Wespen- und Hornissennester 

Nur bei unmittelbarer Gefahr ein Fall für die Feuerwehr

Sie sind klein, schwarz-gelb gestreift und können richtig aufdringlich werden: Wespen. Bauen die Insekten dann auch noch ihr Nest im oder am Haus, ist die Ratlosigkeit oft groß.

Landkreis– Für manch einen mag das die einzige Lösung sein: Bei Wespen würden viele am liebsten zu Gift greifen. Tun sollte man das freilich nicht, denn bestimmte Wespenarten stehen ebenso unter Artenschutz wie Bienen und Hornissen. Ein Vergehen an den Tieren oder deren Brutstätte steht unter Strafe.

Doch wie soll man sich verhalten, wenn diese Tiere ihr Nest in Rollokasten & Co. gebaut haben? Viele Bürger wenden sich in einem solchen Fall an die örtliche Feuerwehr. Doch diese ist dafür nicht zuständig, sagt Rudolf Hohenadel, hauptamtlicher Gerätewart bei der Freiwilligen Feuerwehr Dorfen. „Wenn, dann rücken wir nur bei städtischen Gebäuden wie einem Kindergarten aus“, berichtet der 49-Jährige.

„Die Feuerwehr ist zur Entfernung eines Nestes nur in Ausnahmefällen zur Abwehr unmittelbarer Gefahren für Leben und Gesundheit zuständig“, erklärt dazu der Landesfeuerwehrverband Bayern. Das bestätigt Michael Hausner, hauptamtlicher Fahrzeugmeister der Altenerdinger Wehr. Er erklärt, dass die Aktiven nur bei Gefahr im Verzug ausrücken. Das hänge von dem Standort des Nests ab oder ob ein Allergiker im Haus ist. Am besten solle eine solche Allergie dann nachgewiesen werden. Hohenadel: „Gefahr im Verzug ist nämlich so eine Sache. Die Tiere bauen ihre Nester ja nicht von heute auf morgen.“ Dementsprechend könne schon vorbeugend gehandelt werden.

Wie das aussehen kann, erklärt Dr. Susanne Richardson. Die 52-Jährige ist ehrenamtliche Wespen- und Hornissenberaterin und empfiehlt, bereits im Frühjahr vorsorglich alle dunklen Hohlräume zu verschließen oder ein paar Tropfen Nelkenöl mit Alkohol zu verdünnen und die Flächen damit zu besprühen. Aufgrund des intensiven Geruchs würden die Tiere diese Orte als Nistplätze meiden.

Überreifes Obst als Ablenkung

Der Wartenberger Kommandant Martin Stöckl (43) erklärt, dass die Feuerwehr eigentlich gar nicht mehr ausrücken dürfe. Dafür gebe es Spezialfirmen, an die man Anrufer mit entsprechenden Sorgen grundsätzlich verweise – bei Bienen auf den Imker, bei Wespen auf fachlich ausgebildete Insektenbekämpfer im Umkreis beziehungsweise auf das Internet oder die Gelben Seiten.

„Wir nennen absichtlich keine Firmen, damit uns keine Zusammenarbeit nachgesagt wird“, erklärt Dominik Halbritter, Kommandant der Feuerwehr Eicherloh. Die Kameraden aus Altenerding hingegen verweisen Anrufer laut Hausner an die Firma Wespenbeseitigung Brandl in Dorfen.

Das Unternehmen führt Tobias Brandl nebenberuflich. Der 34-Jährige erklärt, auch er rücke generell nur bei Gefahr an. „Das kann auch bedeuten, dass sich kleine Kinder in der Nähe aufhalten“, wird er konkreter. Beseitigt werden dürfe nur ein Nest mit Tieren, die nicht unter Artenschutz stehen. Für Hornissen etwa brauche man die Einverständnis der Unteren Naturschutzbehörde, ebenso für gefährdete Wespenarten. Um diese Erlaubnis müsse der Betroffene sich allerdings selbst kümmern, sagt Brandl.

Stöckl von der Feuerwehr Wartenberg weiß, diese Genehmigung werde nur sehr selten ausgestellt. Er selbst findet das auch gut so, da Hornissen friedliche Tiere seien, die nur angreifen würden, „wenn ich stark dagegen arbeite“.

„Egal ob Bienen, Wespen oder Hornissen – länger als einen Sommer muss die Kolonie sowieso nicht ertragen werden, denn die Königin kehrt im nächsten Jahr nicht mehr in ihr altes Nest zurück und dann ist die Entfernung ein Kinderspiel“, beteuert Richardson. So lange müsse man eben mit den Tieren zusammenleben. Und dafür gebe es Tricks: „Gegen Wespen am Tisch hilft gut, eine Ablenkungsfütterung mit überreifem Obst in zehn Metern Entfernung aufzubauen“, rät die Sonnendorferin. Vor Wespenfallen mit Getränken warnt sie jedoch: Der Tod sei für die Tiere sehr qualvoll und es würden auch andere Tiere wie Schmetterlinge getötet. Ebenso rät sie von Vernichtungssprays ab, da diese teilweise auch für den Menschen schädliche Stoffe enthalten würden.

Laut Richardson muss man hierzulande generell zwischen vier Wespenarten unterscheiden. Feldwespe und Sächsische Wespe seien eher menschenscheu, bauten kleinere, freihängende Nester, nicht am Haus, und würden eigentlich nicht stechen. Diese beiden Arten seien spätestens Anfang September nicht mehr anzutreffen. Anders Deutsche Wespe und Gemeine Wespe: „Sie werden von April bis November am Gartentisch lästig“, so Richardson.

Anpusten und Schlagen vermeiden

Die sogenannten Dunkelhöhlenbrüter würden sich gerne in dunklen Ecken am Haus einnisten. Besonders beliebt: Rolladenkästen. Dabei könnten in einem Nest bis zu 7000 Tiere unterkommen.

Hornissen seien im Vergleich dazu ruhiger und friedlicher. Sie würden schlechter sehen und seien somit aufdringlicher, was aber nicht als Angriff zu werten sei. Anpusten und Schlagen könne sowohl auf Wespen als auch auf Hornissen bedrohlich wirken und sei daher zu vermeiden, rät die Expertin. Besser seien ruhige Bewegungen.

„Wespen und Hornissen – Lästige Plagegeister oder nützliche Insekten?“ Diesem Thema widmet sich Dr. Susanne Richardson am Mittwoch, 20. September, ab 19 Uhr in der Volkshochschule Erding. Anmeldung unter Tel. (0 81 22) 97 87-0 oder per E-Mail an info@vhs-erding.de.

Von Franziska Böhm

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