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Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger Anzeigers, sieht die zunehmenden Zahlen der Kirchenaustritte kritisch.

Kommentar

Augen auf beim Kirchenaustritt - man schadet damit dem Zusammenhalt der Gesellschaft

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Immer mehr Christen wenden sich von der Kirche ab - und treten aus. So verständlich der Frust über die Amtskirchen sein mag, Hans Moritz, der Redaktionsleiter des Erdinger Anzeigers, sieht das kritisch.

Knapp 370.000 Menschen sind 2017 bundesweit aus der evangelischen oder katholischen Kirche ausgetreten. Im Jahr darauf war es gut ein Viertel mehr. Experten sagen: Der Aderlass hält nicht nur an, er nimmt auch weiter zu. Die Gründe dafür sind vielfältig, zuletzt immer häufiger wegen der diversen Missbrauchs- und Finanzskandale. Nicht wenige wollen sich aber auch einfach die Kirchensteuer sparen.

Mit einem Kirchenaustritt schadet man auch Caritas und Diakonie

Das mag nachvollziehbar sein. Doch den meisten wird nicht bewusst sein, wie weitreichend ihre Entscheidung ist. Denn nur vordergründig bestraft man damit die Amtskirchen. Die sind nämlich auch Träger der größten Sozialverbände in Deutschland. Sie betreiben Schulen und Kindergärten, kümmern sich um Alte, Behinderte, Menschen in Not und Geflüchtete. Psychisch Kranken wird Halt geboten. Bei den Katholiken ist es die Caritas, bei den Protestanten die Diakonie.

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Was unsere Gesellschaft zusammenhält, ist jeden Euro wert

Wer der Kirche den Rücken kehrt, entzieht auch ihren mildtätigen Organisationen Mittel. Dabei sind die so wichtig. Ein Beispiel: Immer wieder sind es die kirchlichen Sozialstationen, die sich eines Pflegefalls annehmen, der von anderen Anbietern abgelehnt wurde. Caritas und Diakonie müssen keinen Gewinn erzielen, weil sie Spenden bekommen. Vor allem aber, weil sie die Kirche hinter sich haben.

Ja, es gibt viele Gründe, mit der verkrusteten, reformunwilligen und -fähigen Kirche zu hadern. Aber ehe man diesen Schritt geht, sollte jeder bedenken, dass das immer auch ein Schnitt in das Netz ist, das unsere Gesellschaft zusammenhält. Und das ist jeden Euro wert.

Hans Moritz

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