Caritas Erding

„Wir erleben die Armut täglich im Landkreis“

Erding – Im prosperierenden Landkreis Erding ist Armut durchaus ein Thema. Allein die Caritas unterstützt jedes Jahr mehr Bedürftige. 45 000 Euro an Spenden hat die kirchliche Organisation 2015 an Bürger im Landkreis weitergegeben.

Die Caritas engagiert sich im Landkreis auf vielfältige Weise. In acht Fachbereichen setzt sich die Wohlfahrtsorganisation für Menschen ein. 2015 wurden 5800 Bürger betreut. Das sind 600 mehr als 2014 und 1200 mehr als 2013. Dies geht aus dem Jahresbericht hervor, den Caritas-Geschäftsführerin Barbara Gaab, unterstützt von den Fachgebietsleitern, am Mittwoch vorstellte.

192 Mitarbeiter, viele davon in Teilzeit, arbeiten bei der Caritas. Der größte Teil sind pädagogische Kräfte und Sozialpädagogen, gefolgt von Fachkräften in der ambulanten häuslichen Alten- und Krankenpflege. Dazu kommen 270 Ehrenamtliche und zwölf im Freiwilligendienst. Die Gesamtausgaben beliefen sich 2015 laut Gaab auf knapp fünf Millionen Euro, gut 90 Prozent davon sind Personalkosten. Dass soziale Arbeit trotz Leistungserträgen, Zuschüssen und Spenden nicht kostendeckend zu machen sei, wie Gaab betonte, sieht man an den Eigenmitteln, die der Caritas-Verband und die Kirche tragen. Im vergangenen Jahr waren es fast 280 000 Euro.

So unterschiedlich die Aufgaben bei der Caritas sind, die Themen Armut, Wohnungslosigkeit und Inklusion ziehen sich wie ein Roter Faden durch alle Bereiche. Sei es bei der Schuldnerberatung, die das Programm „Fit for Life“ eingeführt hat und damit jungen Menschen lebens- und praxisnah helfen will, wie Jessica Soussa-Thiede erklärte.

Am Rande der Gesellschaft und am Existenzminimum lebten auch viele Menschen mit Behinderung und psychischen Erkrankungen. Das wissen Thilo Wimmer von der Caritas-Kontaktstelle für Menschen mit Behinderung, und Andrea Linke von den Sozialpsychiatrischen Diensten aus ihrer täglichen Arbeit. „Diese Menschen erfahren viel Ausgrenzung, vereinsamen und haben selbst Scheu, Kontakte zu knüpfen“, so Linke.

Wimmer nennt dies soziale Armut. So seien viele Menschen mit Behinderung weit entfernt von inklusiver Bildung, ihr Einstieg in den Ersten Arbeitsmarkt schwierig. Rund 340 Menschen mit Behinderung und deren Angehörige nahmen die Angebote der Caritas 2015 wahr. Dazu gehörten auch die Schulbegleitung, die 40 Schüler aller Schularten im Landkreis nutzen oder familienentlastende Dienste, so Wimmer.

Das Grundübel von Armut und Wohnungslosigkeit sieht Gaab in den „wahnsinning hohen Mieten“ und den fehlenden Sozialwohnungen im Landkreis. Alle, die ein niedriges Einkommen hätten, „fallen raus“ – etwa Geringverdiener, die mit ihrem Einkommen keine Familie ernähren können. Sie hätten Arbeitsplätze im Reinigungssektor, bei Sicherheits- oder Wachdiensten oder bei ausgelagerten Firmen am Flughafen, erklärte Soussa-Thiede. Viele hätten befristete Arbeitsverträge und würden allein deshalb von Vermietern abgelehnt. Auch bei diesen müsse ein Umdenken stattfinden, so Soussa-Thiede.

Eine gute Nachricht hatte Manuela Ziegler, Pflegedienstleiterin der Caritas-Sozialstation. „Wir betreuen rund 250 Patienten im Landkreis, die täglich besucht werden: morgens, mittags, abends oder öfter.“ Heuer stehe die Entbürokratisierung der Pflegedokumentation im Mittelpunkt, die bundesweit eingeführt wird. Sie sei froh darüber, denn dadurch würden viele Ressourcen frei. Dass die Caritas-Sozialstation sehr gut arbeitet, bestätigt ihr der Medizinische Dienst regelmäßig. 2015 gab’s die Note 1,1.

Gabi Zierz

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