Ausgelassen und fröhlich war der Auftritt von LaBrassBanda im dampfigen Erdinger Stiftungszelt.
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Ausgelassen und fröhlich war der Auftritt von LaBrassBanda im dampfigen Erdinger Stiftungszelt. Archivfoto

3000 LaBrassBanda-Fans füllen das Bierzelt an einem Werktag

Kulturerinnerungen: „Was geht denn bei euch ab?!“

Die Band LaBrassBanda war 2014 in Erding. An einem Werktag. Und trotzdem war das Bierzelt voll. Aus unserer Serie Kulturerinnerungen.

Erding – Ich bin mir sicher, mindestens 2999 andere Personen werden mir gleich bei den folgenden Zeilen zustimmen: Ein unbeschwerter, sorgenfreier Konzertabend mit Tracht, guter Laune und Ohrwürmern von LaBrassBanda – was würde ich dafür im Moment geben! Wäre das schön in der aktuellen Zeit, die kaum besondere Ereignisse bietet, auf die man sich schon lange vorab freuen kann.

Definitiv ein solches Highlight, an das ich im Rahmen unserer Kulturerinnerungs-Rubrik gerne zurückdenke, war das Konzert von LaBrassBanda im September 2014 in Erding.

Im Rahmen ihrer Bierzelttour besuchte die bayerische Kultband, die immer barfuß auftritt, auch die Herzogstadt. Dafür blieb extra nach dem Herbstfest das Stiftungszelt einen Tag länger stehen. Der Andrang auf die Tickets war groß, das Zelt mit 3000 Fans gut gefüllt. Zwar habe ich damals schon für den Erdinger Anzeiger gearbeitet. Diesen Konzertabend konnte ich aber komplett privat genießen.

Die meisten Gäste – wie ich mit meinen Erdinger Freunden – kamen in Tracht. Das nicht ausschließlich junge Publikum war motiviert, wollte tanzen und feiern – obwohl es ein Montag war. Das hat wohl auch auf der Bühne für Eindruck gesorgt. Ich erinnere mich noch heute an den Facebook-Post der Band am Folgetag: „Fulminant war das gestern. Erding was geht denn bei euch ab?!“, schrieben sie damals.

Ein LaBrassBanda-Konzert sollte man mal erlebt haben. Ich habe es bereits viermal. Ganz egal, ob das kultige Circus-Krone-Gebäude, die riesengroße Olympiahalle oder eben das Erdinger Bierzelt – die sieben Männer bringen im wahrsten Sinne des Wortes jeden Saal zum Kochen – egal, wie groß er ist. Die unglaubliche Energie, Freude und gute Laune der Band überträgt sich immer sofort auf ihr Publikum.

Die Bandas mit ihrem Frontmann Stefan Dettl haben einen unverwechselbaren Stil geschaffen. Trompete, Tuba und Posaune werden kombiniert mit viel Bass und Schlagzeug – also zu einer Art bayerischer Reggae-Brass-Techno. Bei den rhythmischen Melodien kann absolut niemand still stehen. Dass Songtext und Instrumente live viel schneller sind als in der Studioaufnahme, ist ein typisches Merkmal der Bandas.

Beim Konzert im Erdinger Bierzelt ist die Stimmung natürlich viel persönlicher als in großen Hallen, man ist den Musikern näher. „Ringlbleame“, „VW Jetta“ oder „Autobahn“ gehören zu meinen Lieblingen, die bei allen super ankommen. Bei „Nackert“ war unter den Fans eine gewisse Wehmut zu spüren, weil die Bandas mit diesem Song nicht beim Eurovision Song Contest 2013 teilnehmen konnten. In Erding werden sie für ihren Ohrwurm umso mehr gefeiert.

Unvergesslich bleibt die spontan einstudierte, gemeinsame Choreo mit dem ganzen Publikum. Acht Schritte vor, acht Schritte zurück. Und es funktioniert. Das ganze Zelt macht mit, jeder muss sich bewegen.

Das unbeschreiblich schöne Live-Gefühl bei Konzerten vermisse ich aktuell sehr. Eigentlich hätte ich im Dezember LaBrassBanda zum fünften Mal gesehen. Gemeinsam mit der ebenso genialen österreichischen Band Seiler & Speer – vor allem bekannt für ihren Megahit „Ham kummst“ – wären sie in der Olympiahalle aufgetreten. Für diesen ausgefallenen Termin habe ich erst einmal einen Gutschein erhalten, was für mich auch in Ordnung ist.

Jeder sollte Verständnis haben, dass nicht sofort allen Kunden aller abgesagten Events das Geld zurückerstattet werden kann, denn Veranstaltern geht es seit einem Jahr miserabel. Hinzu kommt: Eine Besserung ist leider noch nicht in Sicht. Deswegen: geduldig sein. Wir alle wollen uns doch auch in der Zukunft noch an weitere schöne Konzerterlebnisse erinnern, so wie ich an LaBrassBanda.

Markus Ostermaier

Kulturerinnerungen

Es ist still geworden um die Kultur. Kino, Stadthalle, Jakobmayer – alle haben geschlossen. Und vermutlich werden sie nach dem Corona-Lockdown auch als letzte öffnen. Damit die Kultur nicht ganz in Vergessenheit gerät schwelgen wir in Erinnerungen. In loser Folge erzählen Redakteure und Reporter von ihren beeindruckendsten Konzerten, Kabarettabenden, Theater- oder Filmaufführungen im Landkreis.

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