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Erdings gute Stube: Noch kann man Schrannenplatz, Landshuter Straße und Lange Zeile befahren. 2020 wird sich das monatelang ändern.

Chance auf Verkehrsberuhigung

Erdinger Innenstadt 2020 monatelang gesperrt

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Es stehen Bauarbeiten bevor. 2020 wird die Landshuter Straße bis zur Sparkasse gesperrt. SPD und Grüne wollen das nutzen, um neue Konzepte auszuprobieren.

Erding – Die Erdinger Innenstadt wird 2020 zum Nadelöhr. Auslöser dafür sind Bauarbeiten des Abwasserzweckverbandes (AZV) am Schrannenplatz und an der Landshuter Straße. Die Zufahrt zwischen Sparkasse und Modehaus Kraus wird wohl monatelang dicht sein. Für SPD und Grüne ein willkommener Anlass, laut über das Thema Verkehrsberuhigung in der Innenstadt nachzudenken.

Das riesige Überlaufbecken des AZV, das unter der Straße am Schrannenplatz liegt, sei sanierungsbedürftig und werde 2020 erneuert, erklärte Stadtsprecher Günther Pech auf Nachfrage. Im Zuge der Arbeiten wolle der AZV auch den Abwasserkanal an der Sparkasse entlang bis zur Langen Zeile hin gleich mit erneuern.

Start im März 2020

Im März 2020 soll damit begonnen werden, so ein erster Zeitplan. Weil ohnehin schon gesperrt ist, könnte die Stadt zeitgleich den geplanten Tunnel zwischen dem Rathaus und dem gegenüber liegenden Neubau an der Landshuter Straße in Angriff nehmen. „Bis spätestens Dezember 2020 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein“, so Pech.

Das bedeutet: Der Innenstadtbereich rund um den Schrannenplatz wird vom Kraus-Eck bis zum Schönen Turm für den Verkehr monatelang komplett gesperrt. Das hat auch Auswirkungen auf die Lange Zeile. Sie ist in dieser Zeit nur von Norden, also von der Straße Am Gries aus erreichbar. Ob Erdings Einkaufsmeile auf Höhe der Sparkasse zur Sackgasse wird oder ob es eine Einbahnstraßenregelung geben wird, ist noch nicht entschieden.

Wird die Innenstadt ruhiger?

„Wir sollten die Baustelle 2020 dazu nutzen, die Innenstadt ruhiger zu machen“, findet Horst Schmidt, SPD-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat. Er verliert auch die seit Jahren diskutierte Fußgängerzone nicht aus dem Blick, will hier aber eine gemeinsame Linie von Anwohnern, Nutzern und Geschäftsleuten finden. „Es geht nicht, nur zu sagen: ,Wir sperren zu.‘“ Seniorenreferentin Jutta Harrer (SPD) will keine Kompromisse: „Ich bin seit 20 Jahren Verfechterin einer Fußgängerzone.“ Die Angst der Händler vor Umsatzeinbußen dadurch kann Harrer nicht verstehen: „Geschäftsleute, die auf drei Parkplätze vor der Tür angewiesen sind, tun mir leid.“ SPD-Senior Horst Potempa greift die alte Test-Idee von OB Max Gotz aus dem Jahr 2008 auf und fordert „wenigstens den Versuch, am Wochenende zuzumachen, damit diese ganzen Potenz-Bürscherl nicht ständig auf- und abfahren“.

Die Erdinger Grünen unterstützen jeden Versuch, den Verkehr in der Innenstadt zu verringern. Sie wollen die Gelegenheit durch die Bauarbeiten nutzen, die Landshuter Straße und den Schrannenplatz langfristig von motorisiertem Verkehr freizuhalten, schreibt Vorstandsmitglied Doris Kraeker in einer Pressemitteilung. „Danach wäre es ausreichend, nur Busse und Lieferverkehr zuzulassen, damit alle Verkehrsteilnehmer sich gerne hier aufhalten“, so Erdings Grünen-Sprecher Robert Bundt. Fahrzeuge für Menschen mit Behinderung müssten natürlich ebenso zugelassen werden.

„Shared Space“: Gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer

Der Verkehr in der Langen Zeile könnte nur in einer Richtung fließen und dadurch reduziert werden, so die Grünen weiter. Langfristig können sich die Grünen ein „Shared Space“-Konzept vorstellen, bei dem sich alle Verkehrsteilnehmer die Straße gleichberechtigt teilen und aufeinander Rücksicht nehmen müssen. „Überall, wo den Fußgängern und Radfahrern mehr Platz gegeben wird, wird die Qualität des Aufenthalts für alle besser. Es kommen dann mehr Menschen in die Lange Zeile, und sie bleiben länger,“ ist Kraeker überzeugt.

Ideen für eine Verkehrsreduzierung hat auch die SPD. Schmidt findet, dass langfristig autonome Elektrobusse durchaus Sinn machen würden. Oder große Parkplätze am Stadtrand, von wo aus Besucher und Kunden per Shuttlebus ins Zentrum gebracht werden. Harrer gefallen Bürgerbusse, die von ehrenamtlichem Engagement getragen werden.

Schmidt ist optimistisch, denn: „Es gibt im Stadtrat mehr Bereitschaft, über die Verkehrsberuhigung zu diskutieren.“

Gabi Zierz

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