden“, sagt er optimistisch.

Auf eine positive Wetterveränderung kann Stefan Knoll gerne verzichten. Er ist Betriebsleiter im Bowling Castle Erding und hat bei Regen regen Zulauf. „Wir sind in den vergangenen Wochen großer Nutznießer des schlechten Wetters und freuen uns, im sonst eher ruhigen Juni, viele Gäste willkommen zu heißen.“

Weniger Kunden als sonst hat wiederum Gabi Ippisch zu verzeichnen. Sie betreibt, gemeinsam mit ihrem Mann Werner drei Erdbeerfelder in Halbergmoos, Notzing und Bockhorn. „Bei dem schlechten Wetter hält sich die Kundenzahl in Grenzen.“ Ebenso ist sie um die Qualität ihrer Früchte besorgt: „Wenn es weiter so viel regnet, werden die Erdbeeren matschig.“

Ähnliche Sorgen plagen Thomas Hupfer. Er hat Erdeerfelder in Taufkirchen und Erding. „Dauerregen ist einerseits schädlich für die Erdbeeren, andererseits bleiben die Kunden aus.“ Aktuell beklagt er „Einbußen von bis zu 60 Prozent. Ideal wäre ein trockenes Klima – sowohl für die Erdbeeren, als auch die Pflücker.“

Sebastian Bellstedt

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