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Ein Wanderer hat den abgestürzten Erdinger in einem Bach gefunden. 

Bergunfall an der Ostwand

Drama am Watzmann: Erdinger stürzt 50 Meter in die Tiefe - Wanderer findet nach zwei Wochen Leiche

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An der Watzmann-Ostwand hat sich Ende September ein Berg-Drama ereignet, bei dem ein 37-Jähriger aus dem Landkreis Erding tödlich verunglückte. Seine Leiche konnte lange nicht geborgen werden. Nun hat ihn ein Wanderer gefunden.

Update, 12. Oktober:

Ein Wanderer hat am Donnerstagnachmittag gegen 13.50 Uhr den am 30. September tödlich an der Eiskapelle abgestürzten Ostwand-Geher gefunden; sieben Einsatzkräfte der Berchtesgadener Bergwacht, ein Polizeibergführer der Alpinen Einsatzgruppe (AEG) und die Besatzung des Münchner Polizeihubschraubers „Edelweiß 5“ bargen die Leiche des seit elf Tagen vermissten Mannes. 

Der Mann war am Sonntag vor zwei Wochen gegen 6.30 Uhr auf dem Kederbacherweg in die Watzmann-Ostwand unterwegs und an der Eiskapelle in die Randkluft abgestürzt, als er vom Eis zum Felsen queren wollte. Die Bergwacht und ein Polizeibergführer versuchten noch, an den vermuteten Liegeort der Leiche zu gelangen, was jedoch wegen einer gewaltigen, instabilen Eisbrücke oberhalb des Einsatzorts lebensgefährlich war und deshalb abgebrochen werden musste. Dass die Einschätzung richtig war, bestätigte sich zwei Tage später, als ein Eisklotz in der Größe eines Wohnhauses abbrach und in die Randkluft stürzte.

Watzmann: Wanderer findet Abgestürzten in Bach

Am Donnerstag gegen 13.50 Uhr meldete dann ein Wanderer über Notruf, dass er im hinteren Bereich des Bachs in der unterhöhlten Eiskapelle einen Leblosen gefunden hatte. Vermutlich wurde der Mann aufgrund der warmen Witterung vom Schmelzwasser über weitere Felsabbrüche bis unter die Eiskapelle gespült. Ein AEG-Beamter bestätigte den Fund, woraufhin der tote Mann zusammen mit sieben Berchtesgadener Bergrettern aus dem Gefahrenbereich geborgen und dann per Winde mit dem Polizeihubschrauber aufgenommen und ausgeflogen wurde. Der Kriseninterventionsdienst (KID) der Bergwacht hatte sich während der vergangenen elf Tage intensiv um die betroffenen Angehörigen des Mannes gekümmert und unter anderem zusammen mit dem AEG-Beamten eine Verabschiedung an der Eiskapelle durchgeführt, wobei die BRK-Wasserwacht die Gruppe mit ihrem Rettungsboot über den See brachte.

Update, 5.10.18: Die Bergung des an der Watzmann-Ostwand abgestürzten Bergsteigers aus dem Landkreis Erding ist nicht möglich. „Es hilft nichts, wir müssen auf stabile Eisverhältnisse warten“, sagt Markus Leitner vom Bayerischen Roten Kreuz. Solange es so warm ist wie derzeit, sei das Risiko zu hoch, dass die Retter vom Eis verschüttet werden. Wann die Einsatzkräfte einen neuen Anlauf wagen können, ist noch völlig unklar.

Die Identität ist mittlerweile geklärt. Es handelt sich um einen 37 Jahre alten Familienvater aus einer Gemeinde im südlichen Landkreis. Dies bestätigte die Polizei auf Anfrage unserer Zeitung. Er ist verheiratet und hat zwei kleine Kinder. Zuletzt arbeitete der Mann bei einer Bank in Erding. Dort sorgte die Nachricht von dem Unglück für tiefe Betroffenheit. Für den 37-jährigen Familienvater gibt es kaum noch Hoffnung.

Erstmeldung vom Sonntag, 30.9.18

Berchtesgaden/Erding - Sein 38 Jahre alter Begleiter, der ebenfalls aus dem Raum Erding stammt, blieb unverletzt.

Nach Angaben der Polizei in Berchtesgaden hatten sich die beiden erfahrenen Bergsteiger gegen 5.30 Uhr vom Kederbacher Weg zur Watzmann-Ostwand begeben, um diese zu durchsteigen. Die laut Polizei hochalpine Fels- und Eistour führt im unteren Bereich der 2000 Meter hohen Wand über die Eiskapelle zu Felspassagen. Der Übergang von Eis zu Gestein gilt wegen unterhöhlter Bereiche als sehr riskant, zumal es tiefe Kluften gibt. Laut Polizei suchten die Bergsteiger eine Übergangsstelle, als plötzlich eine große Eisformation abbrach. Der 37-Jährige stürzte ungesichert etwa 50 Meter tief ab und war von seinem Begleiter nicht mehr zu sehen.

37-Jähriger stürzt am Watzmann in den Tod - Bilder der gefährlichen Suchaktion

Er alarmierte die Rettung. Die Bergwacht Berchtesgaden und die Polizei machten sich mit zwei Hubschraubern auf die Suche. Einer flog Bergematerial in die Nähe der Unglücksstelle. Das Problem: 50 Meter oberhalb der Retter hingen zirka 200 Kubikmeter Eis, von denen niemand wusste, wie stabil sie sind. Noch dazu taute es. „Wir konnten deswegen nicht zur möglichen Absturzstelle vordringen“, so ein Polizeisprecher. „Wir müssen davon ausgehen, dass er sofort tot war.“ Zwei Anläufe scheiterten. Gegen 12 Uhr wurde die Aktion abgebrochen.

Markus Leitner vom BRK Berchtesgadener Land berichtet, dass noch unklar sei, „wann wir denn nächsten Bergungsversuch starten können.“ Die darüber hängende Eisbrücke könne für die Retter lebensgefährlich sein. Der Kamerad des Toten wurde von den Einsatzkräften ins Tal geleitet.

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