Ein Vierteljahrhundert beim Erdinger Weißbräu: Technik- und Personalgeschäftsführer Peter Liebert geht an diesem Wochenende in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist Dr. Stefan Kreisz. Foto: Erdnger Weißbräu

Weißbräu-Geschäftsführer Peter Liebert geht in Ruhestand – Brauerei am Weltmarkt etabliert

Hopfen und Malz sind seine DNA

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Beim Erdinger Weißbräu geht eine Ära zu Ende: Technik-Geschäftsführer Peter Liebert geht an diesem Wochenende in den Ruhestand.

Erding – „Irgendwann landet jeder beim Erdinger Weißbier“ lautete mal ein Werbeslogan des Weißbräu. Das trifft auch auf Peter Liebert zu. Über den Schwarzwald und Dänemark kam er 1996 in das Unternehmen und stieg dort zum Geschäftsführer für Technik und Personal auf. Nach 25 Jahren geht er zum 1. Mai in Pension. Sein Nachfolger ist bereits im Amt – Dr. Stefan Kreisz.

Liebert ist gebürtiger Biberacher, was man ihm mit jeder Silbe anhört. Sein Dialekt klingt ein bisschen nach Jogi Löw. Doch seit 25 Jahren lebt der Vater dreier erwachsener Kinder in Dorfen.

Brauwesen in die Wiege gelegt

Das Brauwesen wurde dem 65-Jährigen in die Wiege gelegt. Er ist Braumeister in der fünften Generation, aufgewachsen in der elterlichen Jehle-Brauerei, wo sein Vater auch Geschäftsführer war. Lieberts erste Station war die Alpirsbacher Klosterbrauerei im Schwarzwald. Dort erlernte er den Beruf des Brauers. Danach fuhr er als Marinesoldat zwei Jahre zur See. Aber die Entscheidung, die väterliche Tradition fortzuführen, stand fest.

In Weihenstephan studierte Liebert Brauwesen. Von dort wäre es nur ein Katzensprung nach Erding gewesen. Doch Liebert ging erst zur Brauerei Höpfner nach Karlsruhe. Nicht lange, denn es zog ihn ins Ausland. Bei einer dänischen Brauerei war er als Direktor gefragt. „Das war damals keine einfache Entscheidung“, erinnert sich Liebert, „unser erstes Kind war gerade sechs Wochen alt.“

Zehn bewegte Jahre in Dänemark

Zehn Jahre erlebte Liebert eine, wie er sagt, „bewegte Zeit“. Den Ausstoß kurbelte er von 300 000 auf 1,8 Millionen Hektoliter pro Jahr an. Dazu erweiterte er das Imperium der Harboes-Brauerei mit Sitz in Skaelskör um zwei Standorte in Estland und Mecklenburg-Vorpommern. Dort ließ Liebert eine Braustätte auf der grünen Wiese bauen. „Ich musste zum Teil im Auto schlafen, weil es nach der Wende dort noch gar keine richtige Hotelstruktur gab.“

Nach einem Jahr als Geschäftsführer einer Mälzerei in Andernach ereilte ihn der Ruf nach Erding. Inhaber Werner Brombach suchte einen Technischen Direktor. Am 1. Mai 1996 trat Liebert seinen Dienst an der Franz-Brombach-Straße an. Exakt drei Jahre später stieg er zum Geschäftsführer auf. Zuletzt verantwortete er die Bereiche Technik, Logistik, Personal und Einkauf.

Dorfen wurde Peter Lieberts neue Heimat

Bei der Entscheidung für Erding spielte seine mittlerweile auf drei Kinder angewachsene Familie eine wichtige Rolle. „Wir haben uns überlegt, wie es weitergeht, und wir wollten, dass die Kinder in ihrem Heimatland in die Schule gehen“, erinnert er sich. In Dorfen fanden er, seine Frau, mit der er 38 Jahre verheiratet ist, und seine heute 29, 34 und 36 Jahre alten Kinder eine neue Heimat.

