Waldarbeit mit Motorsäge
+
Im Erdinger Nordwesten hat nicht nur die Stiftung, sondern auch die Stadt Erding Bäume gefällt. Die Umweltschutzbehörde erfuhr erst hinterher davon.

Wende im Streitobjekt Stiftungs-Reiterhof in Erding

Fällaktion: Auch Stadt hatte keine Erlaubnis

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
    schließen

Die Abholzaktion am Reiterhof der Fischer’s Stiftung an der Dachauer Straße entwickelt sich zur Politposse. Denn auch die Stadt Erding hat sich nach Auffassung der Unteren Naturschutzbehörde formal nicht korrekt verhalten – und zwar beim Bau des Kreisverkehrs an der Kaufland-Kreuzung.

Erding – Dabei hatte OB Max Gotz im November die Stiftung scharf kritisiert, dass zur Freimachung des Baufeldes in dem künftigen Gewerbegebiet zahlreiche Bäume gefällt und Gehölze sowie Hecken entfernt worden seien, ohne vorab eine Artenschutzprüfung durchzuführen. Der Vorwurf: Es könnten ein Biotop und eine ökologische Ausgleichsfläche teils irreversibel beschädigt worden sein.

In der Jahrespressekonferenz berichtete Martin Bayerstorfer nun im Beisein von Stiftungsgeschäftsführer Matthias Vögele, dass diese für die Fällaktion keine Erlaubnis benötigt habe, da es in der Kreisstadt keine Baumschutzverordnung gebe.

„Wir haben die artenschutzrechtliche Prüfung inzwischen nachgeholt. Die Bäume waren ja noch da“, versicherte Bayerstorfer. „Die Frage war, ob Rückzugsorte von Fledermäusen zerstört worden sind. Wir haben aber keine Nester oder Ähnliches gefunden.“ Beim Biotop habe es sich mit unter 300 Quadratmetern um eine sehr kleine Fläche gehandelt, bei der laut Bayerstorfer hinzukommt, „dass diese durch den jahrzehntelangen Betrieb des Reiterhofs sukzessive beeinträchtigt beziehungsweise verändert wurde, sodass das als Hecke deklarierte Biotop zum Zeitpunkt der Rodung in seiner ursprünglichen Qualität gar nicht mehr vorhanden war“.

Bei der Ausgleichsfläche handelt es sich laut Kreisbehörde um eine „private Grünfläche außerhalb des Baulandes“. Im Bebauungsplan sei diese „als Ausgleichsfläche augenscheinlich nicht enthalten“. Hinzu komme, dass sich der Bewuchs „durch nicht sachgerechte Pflege“ deutlich erhöht habe. Der Bebauungsplan sehe deutlich weniger Bäume und Sträucher vor.

Und dann drehte Bayerstorfer, der auch Vorsitzender der Stiftung ist, den Spieß um. „Bei der Ortseinsicht wurde festgestellt, dass die Stadt Erding für den Neubau des Kreisverkehrs in unmittelbarer Nähe zum Stiftungsgut ebenfalls eine Baumentnahme vorgenommen hat, ohne vorab die Untere Naturschutzbehörde offiziell an einem entsprechenden Verfahren zu beteiligen“, stellte der Landrat klar. Er kommt zu dem Schluss, dass die Stiftung die artenschutzrechtliche Prüfung zwar versäumt habe, dadurch aber keine Schäden entstanden seien. Anders formuliert: Die Prüfung hätte zu keinem anderen Ergebnis geführt.

Auf der Fläche möchte die Edeka-Tochter Wünsche eine Backfabrik errichten. Die Verträge sind dem Vernehmen nach frisch unterzeichnet. ham

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare