Gemeinsames Buchprojekt: Heimatautorin Roswitha Gruber beim Interview mit Ursula Muschal und Tochter Annemarie Karl (v. l.). Weil alle drei schon geimpft sind, klappt so ein Termin auch ohne eine Maske.
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Gemeinsames Buchprojekt: Heimatautorin Roswitha Gruber beim Interview mit Ursula Muschal undTochter Annemarie Karl (v. l.). Weil alle drei schon geimpft sind, klappt so ein Termin auch ohne eine Maske.

Nach Porträt in der Heimatzeitung: Autorin Roswitha Gruber schreibt ein Buch über Ursula Muschal (97)

Wenn das Leben zum Roman wird

  • VonGerda Gebel
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Ein Buch über die eigenen Lebenserinnerungen herauszubringen – das schaffen meist nur Promis. Dank eines Artikels in der Heimatzeitung wird nun auch die Kletthamerin Ursula Muschal (97) zur Hauptdarstellerin in einem Roman über ihr Leben.

Erding – Als der Telefonanruf kam mit dem Ansinnen, ein Buch über das Leben ihrer Mutter zu schreiben, dachte Annemarie Karl aus Klettham zuerst an einen Spaßanruf. „Ich war total überrascht und hatte den Eindruck, die Frau am Telefon will uns auf den Arm nehmen“, erzählt sie schmunzelnd.

Bei der Frau am Telefon handelte es sich um Roswitha Gruber aus Reit im Winkl, eine bekannte Heimatautorin, die mit ihren bisher veröffentlichten 37 Romanen eine Gesamtauflage von über 400 000 Büchern erreicht hat. Doch wie war sie auf Ursula Muschals Geschichte gestoßen? „Einer meiner größten Fans lebt in Dorfen. Die Annemarie hat mir den Zeitungsausschnitt aus der Serie ,Mein Leben‘ vom 5. Februar zugeschickt, weil sie dachte, das könnte mich interessieren“, erzählt die 81-jährige Roswitha Gruber.

Die Volksschullehrerin im Ruhestand hat sich erst im Alter von 50 Jahren den Lebenstraum vom eigenen Buch erfüllt und versorgt ihre treue Lesergemeinde jedes Jahr mit zwei bis drei neuen Büchern. „Meine Romane spielen immer im bäuerlichen Milieu, meist in Bayern, Österreich, Südtirol oder der Schweiz“, erklärt die versierte Autorin. Als Grundlage ihrer Bücher dienen die Erzählungen von ganz normalen Senioren, die Roswitha Gruber genauestens befragt. „Mittlerweile treten schon viele Menschen per Telefon, Brief oder persönlich an mich heran mit dem Wunsch, doch ihre Geschichte in einem Roman zu verarbeiten“, verrät die Heimatautorin, die bei Weitem nicht alle Anfragen annehmen kann.

Wenn also Gruber mit ihrem Fragenkatalog und einem Satz Bleistifte zum Interview anreist, wird es ernst für die Hauptdarstellerin, die nun tief in ihre Jugendzeit eintauchen soll. Für eine möglichst detailgenaue Geschichte sind exakte Infos nötig – zum Elternhaus, dem Viehbestand, der Familie mit Geschwistern und Großeltern, dem Schulbesuch und der ersten Liebe.

„Obwohl die Bücher als Romane auf den Markt kommen, bleibe ich hart an der Realität, im Zweifel lasse ich dann eher etwas weg, was sich nicht mehr genau herausfinden lässt“, erklärt Gruber. Um die Familie zu schützen, werden auf Wunsch die Namen der Darsteller verändert, denn „manche Fans pilgern wirklich zu den im Buch genannten Orten“, wie die Schriftstellerin berichtet.

Für die 97-jährige Muschal – sie wird am 25. Mai 98 Jahre alt – und ihre Tochter Annemarie Karl (65) heißt es nun, intensiv in den Erinnerungen wühlen, um Erlebnisse und Geschichten aus den vergangenen fast 100 Jahren auszugraben. Bis die Autorin die vielen kleinen Puzzleteile zu einem fertigen Roman verarbeitet hat, wird noch einige Zeit vergehen, doch bereits beim Interview tauchen Details auf, die sogar der Tochter bis dahin unbekannt waren.

„Das ist schon aufregend“, meint Muschal, und auch die ganze Familie mit Kindern, Enkeln und Urenkeln ist gespannt auf die gedruckten Erinnerungen der „Urli“. Vielleicht kann Muschal an ihrem 100. Geburtstag das „Buch ihres Lebens“ in den Händen halten.

Gerda Gebel

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