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Über 100.000 Flüchtlinge haben seit Herbst 2015 den Warteraum Asyl im Erdinger Fliegerhorst durchlaufen. Nach einer kurzen Phase der Stilllegung kommen nun wieder rund 500 Asylsuchende pro Woche hier an.

Warteraum Asyl im Fliegerhorst

Kamen IS-Terrorverdächtige über Erding?

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Erding - Der Warteraum Asyl in Erding soll erste Anlaufstelle von IS-Terrorverdächtigen in Deutschland gewesen sein.

Mindestens einer der drei mutmaßlichen Terroristen des „Islamischen Staates“ (IS), die vorige Woche in Schleswig-Holstein festgenommen wurden, soll über den Warteraum Asyl Erding nach Deutschland gekommen sein. Das berichtet das Nachrichtenmagazin Spiegel. Das Bundesinnenministerium hält sich bedeckt.

Am Dienstag voriger Woche wurden bei einem Großeinsatz der Polizei, an dem auch die Spezialeinheit GSG 9 beteiligt war, drei Männer festgenommen. Sie lebten in einer Asylunterkunft in Großhansdorf. Die Bundesanwaltschaft verdächtigt die drei Syrer, Handlager des IS zu sein.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière erklärte danach, das Bundeskriminalamt habe Hinweise, dass das Trio Bezüge zu den Paris-Attentätern im vorigen Jahr gehabt habe. Es könnte sich um so genannte Schläfer gehandelt haben.

Nun sickerte durch, mindestens einer der drei Männer sei über den Warteraum Asyl im Erdinger Fliegerhorst auf deutschen Boden gekommen. Bei den anderen beiden sei es wahrscheinlich, dass sie sich ebenfalls vorübergehend im Camp Shelterschleife aufgehalten haben, so der Spiegel.

Dessen Recherchen zufolge kamen Ibrahim M., Mohamed A. und Mahir Al-H. als Flüchtlinge von Syrien zunächst nach Griechenland. Am 13. November 2015 sollen sie auf der Insel Lesbos erstregistriert worden sein – just an dem Tag, an dem IS-Terroristen in Paris 130 Menschen getötet hatten. Danach ging es weiter nach Deutschland. Am 7. Dezember seien sie in Boostedt (Schleswig-Holstein) erkennungsdienstlich behandelt worden sein – bezeichnenderweise noch nicht in Erding.

Das Trio soll erhebliche Anstrengungen unternommen haben, unentdeckt zu bleiben. Anfangs sei nur über Messenger-Dienste wie Viber und Skype kommuniziert worden, die verschlüsselt und deswegen von den Sicherheitsbehörden schwer zu überwachen seien. Über ein Sim-Karten-Handy, das ebenfalls kaum zu überwachen ist, hat laut Spiegel ein Kontakt zu einer „relevanten Person“ in der syrischen IS-Hochburg Rakka bestanden haben.

Auch Nachfrage unserer Zeitung erklärte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums, man könne den Bericht „weder bestätigen noch dementieren“ – im Polit-Deutsch nicht selten eine Floskel, um Fakten nicht bestätigen zu müssen.

Über den im Oktober 2015 in Betrieb genommenen Warteraum Asyl sind bislang über 100 000 Flüchtlinge ins Bundesgebiet gekommen. Ab dem Frühsommer wurde er wegen geschlossener Balkanroute stillgelegt. Seit September werden wieder Asylsuchende in den Fliegerhorst gebracht – 500 pro Monat im Rahmen eines EU-Abkommens mit Griechenland und Italien, um sie zu entlasten.

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