Der WBV-Vorstand (vorne, v. l.): 2. Vorsitzender Konrad Empl, Vorsitzender Rainer Mehringer, 3. Vorsitzender Martin Gruber; (hinten, v. l.) Kassenprüfer Anton Kaltenbrunner, die Beisitzer Valentin Vorbuchner, Elisabeth Rackl und Rupert Hutterer, Vize-Landrat und Wahlleiter Franz Hofstetter sowie Kassenprüfer Franz Obermeier.
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Der WBV-Vorstand (vorne, v. l.): 2. Vorsitzender Konrad Empl, Vorsitzender Rainer Mehringer, 3. Vorsitzender Martin Gruber; (hinten, v. l.) Kassenprüfer Anton Kaltenbrunner, die Beisitzer Valentin Vorbuchner, Elisabeth Rackl und Rupert Hutterer, Vize-Landrat und Wahlleiter Franz Hofstetter sowie Kassenprüfer Franz Obermeier.

Waldbesitzervereinigung Erding kämpft an vielen Fronten – und wirtschaftet gut

Wildverbiss, Borkenkäfer, Holzmarktkrise

  • Gabi Zierz
    VonGabi Zierz
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Erding - Klimawandel, Wildverbiss, Holzpreise: Die Waldbesitzervereinigung Erding hat an vielen Fronten zu kämpfen. Das tut sie durchaus mit Erfolg.

„Die Zeichen der Zeit stehen auf Sturm.“ Mit diesen Worten stimmte Rainer Mehringer, wiedergewählter Vorsitzender und auch Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung (WBV) Erding, am Freitag den 1600 Mitglieder starken Verein auf die nächsten fünf Jahre ein. Den Klimawandel und dessen Folgen für die heimischen Wälder im Blick, erklärte er: „Unser Schwerpunkt muss die wirtschaftliche Verwendung unseres Holzes sein.“ Weiteres Thema: der zunehmende Wildverbiss.

Seit 15 Jahren führt Mehringer die WBV. Auch wenn 2020 für den Verein coronabedingt schwierig war, kann sich die Bilanz sehen lassen. In der Jahreshauptversammlung wurde ein Jahresüberschuss von 24 500 Euro vermeldet. 2919 hatte dieser knapp 20 000 Euro betragen. Dies gab Steuerberater Johann Spenger bekannt.

Dass die Mitglieder zufrieden sind, zeigte sich bei den Neuwahlen. Mehringer sowie seine Stellvertreter Korbinian Empl und Martin Gruber wurden in ihren Ämtern bestätigt.

Im Altenerdinger Sepp-Brenninger-Stadion fanden nacheinander zwei Versammlungen statt – für 2019 und 2020. Beide waren ebenso ausgefallen wie die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der WBV im vergangenen Jahr. 1600 der rund 4000 Waldbesitzer im Landkreis seien in der WBV organisiert, erklärte Mehringer. Sie bewirtschaften 7000 Hektar, das sind 70 Prozent aller oft kleinteiligen Privat- und Kommunalwaldflächen. In der Mosaikartigkeit des Privatwaldes liege eine enorme Chance, sagte Mehringer, betonte aber auch, dass leistungsgerechte Mischwälder wirtschaftlich tragfähig sein müssen: „Deshalb Erhalt der Fichte, wo es geht.“

Sie ist nach wie vor die dominierende Baumart. 2019 hatte die WBV 33 000 Festmeter Fichte vermarktet, 2020 waren es 24 000. Zum Vergleich: Bei Kiefer und Laubholz waren es nur 290 beziehungsweise 288 Festmeter.

Neben Corona sowie Schäden durch Stürme und Käferbefall macht den Waldbesitzern das Wild zu schaffen. „Es gibt viel zu tun“, sagte Mehringer und forderte, den Bestand anzupassen, „um den natürlichen Aufwuchs des Waldes zuzulassen“. Die Waldbesitzer müssten schließlich von den Holzerträgen leben: „Wir sind ein wirtschaftlicher Verein, kein Naturschutzverein.“

Dass der Schutz vor Wildverbiss immer mehr Raum einnimmt und Geld kostet, bestätigten die Förster Martin Rehmann und Simon Schmatolla mit Zahlen. Waren 2018 noch 4350 laufende Meter Zaun aufgestellt worden, seien es 2019 schon 7550 Meter und 2020 sogar 11 200 Meter gewesen. Ein sprunghafter Anstieg. „Wir sind gezwungen, unsere Pflanzen mit Zäunen zu schützen“, sagte Mehringer.

Im Corona-Jahr 2020 ist der Holzmarkt eingebrochen. Die Gründe: Exportbeschränkungen, fehlende Arbeiter, Abnahmeverzögerungen in den Sägewerken. „Wir konnten und durften nichts mehr bereit stellen“, sagte Mehringer. Schmatolla erklärte, dass im vergangenen Jahr allein 3000 Festmeter Schadholz umgelagert werden mussten. Mehringer dankte der Stadt Erding für die Lagerplätze, die sie der WBV dafür zur Verfügung stelle.

Mittlerweile hat sich die Lage wieder gebessert. „Wir kriegen unser Holz noch los“, sagte Schmatolla. Und das zu dreistelligen Preisen: 120 Euro fürs Langholz und 105 Euro für Fixlängen. Dies sollte Motivation für jeden Waldbesitzer sein, sein Holz zu durchforsten, meinte der Förster. Die WBV helfe dabei gerne und habe Unternehmer an der Hand, die dies erledigten.

Froh sind alle darüber, dass die staatlich verordnete Holzeinschlagsbeschränkung Ende September ausläuft. „Ab 1. Oktober können Sie alle wieder Holz machen“, meinte Philipp Gloning, neuer Bereichsleiter beim AELF, dazu.

Bei den Neuwahlen gab es Veränderungen bei den drei Beisitzern. Den wiedergewählten Valentin Vorbuchner unterstützen künftig Elisabeth Rackl und Rupert Hutterer. Dessen Posten als Kassenprüfer übernahm Franz Obermeier. Er kann auf die Erfahrung von Anton Kaltenbrunner bauen, der als Revisor bestätigt wurde.

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