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Aufmerksame Zuhörer hatte Weihbischof Bernhard Haßlberger an der Mädchen realschule Heilig Blut.

Weihbischof Haßlberger in Mädchenrealschule

Mit Offenheit gegen den Vertrauensverlust

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Die Kirche steht in der Kritik: Eine Studie hat ergeben, dass viele Bayern ihr nicht mehr vertrauen. Weihbischof Bernhard Haßlberger will das ändern. In der Erdinger Mädchenrealschule sprach er über Schwachstellen des Systems wie Missbrauchskandale,Kirchenfinanzen oder das Zölibat.

Erding – Er darf weder heiraten noch eine Familie gründen. „Das Zölibat ist nicht die normale Lebensform“, gab Weihbischof Bernhard Haßlberger (71) im Gespräch mit rund 90 Schülerinnen aus drei zehnten Klassen der Erdinger Mädchenrealschule zu. Sie durften den Bischof, der vor allem bei Firmungen zwischen München und Freising unterwegs ist, Löcher in den Bauch fragen – und dabei nahm er seine katholische Kirche selbst kritisch unter die Lupe.

Haßlberger ist durchaus bewusst, dass die Kirche heutzutage in der Kritik steht. Vor kurzem hat eine Studie im Auftrag der Hanns-Seidel-Stiftung aufgezeigt, dass die Bayern mehr Vertrauen in Parteien und Medien haben als in die Kirchen. Woran das liegt? „Wahrscheinlich an den Missbrauchsskandalen – zum Beispiel bei den Domspatzen – und an den Finanzkandalen der Kirche“, antwortete er kurz. Aber um die Kirche wieder beliebter zu machen, könne Papst Franziskus ein Vorbild für die Pfarrer sein, „weil er ehrlich und bescheiden ist und die richtigen Themen unserer Zeit anspricht“: zum Beispiel das Zölibat.

Auf die Frage einer Schülerin, ob Weihbischof Haßlberger denn nie eine Frau oder Kinder haben wollte, sagte er nachdenklich: „Das Zölibat begleitet einen ein Leben lang.“

Haßlberger erwartet ein Ende des Zölibats

Als er als junger Pfarrer zum Beispiel seinen Bruder traute und später dessen Kinder taufte, habe er sich immer wieder gedacht: „Das könntest du jetzt auch haben.“ Jetzt ist Haßlberger 71 Jahre alt und denke sich manchmal: „Enkelkinder – das hättest du auch haben können.“ Doch er hat sich für einen anderen Weg entschieden, schon in der achten Klasse habe er gewusst: „Ich will Pfarrer werden.“ Diese Entscheidung habe er nie bereut, und er prognostizierte für die Zukunft: „Vielleicht oder wahrscheinlich kommt es schon so, dass das Zölibat abgeschafft wird.“

In anderen Punkten äußerte sich Haßlberger in der Gesprächsrunde weniger liberal, als eine Zehntklässlerin zum Beispiel fragte, wie die Kirche Homosexualität sehe. „Man muss Homosexuellen mit Wertschätzung und Respekt begegnen“, sagte Haßlberger. Aber die Ehe für alle sei ein kritischer Punkt. Denn für die Kirche sei die Ehe eben eine Verbindung zwischen Mann und Frau. Außerdem wolle er gegen Abtreibung kämpfen, denn: „Leben muss geschützt werden“ – und der Mensch dürfe nicht darüber bestimmen.

Manche junge Menschen würden da anders denken, sagte Haßlberger. Doch die Kirche müsste an anderen Stellschrauben drehen, um ihr Vertrauen zu gewinnen: Missbrauchsskandale wie zum Beispiel bei den Regensburger Domspatzen vermeiden und die Finanzen der Kirche offen darlegen: „Wir müssen zeigen, wie viel Geld wir haben und wofür wir es ausgeben.“ Auch der Einsatzort Schule sei eine Möglichkeit, sich als Kirche beliebt zu machen: „Und ich tu da, was ich kann“, sagte der Weihbischof und lächelte.

Außerdem möchte er von den Jugendlichen hören, was ihre Sorgen und Nöte sind. Und mit seiner offenen Art kam er gut an: Als er den Schülerinnen zum Beispiel erzählte, dass er in seinen Faschingsferien zum Skifahren geht oder im Sommer mit dem Mountainbike die Forstwege herunterbrettert. Ein ganz normaler Mensch also, der Bischof, ehrlich und offen für alle Themen. Vielleicht eine Lösung, um das Vertrauen in die Kirche wieder zurückzugewinnen.

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