An der neuen Position wartete gleich eine Herkulesaufgabe auf Liebert: „Es war die Zeit, in der alkoholfreie Biere ein enorm schlechtes Image hatten.“ Bei Erdinger entdeckte man früh, dass auch alkoholfreie Biere isotonische Getränke sind, die damals bei Sportlern groß in Mode waren. „Wir haben uns gedacht, das können wir auch, noch dazu nach dem Reinheitsgebot hergestellt. Aus rein natürlichen Zutaten und mit bierigem Geschmack, eben eine Alternative zu den pappsüßen und künstlichen Sportgetränken“, erzählt der scheidende Geschäftsführer.

Pionier beim alkoholfreien Bier als Sportlergetränk

Erdinger investierte stark in die Forschung, stellte mehrere international beachtete Studien an. „Es war bekannt, dass Marathonläufer nach Wettkämpfen häufig an Atemwegserkrankungen leiden, weil das Immunsystem ausgereizt war. Bier enthält Polyphenole, die gut gegen diese Infekte wirken.“ Die Brauerei unternahm ein wissenschaftliches Experiment, bei dem 400 Ausdauersportler täglich einen Liter alkoholfreies Bier tranken. Mit Erfolg: Die Krankheitsfälle gingen zurück.

Heute ist Erdinger Alkoholfrei eines der Flaggschiffe der Brauerei, im Team Erdinger Alkoholfrei sind mehrere Spitzenathleten, darunter Triathleten und Biathleten, und rund 5000 Freizeitsportler aktiv. Eine der bekanntesten Markenbotschafterinnen ist Biathlon-Königin Magdalena Neuner.

In Lieberts Ära wurde Erdinger zum Global Player

In Lieberts Amtszeit wuchs Erdinger zu einer international bekannten Marke mit zwölf Sorten Weißbier, die zwar weltweit ausgeschenkt werden, aber alle in Erding gebraut werden. Unter anderem war Liebert an der Entwicklung der Ur- und der Schneeweiße, des Champ und der Zitrone-/Grapefruit-Mischgetränke beteiligt.

Liebert ist auch ein Verfechter der Bayerischen Edelreifung, die Flaschengärung, wie sie nur in wenigen Brauereien angewendet wird. „Das ist ein ganz besonderes Qualitätsmerkmal“, versichert der 65-Jährige. Denn so komme der Geschmack der Hefe am besten zur Geltung. Allerdings verzeihe dieses Verfahren nicht den kleinsten Fehler und erfordere höchste Hygienestandards.

Im vergangenen Vierteljahrhundert ist Erdinger mächtig gewachsen, zuletzt um zusätzliche Gärtanks und eine hochmoderne Abfüllanlage. Die Zahl der Mitarbeiter stieg in dieser Zeit von 360 auf 550. Die Handschrift des Geschäftsführers tragen aber auch das moderne Besucherzentrum und der Schalander, die Kantine beziehungsweise Gastronomie auf dem Brauereigelände.

Die Reisen mit Werner Brombach bleiben unvergessen

Was wird ihm an Zwischenmenschlichem in Erinnerung bleiben? „Vor allem die Reisen mit dem Chef um die ganze Welt“, sagt Liebert schmunzelnd. Ob neue Länder, neue Kunden, neue Lokale, Werner Brombach (81) macht sich immer selbst ein Bild – unermüdlich und detailverliebt. Aber auch die große Weißbräu-Familie schätzt Liebert.

Umso mehr schmerzt es ihn, dass Corona seine Abschiedsfeier zumindest vorerst verhindert. Sein Abgang erfolgt pandemiebedingt in einer der schwersten Krisen, die Erdinger durchleben musste. Doch der Geschäftsführer ist zuversichtlich: „Wir sind wirklich sehr gut aufgestellt. Weil wir einen guten Mix aus Gastronomie und Handel haben, trifft uns das Wegbrechen des Fassbierabsatzes zwar hart, aber nicht existenzgefährdend wie viele kleine Brauereien.“

Jetzt geht‘s auf die Jagd und zum Golfen

Natürlich blicke er dem Abschied wehmütig entgegen. Langweilig werde ihm aber nicht, er ist leidenschaftlicher Jäger und Golfer. Auch wenn die Liebertsche Brauertradition nach fünf Generationen endet, seine Tochter begründet die sechste Jägergeneration. Zuversichtlich ist er, weil er mit Stefan Kreisz einen hochkompetenten Nachfolger hat, der das Unternehmen seit Jahren kennt und sich die Aufgaben zuletzt mit Liebert geteilt hat.

ham

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